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Dienstag, 1. Mai 2018, 13:49

Sadris Schriften - vom Schreibtisch eines Dunmer Magiers.

Sadris Schriften
Vom Schreibtisch eines Dunmer Magiers.


Die folgenden Essays können vermutlich in den meisten Bibliotheken unter S wie Sadri gefunden werden. In solchen Sammlungen, die lediglich nach Themengebieten katalogisieren, könnten sie aber auch unter I wie Illusion auftauchen oder unter M wie Manuscripte, U wie Unterweisungen, L wie Leitfäden, A wie Aufwertung von Gegenständen (magisch), C wie Commerz, R wie Ritualmagie (theoretisch) oder A wie Allgemeines. Schließlich wird es auch Bibliotheken geben, in denen Sadris Aufsätze gar nicht anzutreffen sind - sehr zu seinem Bedauern versteht sich.

Sadri hat für die Gildenhallen in Windhelm und Wegesruh als Schreiber und Bibliothekar gearbeitet, seine magischen Schwerpunkte sind Verzauberung und Illusion - und die Schriftkunst natürlich. Als wagemutiger Dunmer traut er sich aber auch, über Themen zu schreiben, die nicht seinen Fachgebieten entsprechen.

So nicht anders vermerkt, sind die hier aufgeführten Texte für andere Charakter zugänglich und man kann den Herrn Dunmer darauf ansprechen - oder seinem Puppenspieler eine PN schreiben.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Anska« (6. Mai 2018, 14:48)


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Dienstag, 1. Mai 2018, 13:56

Ein abgeschiedener Ort
wobei es sich um einen Essay über Magische Kreise handelt


Zitat

Ein Hund kam in die Küche und stahl dem Koch ein Ei.
Da nahm der Koch den Löffel und schlug den Hund in zwei.
Da kamen viele Hunde und trugen ihn zu Grab,
und setzten ihm ein Denkmal auf dem geschrieben stand:
Ein Hund kam in die Küche …

Magische Kreise lassen sich grob in zwei Arten unterteilen: Solche, die etwas aus- und solche, die etwas einschließen sollen. Meditationskreise, welche störende Einflüsse aus der Umwelt bannen und so den Praktizierenden darin unterstützen, sich auf seine Meditation zu konzentrieren, fallen beispielsweise in die erste Kategorie. Ritualkreise, welche schädliche Einflüsse im inneren des Kreises halten, gehören dagegen ebenso zur zweiten Gruppe wie die aus der Zerstörungsmagie bekannten Runen, bei welchen elementare Energie solange im Inneren des Kreises eingeschlossen bleibt, bis jemand ihn beschädigt und sich die Rune daraufhin schlagartig entläd.

Dass der Ausdruck Bannkreis häufig synonym für Magische Kreise jedweder Art verwendet wird, deutet bereits die enge Verbindung derartiger Kreise mit der Schule der Beschwörung an, wo sie gerade für Lehrlinge der Kunst eine nahezu unerlässliche Schutzmaßnahme darstellen. Ruft man einen feindseeligen Geist oder eine daedrische Kreatur wird es in der Regel angeraten, einen schützenden Kreis um sich zu ziehen. Alternativ kann man auch die Erscheinung dazu nötigen, sich in einem Kreis zu manifestieren, in welchem sie in Folge gebunden bleibt und dadurch einen weiteren Anreiz zur Kooperation erhält. - Generell ist es ratsam, beides zu kombinieren: das heißt sich selbst zu schützen während man sein Opfer bindet.

Sind die meisten Magischen Kreise komplexe Diagramme, in welchen Schriftzeichen und andere Symbole die Absicht des Kreises unterstützen, handelt es sich beim Urtypus um ein schlichtes Rund, welches in der Regel mit Kreide, Salz oder - man mag es geahnt haben - Blut gezogen wird. Kreide, welche zwar selbst keine förderlichen Eigenschaften besitzt, ist davon am komfortabelsten in der Anwendung. Zu einer Stange gepresst kann man sie bequem bei sich tragen, sie hinterlässt auf fast allen Untergründen eine klare Linie, ist unempfindlich gegen Wind oder vereinzelte Regentropfen und lässt sich doch bei Bedarf leicht wieder entfernen. Salz hingegen ist zwar umständlicher in der Handhabung, hat sich aber auf Grund seiner reinigenden und desinfizierenden Eigenschaften als eines der effektivsten Materialien zum Ziehen Magischer Kreise erwiesen; pökeln wir doch unser Fleisch mit Salz um es haltbarer zu machen, und salzen das Land unsere Feinde um es gänzlich abzutöten. Blut schließlich trägt selbstverständlich die Essenz des Lebens in sich und würde seine vitale Kraft auf einen Kreis übertragen, der darin gezogen wurde. Man möge jedoch im Hinterkopf behalten, dass allein ein Tieropfer in den Augen mancher bereits den ersten Schritt auf einem dunklen Pfad darstellt. Entsprechend werde ich an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen, dass es im Fall eines Blutkreises ratsam ist, den lebendigen Charakter dieses Lebenssaftes - womit ich sein fließendes, wässriges Naturell meine - zu erhalten und es direkt aus der Quelle in einem vorgezogenen Kreiskanal zu verwenden.

