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Freitag, 13. April 2018, 13:59

Unter dem Zeichen des Schattens

Eine große Ehre





Es war Nacht. Es regnete. Der junge Schlüpfling stand in der Mitte einer Reihe anderer Schlüpflinge - mit ihm dreizehn an der Zahl - , die wie er gerade mal stehen und sprechen konnten. Sie blickten geradeaus zu einer Gruppe seltsamer Leute, die wiederum jene Schlüpflinge musternd anstarrten. Zwei Argonier, ein Mann und eine Frau, in dunkler Kleidung, dass sie in der Nacht kaum zu sehen waren und zwei Trockenhäute, die ebenfalls in einer Kluft steckten, als hätten sie sich mit der Nacht selbst gekleidet.

Der Schlüpfling wurde unruhig. Er spürte, dass seine Eigeschwister links und rechts neben ihm ebenfalls unruhig wurden. Wäre nicht seine Eimutter hinter ihm gewesen, er wäre vor diesen dunklen Gestalten geflüchtet - einfach schnell weg gerannt und ab in das nächstbeste Schlammloch, bis die warme Sonne sich wieder gezeigt hätte. Aber seine Eimutter war da, das spürte er, ohne sich umdrehen zu müssen, auch wenn er es gerne getan hätte.

Die Trockenhäute sprachen etwas in ihrer eigenartigen Trockensprache. Der Schlüpfling verstand sie nicht, was ihn noch unruhiger machte. Auch konnte er die Gestalten nicht genau erkennen. Es war zu dunkel und sie waren beide mit einer Kapuze und Tüchern vor den Mündern verschleiert. Nur ihre Augen starrten sie an. Der Schlüpfling schluckte schwer und er bekam ein flaues Gefühl in der Magengegend.

Dann sprach der Argonier: "Dreizehn geben sie uns." Die Argonierin nickte: "Xhu, der Utak-Meya-Stamm war wieder fleißig." Sie lachte kurz und ihr Blick fiel auf den Schlüpfling. "Sieh mal, er hat ja nicht mal Hörner." Sie lachte erneut. Es stimmte. Er hatte keine Hörner. Nicht einmal Federn. Die anderen hatten welche, wenngleich auch nur Ansätze davon. Die anderen Schlüpflinge hatten sich deswegen schon über ihn lustig gemacht. Doch heute blieben sie stumm. Kein Gelächter in Anwesenheit der dunklen Gestalten.

Die Argonier betrachteten noch einen Moment die dreizehn Schlüpflinge vor sich. Dann sahen sie zu den zwei Trockenhäute. Einer nickte. Dann erhob der Argoniermann das Wort: "Wisst ihr, warum ihr hier seid? Ihr seid hier, weil euch die größte Ehre zuteil wird, die einen Saxhleel treffen kann. Ihr wurdet unter dem Zeichen des Schattens geboren. Wisst ihr, was das bedeutet?", wiederholte er, "Das bedeutet, dass ihr auserwählt seid. Auserwählt, zu dienen." Die Argonierin nickte dazu einmal, ehe der Argonier fortfuhr: "Oh ja, ihr werdet Diener sein. Diener von Vater Sithis, Diener der Mutter der Nacht, Diener der Hist und Diener für euer Volk. Eine große Ehre." Dann ergriff die Argonierin das Wort: "Xhu, eine große Ehre. Ihr werdet mit uns kommen und lernen - lernen, zu dienen. Und wenn ihr zurückkehrt, werdet ihr großes Ansehen genießen. Man wird euch Schattenschuppen nennen. Eure Feinde werden zittern und euer Volk wird zu euch aufschauen und der Schreckensvater und seine unheilige Braut werden auf euch hinab lächeln."

Der Schlüpfling schluckte erneut. Er begriff kaum etwas von dem, was sie sagte, aber sprach sie von mitkommen? Der Drang, sich zu seiner Eimutter umzudrehen, wuchs in ihm immer stärker heran. Wieder sprach der Argonier: "Ihr werdet in den Künsten des Mordens ausgebildet, in den Künsten des Schleichens, des Verbergens und des Überlebens unter den härtesten Bedingungen, die man sich vorstellen kann. Ich will ehrlich sein. Nicht alle werden es von euch schaffen. So rasch, wie die Hist euch eine Seele gaben, werdet ihr sie vielleicht schon bald wieder zurückgeben." Der Schlüpfling verstand die Worte noch nicht ganz, ehe die Argonierin dann wieder nickte: "Das ist wahr, mit Sicherheit werden einige von euch sterben."

