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Sonntag, 3. März 2019, 12:52

Zwischen Jagd und Leere

Norden Glenumbras - Erste Saat, 2Ä 564
Das Ende der Saat

Es war eine dunkle, stürmische Nacht. Der Regen plätscherte als schwerer Perlenvorhang aus pechschwarzen Wolken hervor, beleuchtet einzig durch die unablässig herabzuckenden Lichtnarben im Gefüge der allumfassenden Finsternis.

So, oder doch zumindest so ähnlich hätte Dralethys Varyn seine Version der Geschichte begonnen, passend zu den düsteren Geschehnissen und den Schrecken, welche ihm dieser Tag bescheren sollte. Nirn aber teilte seinen Hang zur Dramatik in den seltensten Fällen, und so war es ein sonniger Morndasmorgen, der den alternden Schausteller auf seinem Weg in das kleine Tal begleitete. Für glenumbrische Verhältnisse fühlte sich die Luft recht warm an, und in den Bäumen priesen die Vögel den Abzug der alljährlichen Kälte in höchsten Tönen.

Dralethys hingegen war nicht zu Singen zumute, ungewohnt schweigsam setzte er einen Fuß vor den anderen. Sein Blick war anfangs zu Boden gerichtet, erst als der metallene Geruch ihm unverkennbar in die Nase stieg und damit jedes Leugnen aussichtslos machte, wagte er den Kopf anzuheben. Niemand konnte behaupten, der graubärtige Dunmer besäße ein empfindlich zartes Seelchen, was aber seine roten Augen ihm in diesem Moment offenbarten, jagte ihm eisige Schauer über den Rücken.

Der geschwungene Pfad durch die urweltlich anmutende Hügellandschaft war an diesem Morgen offenbar stark frequentiert worden, war der Wegesrand bis zur nächsten Biegung doch gleich von mehreren reglosen Körpern verunziert. Bauern, vermutete Dralethys, auf dem Weg zu den nahegelegenen Feldern, die das Tal zu Sonnenhöhe als goldgelber Teppich umrahmt hätten. Von nun an aber würden diese wohl brachliegen, denn die Aussaatsäcke waren zerschnitten und ihr Inhalt achtlos zwischen den Leichen der Dorfbewohner verstreut. Die ersten Krähen machten sich über den Festschmaus her, als der Dunkelelf den grausigen Anblick hinter sich zurückließ und seinen Abstieg ins Dorf mit einem tiefen Seufzen fortsetzte.

An den ersten Ausläufern der Siedlung, den Häusern der Bauern und Tierzüchter, wiederholte sich das düstere Bild. Hier waren es zumeist Frauen und Alte, die es erwischt hatte, beim Füttern der Tiere und beim Aufhängen der Wäsche. Und, Azura bewahre, die Kinder beim Spielen. Am Torbogen einer kleinen Färberei hatte ein Wolfshund sein jähes Ende gefunden, wohl als er seinen menschlichen Spielgefährten zu verteidigen versucht hatte. Vergebens, wie der fürchterlich zugerichtete Körper daneben offenbarte.

Erst als Dralethys sich dem Dorfzentrum näherte, änderte sich das Muster allmählich. Die Einwohner waren offenbar von den Schreien ihrer Nachbarn aus der täglichen Routine gerissen worden, hatten sich entweder in ihren Häusern verschanzt oder sich auf den bevorstehenden Kampf vorbereitet. Erstere waren den Flammen zum Opfer gefallen, welche inzwischen nur noch als magere Zünglein an geschwärzten Balken leckten. Die Kämpfer hingegen ...

Abermals seufzend ging der Schausteller neben einem der Körper in die Hocke, um die Wunden näher zu betrachten. Eine Kriegerin, vielleicht auch nur eine besorgte Mutter, die sich der Gefahr tapfer entgegengestellt hatte. Es hatte offensichtlich eine Vielzahl an Hieben benötig, ihr Leben zu beenden, und kleine Eiskristalle in ihrem goldbraunen Haar und dem Gras um sie herum ließen vermuten, dass weitaus mehr als nur einfache Klingen zum Einsatz gekommen waren.

Ihr Körper - der erste von vielen, die den Weg zum Marktplatz säumten - ließ keinen Zweifel mehr an der Ursache für das hier stattgefundene Schlachten. Mit einem Kopfschütteln, welches der Engstirnigkeit und der simplifizierten Weltanschauung mancher Leute geschuldet war, strich er durch das blutverkrustete Fell der Verblichenen.

Ihm waren auf der Reise durch dieses Gebiet bisher keine Schreckensgeschichten untergekommen. Keine Berichte über verschleppte Bürger, über geplünderte Ställe oder verschwundenes Vieh. In der kleinen Siedlung, welche seiner Truppe derzeit als Unterschlupf diente, waren selten Worte über das Dorf hier gefallen, und in den meisten Fällen waren es Aussagen über das gute nachbarschaftliche Verhältnis gewesen. Die Einwohner waren wohl hauptsächlich unter sich geblieben, hatten ihre Felder bestellt, im angrenzenden Wald gejagt, sich ihrer Tierzucht gewidmet.

Wer also hätte einen Grund gehabt, Werwolf-Jäger auf den Plan zu rufen, um ein harmloses Rudel von Bauern auszulöschen?

