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Slanion

Novize

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Beiträge: 31

Gilde: Blut und Asche

Allianz: Ebenherz-Pakt

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Samstag, 16. Februar 2019, 04:25

Das Kind im Sandsturm

Ich schaute mich um. Der Sandsturm war stark an diesem Tag. Mir schossen einige Gedanken durch den Kopf: War die Kleine unverletzt? Welcher Idiot war auf die Idee gekommen, hier einen Hinterhalt zu legen? Und warum bei Mephala gab es in dieser Provinz so hervorragend köstlichen Süßkram? Süßer Honig hatten sie es genannt, soweit ich mich erinnere... Zwar keine Süßkringel aber auch auf seine Art und Weise eine Delikatesse! Aber ich schweife ab.

Ich hatte schnell sichergestellt, dass meine Angreifer, einer nach dem anderen Sand fressen durften. Und die Kleine? Sie stand da, rieb sich heulend die Augen und schniefte in herzzerreißenden Tönen. Immer wieder wiederholte sie nur flehend: "Mama! Papa!" und schniefte dazwischen was das Zeug hielt. Kinder...

"Wie alt bist du, Kleines?"

Ich begab mich hinab auf ein Knie und musterte sie ruhig. Sie stand da und blickte mich mit großen, meerblauen Augen an. Tränenverschmiert und unter der Nase eine lange Rotzfahne. Ihre kleinen Füße, allen voran die Zeher waren von Blasen bedeckt und wund gelaufen. Offenbar hatte sie schon früh ihre Sandalen verloren. Und ihre Kleidung? Eine einfache, weiße Tunika in Überlänge. Kaftan nannten sie dieses Ding, soweit ich es noch weiß. Dennoch sah der Fummel mittlerweile mehr aus wie dieser löchrige Riesenkäse aus Riften. Wie hatte das kleine Ding es nur geschafft, nach einer Woche ihre Kleidung so zu zerrupfen? Sie schniefte und als ich sah, wie ihre Lippen erneut zu zittern begannen, traf es mich. Ich Idiot...

"Achja, die Maskierung..."

Ich löste die Schutzbrille, deren Träger geschliffenes, poliertes Vulkanglas hielten von meinem Gesicht und zog sie nach unten. Dort baumelte sie nocheinige Sekunden um meinen Hals herum. Der Ausdruck von Angst wich schlagartig der Neugierde. Tja, was soll ich sagen? Nicht jeder Ansässige in Hammerfell konnte das unendliche Rot des Berges seine Augenfarbe nennen. "B-B-bist du... Bist du ein Monster?"

Ich hielt inne. Blickte in dieses unendliche, unschuldige Blau hinein.
In einer so trockenen Gegend wirkten die mandelförmigen Äuglein fast schon wie zwei kleine Oasen. Für gewöhnlich hätte ich sie wohl hinters Licht geführt. Mich als furchtbares, Kinder fressendes Monster offenbart und ihr einen Schrecken eingejagt, aber... Mein Blick ging umher und inmitten des Sandsturmes war weit und breit niemand zu sehen. Naja, wie denn auch? Jene, die uns hier mitten in der Wüste hätten gefährlich werden können... Bereits am Morgen würden sie unter dem umherwirbelnden Sand vergraben und vergessen sein. Dafür hatte ich gesorgt. Vielleicht machte mich genau das zu dem Monster als das sie mich zuerst wahr genommen hatte?

"Nein. Nur ein Freund deines Vaters."

Ich zog nun auch den Mundschutz meiner Maske hinab und was das kleine Mädchen zu sehen bekam war lediglich das unvergleichbar freundliche und gut aussehden Lächeln meiner grauen Visage zum Gesicht. Ein Wunder, dass sie nicht direkt den Kopf in den Sand steckte wie ein verschreckter Guar. Nicht dass Guare das taten, aber man erzählte sich Geschichten...

"Aber du siehst komisch aus!"
"Achja? Wenigstens meine Nase ist trocken, du Rotzgöre!"


Sie blickte mich an und blinzelte mit ihren großen Augen. Ich entgegnete den Blick, zaghaft lächelnd. Dann griff ich in die alte Guarledertasche an meinem Gürtel und zog ein Tuch heraus, um ihr den Rotz aus dem Gesicht zu wischen. Ich meinte es gut. Und was bekam ich dafür? Die Ohrfeige ihrer kleinen Tatschehand!

"Ich bin die Tochter vom Hause Khjetrin und keine Rotzgöre! Außerdem bin ich schon groß und sechs ein halb Jahre alt, du blöder... Blödmann! Ja genau!"

Na, auf den Kopf gefallen war sie wohl nicht. Und wenn, dann wohl oft genug, damit sie so mit einem bewaffneten Fremden umgehen konnte. Ich schüttelte nur den Kopf, konnte mir ein Lachen dann doch nicht verkneifen. Ob 'Sie' als Kind wohl auch so war? Noch einmal blickte ich der Kleinen in die Augen. Kinder... Wie schnell sie ihr Leid vergessen konnten, wenn man ihre Aufmerksamkeit davon hinweg lenkte. Immerhin putzte sie gründlich. Im Vergleich zu manchen Gören in der Heimat hatte die kleine Wüstenprinzessin schon ein gewisses Maß an Würde und Eigenständigkeit entwickelt. Wie auch immer... Ich beschloss, das Spiel vorerst mitzuspielen.

