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Thayana

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Allianz: Dolchsturz-Bündnis

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Freitag, 28. Juni 2019, 20:41

[DB] Der schwarze Schwan

…im oberen Stockwerk der Magiergilde hockt eine bis zu den Augen hin vermummte Gestalt auf der Brüstung. Ein paar Bücher liegen unterhalb von ihr verstreut, als hätte sie jemand achtlos dorthin geworfen. Schon fliegt ein neuer Wälzer von oben herab, landet bei den anderen und entlockt einer jungen, in der Nähe auftauchenden Magienovizin einen entsetzt-empörten Schrei, lässt sie einen Schritt zurückweichen. Abrupt löst sich die Gestalt von dem Brüstungsgeländer, landet geschmeidig wie eine Katze im Erdgeschoss inmitten der Bücher und ein Dolch blitzt in den sanft durch die Fenster fallenden ersten Sonnenstrahlen auf, wird an den Hals der jungen Novizin gesetzt, als sei genau sie erwartet worden. Doch nicht die Kehle der jungen Frau wird durchtrennt, sondern nur die Kette mit dem einzigartigen Anhänger daran, die sie trägt. Panisch gibt die Novizin einen gellenden Schrei von sich und nur einen Augenblick später wird die große Portaltür der Magiergilde aufgestoßen, stürmen zwei Wachmänner mit gezückten Schwertern und Schilden in die Eingangshalle.
„Was ist hier denn los“, knurrt einer von ihnen der vermummten Gestalt entgegen, geht einen großen Schritt auf sie zu, verharrt dann jedoch angesichts der scheinbar einverleibten Geisel. Umso verblüffter reagiert der Mann, als der Vermummte von der jungen Frau ablässt und die Treppen zum Obergeschoss hinaufläuft, behände und anmutig, als würde er die Stufen kaum mit den Füßen berühren. Das Überraschungsmoment der Wachleute wird genutzt und damit ein gewaltiger Vorsprung erheischt. Das gestohlene Amulett pendelt dabei gut sichtbar in der Hand.
Der zweite Wachmann reagiert deutlich schneller, sprintet der Gestalt ins obere Stockwerk hinterher. Klirrendes Bersten von Glas! Eine der filigranen Fensterscheiben wurde zertrümmert und auf dem Fensterbrett, hinter der zertrümmerten Scheibe, sitzt die vermummte Gestalt wie eine kohleschwarze Katze. Ihrem Verfolger einen kurzen Blick aus eisblauen, spöttisch blitzenden Augen zuwerfend löst sie sich vom Fensterbrett und lässt sich in die Tiefe fallen.
Es dauert einen Moment, ehe die Wache das soeben Gesehene verarbeitet, an das kaputte Fenster herantritt und seine Stimme laut über den Hof des Seitenschiffs der Magiergilde erklingen lässt, der nun fliehenden Gestalt hinterher.
„Haltet den Dieb! Verdammt, lasst ihn nicht entkommen!“
Die Handvoll Leute, es sind nur wenige zu dieser frühen Stunde unterwegs, schauen verblüfft auf den Rufer, dann auf den Flüchtenden, doch niemand scheint die Verfolgung aufnehmen zu wollen und so stößt der Diensthabende einen lauten Fluch aus, scheint einen Moment zu überlegen, ob auch er den Sprung wagen soll, bevor er sich jedoch abdreht und für sich die sichere Treppe innerhalb der Magiergilde wählt.
Die Wache am Stadttor, die die Aufforderung vernommen hat, zückt ihren Bogen und läuft, der Aufforderung und den fliehenden Schritten folgend, in die Seitengasse. Er sieht die davoneilende Gestalt, die um die Ecke in eine ruhigere Seitengasse entschwindet. Sofort setzt er ihr nach, legt noch im Laufen einen Pfeil ein und spannt die Sehne seines Bogens, als er die Ecke erreicht, sie passiert und ebenfalls ein lautes „Stehenbleiben“ ausruft.
Die dunkle Gestalt wirft im Laufen einen Blick über die Schulter, sieht den gespannten Bogen und stoppt abrupt kurz vor der nächsten Wegkreuzung. Langsam wendet sie sich zum Wachmann herum, welcher sich nun deutlich langsamer nähert.
„Mach keine Dummheiten und bleib stehen! Es gibt kein Entkommen, mein Pfeil ist schneller als deine Schritte je sein könnten!“
Noch im Weitergehen versucht der Mann zu erkennen, ob es sich bei dem Dieb um Mann oder Frau handelt, doch der schlanke Körper in der nachtdunklen Bekleidung, mit bis über die Nase gezogener Kapuze lässt dies nicht erkennen. So nähert sich der Wachmann Schritt um Schritt, den Bogen auf den Dieb gerichtet, der scheinbar gelassen mitten an der Wegkreuzung steht, die Hände halb erhoben, als wolle er keinerlei Widerstand leisten.
Plötzlich jedoch kommt Bewegung in die Gestalt vor der Wache und versucht diese, in die nächste Seitenstraße zu flüchten.
Der Pfeil löst sich vom gespannten Bogen, das Sirren ist gut hörbar in der morgendlichen Stille und fast sieht es aus als würde er sein Ziel erreichen doch verfehlt er, nach einem raschen Ausfallschritt der Gestalt, knapp sein Ziel und bohrt sich tief in die dahinter liegende hölzerne Hauswand. Leise vor sich hin fluchend verfällt der Wachmann erneut in einen Laufschritt, biegt ebenfalls um die nächste Ecke und findet… sich allein auf der stillen Seitenstraße wieder. Weit und breit ist vom Flüchtigen nichts zu sehen, einzig ein Pferd aus dem nahen Stall wiehert leise vor sich hin, scheint sich über den Radau am frühen Morgen zu beschweren.
„Das wird mich meinen Kopf kosten“, flucht der Abgehängte, lässt den Bogen sinken und verfällt erneut in einen schnelleren Laufschritt, die nächste Wegkreuzung ansteuernd, um den Dieb dort vielleicht zu stellen. Erneut findet er nur eine leere Straße vor, verflucht lautstark den jungen Tag und gibt nach einigen, weiterhin vergeblichen Durchsuchungen nächstliegender Straßen schließlich schwer atmend auf, kehrt zurück zum Hauptplatz, auf dem sich mittlerweile das halbe Wachpersonal eingefunden hat. Vom Dieb jedoch ist nichts zu sehen, keine der Wachen hat ihn erwischt.