Als er seinen Weg zum Marktplatz fortsetzte, häuften sich die Körper derer, die in ihrer Wolfsgestalt ihr Ende gefunden hatten. Mehr als ein Dutzend zählte er inzwischen, und der ehemalige Gelehrte in ihm stellte sich die Frage, ob das gesamte Dorf von Hircines Macht berührt worden war, oder nur die auserwählten Beschützer der Gemeinschaft. Seine zynische Seite ging einen Schritt weiter: Hatten die Jäger sich dieselbe Frage gestellt, oder hatten sie einfach wahllos alles geschlachtet, um nur ja keines ihrer Ziele auszulassen?

Es war wahrlich keine Kunst, den Körper des Anführers zu finden. Nicht etwa, weil er mit seinem glänzenden, nachtschwarzen Fell und der stattlichen Größe aus der Menge hervorstach. Auch nicht, weil die Vielzahl zerbrochener Waffen in seinen Wunden von seiner Stärke und der Verbissenheit seines Kampfes zeugte. Nein, er war nicht zu übersehen, weil die Jäger sich die Mühe gemacht hatten, seinen malträtierten Körper mit dem Kopf nach unten an den Monolithen zu hängen, welcher die Mitte des Marktplatzes dominierte. Ein absurdes Mahnmal, oder doch nur die Entweihung einer daedrischen Verehrungsstätte?

Eine Bewegung riss den alten Dunmer aus seinen Überlegungen, und erschrocken wirbelte herum, um den Blick der glutroten Augen auf eine weitere der gefallenen Wolfsgestalten zu richten. Wie die anderen war sie von unzähligen Wunden und Rückständen arkaner Angriffe übersäht, das schneeweiße Fell zum Teil rot gefärbt von Blut und geschwärzt von Ruß. Dralethys zweifelte nicht an ihrem Tod, denn nichts, auch nicht ein Jäger Hircines, hätte den Schaden überleben können, den man ihrem Leib zugefügt hatte.

Und doch rührte sich etwas unter dem besudelten Fell, verlagerten sich die geschundenen Muskeln langsam in eine neue Position, mühsam und schwerfällig. Der Mer überwand die Entfernung zu der Fremden mit einigen wenigen, eiligen Schritten und ging neben ihr in die Knie. Beide Hände vergrub er in der weißen Haarpracht, um den schweren Körper unter lautem Ächzen zur Seite zu rollen - auf den Rücken, herunter von der kleinen Gestalt, die darunter gefangen war.

»Mond und Stern,« entfuhr es dem Schausteller, als das Häufchen Elend die neugewonnene Freiheit dazu nutzte, panisch in die andere Richtung zu krabbeln. Weg von dem vermutlich unheimlichen Fremden, denn Dralethys war nicht sicher, wie viele Mer dieses abgelegene Dorf je besucht hatten, geschweige denn schwarzhäutige, glutäugige Dunmer. »Alles gut, Kleiner, alles gut. Ich bin nicht hier, um dir wehzutun.«

Zwar zweifelte er unter den gegeben Umständen an der Wirksamkeit eines einfachen Lächelns, doch in Ermangelung einer besseren Alternative musste er sich damit als Begleitung zu seinen beruhigenden Worten zufriedengeben. Und wer weiß schon, was ein kleiner Junge als furchteinflößend oder vertrauenerweckend wahrnimmt, der unter daedraverehrenden Wolfsbestien aufgewachsen ist?

»Ich will dir helfen, wenn du mich lässt,« sprach der Dunkelelf mit derselben besänftigenden Stimme, mit welcher er während seiner Vorstellungen die Tiere zur Ruhe aufrief, und auf dieselbe Weise hob er beschwichtigend seine Hände. Als das mit Blut und allerlei Unrat besudelte Kind den verängstigten Blick auf ihn richtete, sich aber nicht weiter von ihm entfernte, durchzuckte ihn ein absurder Gedanke.

Wie viel Tier wohl in dem Sprössling eines Werwolfes zu finden wäre? War es rein menschliche Angst, die ihm da aus den grasgrünen Augen des jungen Überlebenden entgegenblitzte, oder doch ein tiefergreifender animalischer Instinkt? Sachte, ganz vorsichtig begann er die Magie in seine Bewegungen einzuweben, welche ihm normalerweise die innige Verbundenheit zu seinen tierischen Gefährten ermöglichte. Vertrauen versuchte er in dem Jungen zu wecken, ein Gefühl von Geborgenheit und Freundschaft, so wie er es schon unzählige Male bei wilden Kreaturen hervorgerufen hatte.

Die Reaktion darauf überrumpelte ihn selbst, sodass er einige Momente wie erstarrt auf dem kühlen Erdboden kniete und auf das zitternde Bündel Mensch hinabstarrte, das sich schluchzend an seine Brust drückte. Dann erst schloß er zögerlich - und mit der Situation selbst reichlich überfordert - die Arme um das hilflose Wesen.

Er konnte das spöttische Gesicht seiner Frau förmlich vor sich sehen, das liebevolle Kopfschütteln, mit dem sie den Anblick kommentieren würde. Und natürlich hallte auch ihre schelmische Stimme in seinem Kopf wider, als sich dort ein allumfassender Gedanke zu formen begann:

›Und nun?‹

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Vahireth« (4. März 2019, 19:36)


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LegendaryEdition (04.03.2019)