Sterben! Die kurzen Beine des Schlüpflings zitterten. Beide Argonier hoben ihre Lefze zu einem "Grinsen" an. Die Atmung des Schlüpflings wurde immer schneller und heftiger. Er konnte nicht mehr. Er fuhr herum und rannte zu seiner Eimutter. Diese war völlig überrascht. Er klammerte sich an ihren Beinen fest und jammerte. Sie ging in die Hocke und beruhigte den armen Schlüpfling. "Habe keine Angst", sagte sie, "Habe keine Angst. Dir wird nichts geschehen, ja? Sei stark und halte durch. Dann wirst du dein Volk stolz machen. Und mich." Der Schlüpfling klammerte sich noch einige Atemzüge lang trotz dieser Worte an seine Eimutter fest, ehe er langsam losließ. Sie drehte ihn herum und führte ihn zurück an seinen Platz in der Reihe der dreizehn Schlüpflinge.

Die dunklen Gestalten beobachteten die Szenerie still und ohne Regung. Die Argonierin sprach wieder: "Nun gut. Es ist Zeit, wie die Trockenhäute sagen würden. Der Weg ist weit." Sie winkte die Schlüpflinge zu sich. Langsam, sehr zögerlich tappsten sie alle voran. Der hornlose Schlüpfling fühlte sich noch immer, als würde er nicht auf Schlamm sondern auf einer wackelige Brücke, die jeden Moment einstürzen könnte, schreiten. Er war froh, als er merkte, dass nicht nur er, sondern auch die anderen Schlüpflinge sich nach ihren Eimüttern umsahen. Es sollte für lange Zeit das letzte Mal gewesen sein.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Meavy« (14. April 2018, 18:24)


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Sonntag, 15. April 2018, 12:25

Ernstfall





Es war Nacht. Es regnete. Der nicht mehr ganz so junge Schlüpfling atmete tief durch und wartete, hoch oben in den Kronen eines alten Marschbaumes. "Sei geduldig. Nimm dir ein Beispiel an den Tieren", hatte sein Ausbilder ihm gesagt, "Wenn es etwas auf der Welt gibt, das Geduld kennt, dann sind es die Hist, die Wildnis und wir." Die Hist, die Wildnis und wir. Der Schlüpfling versuchte, sich dies immer wieder in den Kopf zurück zu rufen, während er von der Baumkrone aus ein Lager von Trockenhäuten beobachtete. Es waren Dunmer und sie waren hier, um das zu tun, was Dunmer immer taten: Saxhleel entführen. Seit einigen Wochen schon schlichen sie sich durch den Dschungel der Marschen und fingen unvorsichtige Argonier ein, vor allem Schlüpflinge, die sich zu weit von den Grenzen ihrer Dörfer hinaus trauten. Doch heute Nacht würde es enden. Heute Nacht würden die Schattenschuppen die Seelen der Dunmer zu Vater Sithis schicken.

Der junge Argonier in der Baumkrone atmete allmählich schwerer. In den letzten Jahren wurde er genau auf solche Aufgaben vorbereitet. Die Ausbilder trieben ihn und die anderen Schlüpflinge zu Höchstleistungen und das nicht nur auf körperliche, sonder auch auf geistige Weise. Die Ausbildung war hart und von den dreizehn Schlüpflingen, die aus seinem Stamm mit ihm zur Ausbildungsstätte der Schattenschuppen und der Dunklen Bruderschaft mitkamen, waren bereits vier tot, einer verschollen und zwei weitere wieder nach Hause zurückgekehrt. Mit den Gruppen an jungen Argonier aus anderen Stämmen sah es nicht viel anders aus.

"Lernt und übt schnell, oder sterbt", hatten ihnen die Ausbilder gesagt. Der junge Schlüpfling begriff die Worte, als schon nach zwei Wochen der erste Artgenosse aus einem anderen Stamm, kaum älter als er selber, nach einer Ausdauerübung tot zusammenbrach. Und so ging es immer weiter, egal ob Klettern, Ausdauertraining, Körperkraft, Waffengang, tage- bis wochenlanges Marschieren durch den Urwald, oder gar das scheinbar endlose Ausharren in einem Gewässer. Wem die Kraft, die Ausdauer, aber vor allem der stählerne Wille fehlte, blieb auf der Strecke. Die Schlüpflinge wurden weniger. Doch jene, die blieben, die durchhielten, wurden stärker - und tödlicher.