"Verzeihung, Muth Sera vom Hause Khjetrin! Es wird nie wieder vorkommen!" ich verneigte mich theatralisch und zwinkerte ihr zu. "Doch nun gestattet mir, Euch nach Hause zurück zu geleiten. Euer Vater ist in Sorge! Und Eure Mutter, ich mag es kaum zu erwähnen, ist gerade dabei sämtliche Taschentuchvorräte Eures Hauses mit Tränen zu benetzen! Wenn Ihr erlaubt, Sera, dann lasst mich Euch sagen, dass Ihr als Erbin Eures Hauses dies verhindern müsst!"
Kinder und ich... Rückwirkend betrachtet hätte ich mich selbst als Vollidioten bezeichnet, hätte ich mir damals von außen zugesehen. Mein damaliges Ich hingegen... Der N'wah hätte aufgeblickt, mit den Schultern gezuckt und mir vermutlich freundlichst geraten, mich vom Acker zu machen. Tja... Und heute? Wie würde ich wohl heute reagieren, wenn ich den kleinen Stöpsel inmitten des Wüstensturms finden würde? Den größten Schatz, den die Alik'r je beherrbergt hatten, ohne davon zu wissen.

"N... Na gut... Aber nur... Nur weil du mich vor den bösen Männern beschützt hast! Sind sie tot?"
"Sie schlafen."
"Bei so einem Wetter?"
"Sind zu müde um ein Lager aufzubauen."
"Hm. Die sind ja blöd."
"Wem sagst du das..."
"Dir, Onkel!"
"Ich bin nicht dein Onkel!"
"Aber du hast mir nicht gesagt, wie du heißt!"


Ich hielt inne, griff der Kleinen unter die Arme und hob sie hoch auf das Pferd, welches ich mir in den Stallungen ihres alten Herren geborgt hatte. "Aaaah du hast Staubkorn mit gebracht!"
Herzerwärmend, zu sehen wie sie dem Ross von hinten um den Hals fiel und dieses lediglich aufschnaubte. Ich hatte und habe wenig Ahnung von Pferden. Komische Tiere... Zweckerfüllend, aber keineswegs so komfortabel wie der gute alte Krokkl, mein Guar und der Vater meines heutigen Guars, Drokkl. Was? Ich war schon immer kreativ, wenn es um die Namen meiner schuppigen Reitgefährten ging. Außerdem tut das nichts zur Geschichte!

Zurück zu dem Gaul: Ob es also ein Grüßen war? Schwer zu sagen.

Das Pferd jedoch verlor schnell die Aufmerksamkeit der kleinen Wüsten-Tochter... Die stattdessen nun meiner Brille galt. "Warum hast du das, Onkel?"
"N'chow! Ich bin nicht dein Onkel!"
"Solange du mir nicht sagst wie du heißt, nenn' ich dich so! Blödkopf!"

Es war einer dieser Momente, in denen die flache Innenseite meiner rechten Hand ruckartig unter einem lauten Klatschen gegen meine Stirn fuhr. Warum hatten sie gerade MICH für diesen Schrieb ausgewählt? Ich war nun wirklich kein Garant dafür, Gören zu betreuen... Wenn sie die Klappe halten sollte, gab es also nur die Option nachzugeben... Ich schob die Brille an meinem Kopf hinauf, bis ich sie lösen konnte und friemelte den Lederriemen eng genug, damit er auf ihrem braunen Schopf auch gut sitzen würde.

"Jetzt pass mal auf, Kleines. Ich bin zwar ein Freund deines Vaters, aber ich lasse mich weder von dir, noch von den To... Schlafenden Kerlen da im Sand beleidigen. Ist das klar? Und außerdem bin ich kein Blödkopf, sondern..." ich hielt inne und für einen Augenblick traf es mich wie ein Schlag in die Magengegend. So oder so ähnlich musste mein Onkel sich damals gefühlt haben, als er mich das erste mal gesehen hatte, seit ich ein Säugling auf dem Arm meiner Mutter war. Auf einmal hatte ich dieses dringende Bedürfnis, den alten Scharlatan wieder aufzusuchen, wenn ich zuhause ankäme. Wir hatten schon zu lange nichts mehr getrunken.

"... Soooondeeern?" sie stierte mich durch die Brillengläser hindurch an. Sie waren viel zu groß für den kleinen Kopf und es wirkte dadurch unproportional und kurios. Offenbar hatte sie wirklich ihren Spaß damit. Mit dem üblichen Schwung begab ich mich hinter sie auf das Pferd und ergriff die Zügel. "Wenn du mir versprichst, es niemandem zu verraten, dann sag' ich's dir." instinktiv legte ich ihr erneut eine Hand auf den braunen Schopf. "Versprochen!"
Ihr Enthusiasmus weckte abermals ein ruhiges Lächeln auf meinem Gesicht... Wie ungewöhnlich. Aber versprochen war versprochen, also lehnte ich mich runter an ihr Ohr und flüsterte leise:

"... Nathraen."

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Slanion« (16. Februar 2019, 04:52)


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Jassillia (16.02.2019), Aykami (16.02.2019), Rae (16.02.2019), Thayana (16.02.2019)