Sie wartet noch ab, selbst als der Wachmann schon längst in die nächste Straße entschwunden ist. Kurz fasst sie mit ihrer Hand an ihre Schulter. Der Ärmel ihres Oberteils ist auf Höhe des Oberarms aufgerissen, das weiche Leder zerfetzt und aus der Wunde, wo der Pfeil sie gestreift hat, rinnt Blut. Genervt verdreht sie die Augen. Die Wunde ist weder tief, noch gefährlich und auch nicht sehr schmerzhaft, die Blutung sollte bald aufhören. Leise seufzend kauert sie sich unter dem Pferd zusammen, es sanft weiter unter seinem Bauch streichelnd und somit unruhigem Huftrampeln und dadurch schwereren Verletzungen für sich vorbeugend.
Nach einiger Zeit vernimmt sie aus weiterer Ferne, es wird wohl vom Gildenvorplatz kommen, das donnernde und autoritär klingende Gebrüll eines Mannes. Das kann nur vom Kommandant der Wache kommen, der seine Leute maßregelt und für sie selbst damit das Zeichen gibt, sich vorläufig zurückzuziehen. Das Kleiderbündel in der hinteren Ecke des Stalls aus dem frischen Stroh ziehend, kleidet sie sich um. Einen Streifen aus dem Rock ihres hinterlegten Kleides schneidend, wird die Wunde damit notdürftig bedeckt und der Knoten mit den Zähnen und einer freien Hand festgezogen, damit am Kleiderärmel kein Blut zu sehen sein wird. Rasch schlüpft sie danach in das Kleid und schüttelt ihre durchgeschwitzten langen Haare auf. Zwei seitliche Strähnen fasst sie am Hinterkopf zu einem Zopf zusammen, kneift sich zudem in die Wangen, um eine morgendliche Röte darauf zu erzwingen. Hernach kriecht sie aus der Pferdebox, sich vorsichtig nach eventuellen Zeugen umsehend. Den Kleiderbeutel verschwindet unter Pferdemist und Stroh, um die Sachen später zu holen.
Unbeobachtet richtet sie sich auf, ordnet den Rock ihres Kleides, von dem sie einen Zipfel in der Schürze feststeckt. Der so geraffte Rock ermöglicht zwar fast schon unanständige Blicke auf ihre schlanken Fußfesseln, das herausgeschnittene Teil wird dadurch jedoch geschickt versteckt. In ihrem Aufzug gleicht sie einer Magd, die Besorgungen zu erledigen hat.
Die Aktion war ein voller Erfolg, ihr Auftraggeber dürfte zufrieden sein und das spiegelt sich auch in ihren wiegenden Schritten wider. Zielstrebig wird der vereinbarte Treffpunkt für die Übergabe des gestohlenen Anhängers angesteuert, im Austausch des Goldes für ihre Dienste.