So war es in dieser Nacht nun soweit. Der Schlüpfling in der Baumkrone wurde auf seinen ersten echten Einsatz geschickt. Jedoch nicht alleine. Auch wenn sie weder zu sehen, noch zu hören waren, so wusste der Schlüpfling, dass noch mehr da waren. Mehr Auszubildende und die Ausbilder. Die Dunmer, die unten lachten, aßen, tranken, schliefen und sich über die Saxhleel in ihren Käfigen lustig machten, ahnten nicht, was auf sie zukommen würde.

"Siehst du den in der Lederrüstung? Mit dem Bogen? Er wird heute dein Ziel sein. Eliminiere ihn, wenn es losgeht. Mach die Mutter der Nacht stolz." Das waren die letzten Worte seines Ausbilders. Er war mit ihm hoch geklettert, ging mit ihm die letzten Details durch und verschwand anschließend wieder in der Dunkelheit. Seitdem harrte der Schlüpfling oben in der Baumkrone aus. Wartete, bis etwas geschah. "Wenn der Zauberer dort in der Robe stirbt, ist das dein Zeichen." Seitdem behielt er nicht nur sein Ziel, sondern auch den Zauberer, ein Dunmer in blauer Robe, im Auge. Und das Warten nahm kein Ende. In der Ausbildungsstätte waren nicht nur Schattenschuppen sondern auch Trockenhäute der Dunklen Bruderschaft. Durch sie lernten sie alle die Sprachen der Menschen und Elfen, lernten neue Konzepte, unter anderem das der Zeit. Und dem Schlüpfling in der Baumkrone wurde um so mehr klar, was es bedeutete, schier endlos zu warten, wenn die Zeit, obwohl die selbe Anzahl an Minuten, manchmal länger und manchmal kürzer verstrich. Heute Nacht verstrich sie länger als sonst.

Dennoch behielt er sein Ziel und den Magier im Blick. Keine Nachlässigkeit!, rief er sich in Erinnerung. Dann sah er etwas. Der Magier, der auf einem Stuhl saß und in einem Buch las, hob den Kopf. Er sah sich um. Nach links, nach rechts. Er stand auf und machte zwei schritte vor. Die anderen Dunmer sahen ihn fragend an. Dann knickte der Magier seinen Rücken durch, als wollte er sich strecken. Aus seinem Hals spritzte das Blut und er sackte zusammen. Die anderen Dunkelelfen sahen geschockt zu, wie der Magier am Boden verendete, konnten sich das alles nicht erklären. Da erschien hinter dem toten Dunmer eine dunkle Gestalt. Ausbilderin Mitaan, dachte der Schlüpfling. Er hatte diese Fähigkeit von ihr beim Training oft gesehen, aber noch nie in einem Ernstfall.

Als er so den Toten vor ihr sah, wurde ihm auch gleich flau im Magen. Es ist ernst. Ernst. ERNST! Er begriff, dass es keine Übung war. Es war der nackte Ernst. Er musste nun tun, was man ihm auftrug, sonst würde alles noch schief gehen. Der Schlüpfling spannte den Bogen, er hatte bereits einen Pfeil eingelegt und suchte sein Opfer. Er war nicht da. Verdammt! Er hatte nicht aufgepasst. Gehetzt suchte er den Lagerplatz, der nun in Panik geriet, mit seinen Augen ab. Die Dunmer zogen ihre Waffen, mehr Schattenschuppen erschienen und die Lage wurde unübersichtlich. Dann entdeckte er ihn. Der Dunmer, der Bogenschütze, sein Opfer.

Der Dunmer kauerte verängstigt hinter einigen Kiste. Den Bogen muss er wohl fallengelassen haben, denn er war unbewaffnet. Der Schlüpfling dachte gehetzt nach. Der Mann da unten war keine Gefahr. Im Gegenteil. Aber er war sein Opfer, Sithis versprochen. Dieses Versprechen zu brechen würde sein Ende bedeuten. Strafe. Oder noch Schlimmeres.

So zielte der Schlüpfling, genau auf den Kopf des Dunmers, der sich dort starr hinter den Kisten verbarg, während seine Volksgenossen abgeschlachtet wurde. Und dann schoss er. Ein kurzes Surren, dann sackte der Dunmer auch schon zusammen, am Kopf getroffen.

War das richtig?, dachte der Schlüpfling, Er war unbewaffnet. Er hatte Furcht. War er unschuldig? "Es gibt keine Unschuld", flüsterte er für sich selber. Und doch fühlte es sich eigenartig an. Zum ersten Mal hatte er ein Leben genommen. Der erste Mord. Der erste von Vielen. Denn dafür wurde er ausgebildet. Zum Morden. Zum Jagen von denkenden und fühlenden Wesen.