Ungeachtet ihrer Elaboriertheit und des verwendeten Materials, sind alle Magischen Kreise vom Grundgedanken her “abgeschiedene Orte”; schützt man seinen Garten mit einem Wall aus Holz und Stein, so umgibt man ein magisches Areal mit einem Wall aus Wort und Willen. Wie bei jeder anderen Mauer so hängt die Effektivität eines Magischen Kreises von seiner Stärke aber auch von seiner Vollständigkeit ab. Der Kreis symbolisiert hierbei das perfekte Rund, die infinite Linie - und genau hierin liegt das Problem unseres Kreises: Er mag unendlich erscheinen, jedoch ist er weit entfernt davon, es tatsächlich zu sein.

Eine Frage der Zeit
Genau wie der oben aufgeführte Kinderreim - oder, um einen konventionelleren Vergleich heranzuziehen, wie der Entstehungsmythos der alten Yokudaner - besitzt ein gezeichneter Kreis einen Ende und einen Anfang. Er ist, kurz gesagt, eine sich wiederholende Geschichte ohne Worte; eine Schlange, die immerfort nach dem eigenen Schwanz schnappt.

Viele Anleitung für das Zeichnen Magischer Kreise ziehen diese Schwachstelle in Betracht. Sie versuchen die Lücke dadurch zu schließen, dass sie den Praktizierenden anweisen, den Kreis “dreimal gegen den Sonnenlauf” zu ziehen, ihn dann “in Widerrichtung” zu schließen und dergleichen mehr. Jedoch, egal wie elaboriert man versucht ihn zu vertuschen, der Spalt bleibt. Im Gegenteil, extensive Zeichenpraktiken verschlimmern das Problem eher, indem sie den Fokus auf das lenken, was den Spalt überhaupt erst hervorbringt: Den Faktor Zeit.

Ganz gleich ob man es nun Auri-El, Akatosh oder Satakal nennt, das Konzept von Zeit ist essentiell für die meisten Mythen Tamriels. Indem sie eine rudimentäre Ordnung schuf, war Zeit von höchster Wichtigkeit für Geistwesen ihren Sinn zu verstehen. Sie ist ein Konzept, welches eng mit allem sterblichen verbunden ist und von welchem Sterbliche sich nur schwer zu trennen vermögen; um zu sterben, muss man zunächst geboren werden. Doch, was das Verständnis des alltäglichen Lebens vereinfacht, gedeiht dem Magischen Kreis zum Verderben, verkommt er so ebenfalls zu einer bloßen Sequenz, zu einem in Raum und Zeit verankertem Gebilde, statt dass er es vermag, ein “abgegrenzter Ort” zu sein.

Jene meiner Leser, die mit der Nacherzählten Anuade vertraut sind, mögen schon ahnen in welche Richtung ich weise: Genau wie Anu mit Padomay verfuhr, so muss der Magier seinen Kreis aus der Zeit ziehen - womit ich natürlich meine, dass er den Kreis beschwören muss.

Den Kreis beschwören
Um sich dem Drachen zu widersetzen, muss der Kreis beschworen werden. Forme ihn im Geiste. Ersinne ihn als ewig, als ohne Ende aber auch ohne Anfang. Ersinne ihn als bar jeder Absicht, jedes Effektes und jeder Bedeutung und doch zur gleichen Zeit voll davon. Dann nimm diesen Kreis, ewig, bedeutungslos und doch bedeutungsvoll und wirf ihn willentlich in die Welt. Denn um einen Magischen Kreis zu beschwören, um jedwede Magie von irgendwelcher Bedeutung zu wirken, ist Wille von Nöten.

Appendix
Sich das unendliche vorzustellen ist für Sterbliche, dazu bestimmt zu vergehen, schwer. Schwerer noch ist es für sie, sich das ewige vorzustellen - ohne Tod zu sein aber auch ohne Geburt. Wobei ich mit “vorstellen” verinnerlicht meine, verschlungen, verdaut und zum Teil seiner selbst gemacht. Entsprechend besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich ein beschworener Kreis als um keinen Deut wirksamer erweist als einer aus Kreide oder Salz. Doch, geneigter Leser, verzweifle nicht, wie die Anuade uns vermittelt, ist es selbst Anu nicht beim ersten Versuch gelungen.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Anska« (1. Mai 2018, 14:01)


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Exorbitanz (01.05.2018), Estir (04.05.2018)