Spoiler Spoiler

Name:
Unbekannt. Sie ist nur als „Schwarzer Schwan“ bekannt, die sich gegen Gold für Diebstähle und Informationsbeschaffung anheuern lässt. Zu diesem Zweck hat sie tote Briefkästen aufgetan, wo Nachrichten mit Angaben zu einem persönlichen Treffen hinterlegt werden können. Über ihr Aussehen sind keine Details bekannt, da sie sich stets bedeckt hält und in den Schatten bleibt, um sowohl sich, als auch ihre Auftraggeber zu schützen.

Einsatzgebiet:
Hauptsächlich Dolchsturz-Bündnis, andere Gebiete sind bedingt möglich.

IC:
Der schwarze Schwan bietet seine Dienste aus dem Untergrund heraus an. Bei den Wirten wird ihr Name geflüstert, dort hat sie sich bereits einen kleinen, guten Ruf aufbauen können. Ebenso wird ihr Name in den Diebesunterschlüpfen der Städte genannt, sofern jemand auf der Suche nach einer Spionin und Diebin der besonderen Vorgehensweise ist, die sich einzig sich selbst und ihrem Auftraggeber gegenüber verpflichtet sieht. Sie trägt keine gängigen Waffen, bedient sich jedoch sowohl der Alchemie, als auch der Runenkunde um an ihr Ziel zu gelangen.


OOC:
Das Charakterkonzept schwirrt mir bereits seit einigen Tagen durch den Kopf. Hintergrund ist, dass der schwarze Schwan für delikate Diebesgutbeschaffung eingesetzt werden oder an Informationen gelangen soll, deren Art und Weise der Beschaffung ihr überlassen bleibt. Meist ist sie jedoch innerhalb von lauten Gasthäusern unterwegs, wo die Getränke satt fließen und die Zungen redseliger werden. Wie die ihr übertragenen Diebeszüge hingegen ausgelegt werden, behält sie für sich, müsste jedoch vom gewünschten Plot her ooc abgesprochen werden.
Rollenspieltechnisch wäre die Möglichkeit gegeben, dass der Auftraggeber ein Spieler, der Informations- oder Diebesgutträger ein anderer ist. Ebenso halte ich es jedoch auch für machbar, dass Auftraggeber und „Opfer“ ein und derselbe Spieler im Hintergrund ist, der sich jedoch unterschiedlicher Charaktere bedient.
Gerne stelle ich mich dabei auch komplexen Charakteren, lasse mir auch Steine in den Weg legen. Unbedingt wünschenswert ist hingegen für mich, dass es allen involvierten Spielern Freude und ein vielleicht denkwürdiges Rollenspiel bereitet, mit der einen oder anderen Überraschung gespickt.

Meine Erwartungen:
Schlicht: Keine.
Es ist nur ein angedachtes Konzept, daher erwarte ich mir weder eine große Resonanz darauf, noch dass es überhaupt angenommen wird.