Der Platz unten beruhigte sich allmählich. Kein Dunkelelf, der noch lebte. Nur Schattenschuppen und die gefangenen Argonier. Der Schlüpfling oben schulterte seinen Bogen und kletterte wie ein leiser Schatten den Baum herunter. Der Treffpunkt sollte im Lager sein. Er war froh darüber. So würden die anderen nicht sehen, dass er unten an der Baumwurzel einen Moment verharrte, schwer atmete und sich dann übergab, ohne jedoch zu wissen, dass er damit nicht der Einzige sein würde.






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Dienstag, 17. April 2018, 11:17

Trampelnder-Kagouti





Es war Tag. Die Sonne wurde von dichten Wolken verdeckt, aber es war trocken. Der horn- und federlose Saxhleel, den die Trockenhäute wohl einen Jugendlichen nennen würden, stand inmitten eines matschigen Kreises, der ihm und den anwesenden Argoniern als Kampfbereich diente. Außer ihm war noch ein weiterer jugendlicher Argonier, dessen Nase von zahlreichen kleinen Hörnern geschmückt wurde, im Kampfbereich. Der Rest stand rundherum aufgestellt und beobachtete die Szene, die sich ihnen bot.

Der "Nasenhörnige" schnaufte und hockte mit einem Knie im Matsch. Er umgriff mit einer Hand ein langes und schmales Schwert, schien jedoch Schwierigkeiten zu haben, sich wieder aufzuraffen. Er blickte zu seinem Gegner. Der schmucklose Argonier wirbelte mit seinen zwei machetenartige Schwerter zur Demonstration seiner Überlegenheit und umkreiste den Kauernden. Dieser schrie plötzlich wutentbrannt los und holte weit mit dem dem Schwert aus. Den Schwung nutzte er, um wieder auf die Beine zu kommen. Der Schlag selber nützte nichts. Der "Schmucklose" wich mit einer Leichtigkeit aus, dass die Klinge ihm nicht eine Sekunde gefährlich werden konnte. Wieder und wieder versuchte der "Nasenhörnige" seinen Gegner zu erwischen. Doch jedes Mal wich er von Neuem aus, sprang zurück, zur Seite und sogar nach vorne, wenn es ihm passte.

Der letzte Schwertstreich des "Nasenhörnigen" hatte kaum noch Kraft, er stolperte nach vorne, konnte sich gerade noch so fangen, da bekam er einen der Schwertknäufe seines Gegners im Rücken zu spüren, dann an den Flanken und zu guter Letzte, als er sich mit schmerzverzerrtem Gesicht umwandte, mitten auf die Stirn. Für den "Nasenhörnigen" wurde wohl alles schwarz vor Augen und mit einem Platschen landete er regungslos im Matsch.

Der schmucklose jugendliche Argonier sah zufrieden auf seinen Gegner, der von zwei Zuschauern aus dem Ring gezogen wurde. Der fünfte Sieg heute. Alleine nur heute. Er ließ den Blick schweifen. Einige jubelten, einige sahen still zu ihm. Neider, dachte er, ich kann es spüren. Möglicherweise lag er damit richtig. Der Saxhleel hatte hart an sich selber gearbeitet. Die Erlebnisse vor einigen Jahren bei seinem ersten richtigen Einsatz haben ihn letztendlich beflügelt gehabt, härter an sich zu arbeiten. Er wollte nicht noch einmal zögern oder zweifeln. Seitdem trainierte er wortwörtlich Tag und Nacht, baute seine Fähigkeiten aus und steckte sich immer wieder neue Ziele. Lernte er einen Rekruten kennen, der in einer Sache besonders talentiert war, nahm er sich diesen zum Vorbild und übte. Er übte und übte und übte, bis er schließlich besser war. Seine Ausbilder waren zufrieden, ja einer der Trockenhäute von der Bruderschaft sagte sogar etwas von "Einer der besten seines Jahrgangs."

Einer der Besten. Die Formulierung störte ihn. Er wusste, dass es kaum, noch jemanden gab, der ihm das Wasser reichen konnte. Niemanden. Außer einer.

"Lasst mich mal da ran!"

Der Saxhleel wandte den Blick zu der Stimme um. Eine schlanke Argonierin mit einer prachtvollen Federzier auf dem Kopf und strahlenden azurblauen Augen betrat den matschigen Ring. Neeseera war ihr Name. Sie war es, die dem jungen Saxhleel seine Grenzen aufzeigen konnte.