Für detailliertere Angaben, Informationen und/oder Absprachen, als auch für Anregungen stehe ich hingegen gern zur Verfügung.


Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will,
sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will.


Jean-Jacques Rousseau

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Thayana

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Montag, 12. August 2019, 12:56

Auftrag mit Hinternissen

Gemütlich, so scheint es, schlendert sie durch Wegesruh, bewegt sich über den Markt und vorbei an den Marktständen, von denen aus die Händler ihre angebotene Ware bewerben. Kaum fällt sie auf, in der Masse der einfacheren Leute, die sich – zeitgleich zu ihr auch – ihren Besorgungen widmen. Das mittelblonde Haar, durchzogen von dunkleren und helleren Strähnen, zu einem einfachen Zopf zusammengefasst, beißt sie gerade herzhaft in den Apfel, den sie neben ihrem schlichten Weidenkorb mit sich führt und aus dem der zarte Geruch frischer Kräuter schlägt. Schelmisch wandern ihre Augen dabei gen Himmel, von dem die Sonne bereits in der Früh des Tages herab strahlt und somit einen freundlichen, warmen Tag verspricht. Das lichte Blau des Himmels scheint das ihrer eigenen Augen zu vertiefen, auch wenn das ihre deutlich blasser ist, eine leichte Nuance von Grün birgt. Ihre wachen Augen streifen weiter, als sie eine kleine Gruppe schlicht gekleideter Leute ausmacht, der sie sich nähert, ohne wirklich dazu zutreten. In der Nähe des Flusses macht sie schließlich Rast, beißt noch einmal in den Apfel und lässt ihren Blick zum Fluss wandern, der unterhalb der Stadt in ruhigen Bahnen verläuft. Eine laue Windböe greift nach ihrem Gewand, nach dem schlichten leinenen Kleid, das sie trägt und bauscht den von ihr seitlich hochgerafften Rock auf, über dem die einfache Schürze sich mit jeden ihrer Schritte dezent bewegt und mitschwingt. Den Korb neben ihrer ein wenig zu drahtigen Gestalt absetzend, scheint sie in den Tag hinein zu träumen, nicht auf die Gespräche zu achten, die nicht weit von ihr rege im Gange sind.

„…ein Bär! Ein echter Bär, der sich jedoch äußert seltsam verhalten haben soll, bis sie ihn endlich bändigen konnten.“
„Blödsinn, der Bär, der war gar nicht echt. Das war nur ne Beschwörung, die ein Magus der hiesigen Gilde schließlich beseitigen konnte!“
„Aber mal ehrlich: Das bei der Feierlichkeit zum Geburtstag unseres Großkönigs? Eine Schande ist das!“
„Gestohlen wurde auch etwas, hab ich von einem der Wachmänner gehört. Sogar aus dem königlichen Privatgemächern. Ist das zu fassen?“
„Es wurden ja sogar die Medicus der Stadt gerufen. Verletzte soll es gegeben haben und das Beste ist, dass die ganze Unruhe aus dem Kerker heraus angefangen haben soll!“
„Ja was wurde denn nun gestohlen, während dieser Bär ausbrach oder… beschworen wurde?“
„Angeblich eine Liste über Landesverräter, die einst ihren Kopf verloren.“

Die Blicke der plappernden Bediensteten, die sich zu Klatsch und Tratsch zusammengefunden haben, er wandert fast gemeinschaftlich weiter, hin zu der Guillotine, die einem grausigen Mahnmal gleich, mittig auf dem Marktplatz steht.

Auch ihr Blick wandert, doch ihre Augen verengen sich dabei zu schmalen Schlitzen, verleihen ihrem an sich wohlproportionierten, aristokratischen Gesicht fast den Ausdruck eines Racheengels mit aufblitzenden Augen. Selbst die dunkleren, feinen Brauen ziehen sich für diesen Moment zusammen, als wäre sie verärgert. Und selbst ihr eigentlich schön geschwungener, sinnlicher Mund, dessen Winkel ihrem Antlitz an sich den Ausdruck eines beständigen Lächelns vermitteln, verzieht sich. Ihre Lippen wirken fast blutleer, so fest presst sie diese aufeinander. Sie hat genug gehört, nimmt ihren, mit einem groben Tuch abgedeckten Weidenkorb wieder auf und hängt ihn sich an den Unterarm. Die Reste des von ihr vertilgten Apfels wirft sie ins Gras, bevor sie sich von der Gruppe abwendet, deren Gespräch inzwischen verklungen ist.
Zielstrebig überquert sie hernach den von stetem Lärm und von vereinzeltem Gelächter beschallten Marktplatz. Ihr Schritt hat sich verändert, hat nichts mehr gemein mit dem gelangweilt wirkenden Gang einer einfachen Bediensteten. Fast lautlos bewegt sie sich und nur vereinzelt trifft sie dabei der ein oder andere oberflächliche Blick, fällt auf ihr ungewöhnlich stark geschminktes Gesicht. Doch vermag ihr Äußeres keine wirkliche Aufmerksamkeit zu erregen. Zu aussagelos, zu unauffällig wirkt sie, in ihrem deutlich verblassten, schmucklosen Kleid, dessen Ausschnitt sogar von einem groben Halstuch bedeckt wird. Nichts von ihrem gewählten, zur Schau gestellten Äußeren wirkt besonders, um einen zweiten, intensiveren Blick auf sie zu rechtfertigen oder auf sich zu ziehen. So erreicht sie unbemerkt den Vorplatz zur örtlichen Kathedrale, schlendert durch die formlosen Gänge der Steine, welche die Namen der hier zur Ruhe gebetteten tragen. Vorbei an ihnen, hier und da ein Kopfnicken zuwerfend an vereinzelte, morgendliche Besucher, die Blumen niederlegen oder eine Kerze entzünden, führt sie ihr Weg weiter, wobei sie sich dem prächtigen Gebäude des Hauses der Gläubigen nähert. Scheinbar ohne direkten Bezug zu einem der Gräber, bleibt sie mitten auf dem Hauptweg stehen, der so auch zum Kirchenportal führt. Ihre Augen jedoch liegen auf einer verwitterten Gruft über deren Eingang zwei sich zugewandte Schwäne in den Stein gemeißelt wurden. Ruhig atmend steht sie eine Weile einfach nur da, während die aufkommende Brise des Windes unablässig nach ihrem Kleid, ihrem Haar greifen und sogar den Ärmel ihres Kleides zu fassen bekommt, den Stoff dort ein wenig herauf schlagend. So wird auch für diesen Moment eine filigrane Zeichnung auf ihrem Oberarm sichtbar, die jedoch niemand zu sehen vermag, so allein, wie sie an dem Platz ihren Gedanken nachhängt. Sie blinzelt mehrmals, vertreibt die aufgestiegene Tränenflüssigkeit aus ihren Augenwinkeln. Hervorgerufen vom Wind oder aus eine plötzlich aufgekommenen Trauer, das vermag man ihrer Mimik hingegen nicht abzulesen.
Der Tag ist weiter vorangeschritten, als eine junge Frau sich dem Mietstall der Stadt nähert. Ihre Kleidung ist schlicht. Gerade mal ein nicht mehr ganz sauberes Hemd, darüber eine einfache Lederweste. Ihre recht muskulös wirkenden Beine stecken in einer Lederhose, die durchaus schon bessere Tage gesehen hat, so blank, wie sie an Knien und anderen Stellen gerieben ist. Ihre Haarfarbe ist nicht auszumachen, da sie diese unter einer Kappe gebändigt hat, die bis zu ihren Ohren herabgezogen ist. Über ihrer Schulter hängt ein Reisebeutel, nicht besonders groß, als wären darin nur wenige Habseligkeiten verstaut, die von einer recht kurzen Reise sprechen. Ein paar Goldstücke wechseln den Besitzer, landen in der Hand des Stallpächters. Nur kurz Zeit später führt die junge Frau einen kräftigen und ausgeruht wirkenden Braunen am Zügel in Richtung des Stadttors.
Ihr Ziel: Unbekannt.


Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will,
sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will.


Jean-Jacques Rousseau

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Elon (12.08.2019)