"Dich schaffe ich doch locker. Trampelst wie ein Kagouti", sprach sie heiter drein. Der jugendliche Saxhleel knirschte mit den scharfen Zähnen. Er hasste es, dass sie so mit ihm sprach. Und das lag weniger an den Worten als an ihrer fröhlichen Art. Ständig schlug sie ihn in allen Wettkämpfen und lachte dann darüber, als wäre das alles nichts. Tatsächlich, obwohl sie unter all den auszubildenden Schattenschuppen etwas eigenbrötlerisch war und den Kontakt zu anderen Argoniern häufig mied, suchte sie immer wieder die Nähe zu ihm. Sicher, um sich lustig zu machen, dachte er.

Wie er selber kämpfte Neeseera mit zwei argonischen Einhandschwertern. Er hatte es sich heimlich von ihr abgeschaut. Und wie immer übte er ohne Unterlass, bis er jeden damit schlug. Außer Neeseera. Der jugendliche Saxhleel ließ seine Klingen kreisen und ging in Kampfstellung. Neeseera tat es ihm gleich und schon umkreisten sich beide leichtfüßig. Die Zuschauer rundherum tauschten Blicken und tuschelten. Es kamen sogar noch mehr dazu, ja sogar zwei Ausbilder ließen sich blicken und beobachteten das Ganze aus dem Hintergrund.

"Man hört deine Schritte", lachte Neeseera ihm entgegen. Der jugendliche Saxhleel hob erzürnt die Lefzen an. Sie konnte ihn gar nicht gehört haben! Niemand hörte ihn! Er war einer der Leisesten und Leichtfüßigsten. Neeseera lachte erneut, als hätte sie seine Gedanken ganz richtig erraten. Wie lauernde Raubkatzen umkreisten sie sich noch einige Atemzüge lang, als es dann los ging. Klingen trafen auf Klingen. Beide versuchten sie dem anderen durch gezielte Angriffe beizukommen. Die eine Klinge schlug zu, die andere wehrte ab. Ein Sprung zur Seite, nach vorne, wieder Klinge auf Klinge. Immer wieder. Ein Raunen ging durch die Menge. Die Bewegungen der beiden waren nicht nur von einer Eleganz und Geschmeidigkeit geprägt sondern auch von einer erstaunlichen Geschwindigkeit.

Nach einigen heftigen Schlägen sprangen beide zurück, um Abstand zu gewinnen. "Wirst du schon müde?", lachte sie ihm wieder entgegen. "Ich bin niemals müde", blaffte er zurück. Er wagte, durch die Wut getrieben, einen Ausfall nach vorne. Neeseera schwang ihre Klingen auf Brusthöhe von links und rechts, dass sie wie eine Schere sich überkreuzten. Der jugendliche Saxhleel wich aus, indem er seinen Rücken durch bog und den Oberkörper nach hinten verlagerte. Das war ein Fehler. Neeseera hob blitzschnell ihren Fuß und verpasste ihm einen Tritt in den Bauch. Er taumelte zurück, konnte aber mit einem kräftigen Aufstampfen sich davor bewahren, hinzufallen. Es nützte nichts. Mit einem weiteren Vorschnellen eines Fußes hakte sich Neeseera hinter seinem eigenen Fuß ein und zog gnadenlos. Mit einem Platschen stürzte er auf dem Rücken in den Matsch. Die Menge tobte. Neeseera lachte und blickte von oben herab auf ihn herunter.

"Mal wieder gewonnen. Was bist du nur für ein ungeschickter Kagouti mit deinen Füßen. "Trampelnder-Kagouti", so sollst du ab heute heißen." Sie lachte fröhlich. Der jugendliche Saxhleel blieb ruhig und erwiderte nichts. Er knirschte nicht mal mit den Zähnen. Was war hier nur los? Er fühlte Wut in seinem Bauch. Wut auf Neeseera. Aber kam die Wut wirklich da her? Oder was war das? Ihm wurde seltsam im Bauch, wie er sie betrachtete, ihre Federn musterte, ihre Hand, als sie ihm aufhalf, ihre Augen, die ihn fröhlich anlachten und ihren Gang, als sie sich lachend abwandte, um den Ring zu verlassen und sich von den Zuschauern feiern zu lassen.

Er schüttelte den Kopf und verließ den Ring, schlängelte sich durch die Menge und wollte erst mal weg. Bald hab ich dich, Neeseera, bald hab ich dich...

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