Sie sind nicht angemeldet.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: The Elder Scrolls Online Rollenspiel-Community Forum. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

Viola Valerius

ESO-Rollenspiel Journalistin

  • »Viola Valerius« ist weiblich
  • »Viola Valerius« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 881

Allianz: Unentschlossen

  • Nachricht senden

1

Mittwoch, 9. November 2022, 21:39

ESO-Entwicklereinblicke: Lorebücher


Erfahrt in diesem Entwicklereinblick in Form eines Interviews mit den Schreibern von ESO mehr zur Entstehung der vielen erhellenden Lorebücher des Spiels.


Wir freuen uns, dass sich Lead Writer Bill Slavicsek und Writer-Designer Helena Wachhaus von den Schreibern hinter den Geschichten von The Elder Scrolls Online die Zeit genommen haben, mit uns etwas darüber zu sprechen, wie die vielen Lorebücher des Spiels entstehen. Mit Firesong und Update 36 gibt es ungefähr 7.000(!) Lorebücher in der Welt Tamriels (und jenseits davon), die ihr entdecken könnt. Wollt ihr mehr dazu erfahren, wie diese entstehen? Lest weiter!



Danke an euch beide, dass ihr mit uns über die Lorebücher in ESO sprecht! Zum Warmwerden erklärt doch vielleicht kurz, was genau Lorebücher für The Elder Scrolls Online überhaupt sind und wie wir sie einsetzen.

Bill: Für ESO besitzen wir mehrere interne Klassifikationen für Bücher, aber die meisten davon sind Bücher, die entweder zu Quests gehören oder das Spiel ausschmücken, was wir gemeinhin als Lorebücher bezeichnen.

Wir nutzen Lorebücher, um die Handlung einer neuen Veröffentlichung auszuschmücken und abzurunden. Es kann sich hierbei um Notizen, Papierfetzen, Steintafeln oder auch richtige Bücher handeln. Sie befassen sich in der Regel mit etwas aus dem jeweiligen Gebiet und fokussieren sich auf eines der Themen, Charaktere oder Kreaturen aus dem Bereich. Sie sind ein anderer Ansatz für uns, Geschichten zu präsentieren.

In Lorebüchern findet man einfach alles. Sie sind unser solidestes Werkzeug, tiefer in eine Welt einzutauchen. Jenseits von Quests und Dialogen und visuellen Erzählungen. Man kann alles niederschreiben. Wir können ein Buch daraus machen und damit ermöglichen, dieses wundervolle Universum, das wir mit erschaffen, weiter zu erkunden.



Wie plant ihr die Erstellung neuer Lorebücher für kommende Veröffentlichungen?

Bill: Für ein Kapitel oder einen Geschichten-DLC sitzen üblicherweise der Loremaster, der Primary Writer für die Hauptgeschichte und ich zusammen und wir verfassen einen Stil-Leitfaden und eine Liste an ausschmückenden Büchern, die wir hinzufügen möchten.

Wir nutzen diese einfache Liste als Ausgangspunkt, aber alle anderen im Team, einschließlich Designern und Schreibern können ihre eigenen Ideen einbringen und diese auf die Liste packen. Dann kann sich jeder ein Buch von der Liste schnappen und losschreiben. Je nach Umfang haben wir für Veröffentlichungen so zwischen 60 und 120 Büchern.

Helena: Auch wenn Verliese allgemein die wenigsten Lorebücher beinhalten, gibt es für gewöhnlich doch viele spaßige Dinge darin, denen ich mehr Kontext verleihen möchte. Beispielsweise haben die verschiedenen Bösewichte nicht immer die Zeit, um ihre Pläne zu erklären, weshalb wir gern Bücher nutzen, um diese genauer auszuführen für diejenigen Spieler, die es interessiert und die danach suchen.



Es gibt eben immer nur eine gewisse Menge an Dingen, die wir einen NSC erzählen lassen können, richtig?

Helena: Ja. In vielerlei Hinsicht hat ein Bösewicht-Monolog durchaus seine Berechtigung und Stärken. Aber wenn man eine komplexere oder emotionalere Hintergrundgeschichte benötigt, dann kommt das in einem Buch, einer Notiz oder einem Tagebucheintrag viel besser rüber, als wenn es mehr oder weniger vorgetragen wird.



Es gibt Tausende von Lorebüchern im Spiel


Hast du irgendwelche Lieblingsformate oder -stile für Lorebücher?

Helena: Für mich persönlich sind es ja eher Briefe und Aufgabenlisten. Ich denke, mit diesen kann ich bestimmte Ansichten oder Charakterinformationen transportieren. Ich mag es wirklich, diese zu schreiben, und weil wir uns nicht an bestimmte Längen halten müssen, habe ich die Freiheit, etwas so kurz oder lang zu verfassen, wie ich es gerade machen möchte.



Wie läuft alles ab, von Anfang bis Ende, wenn es um die Entstehung eines Lorebuchs geht?

Bill: Zunächst denken wir uns eine umfassende Liste an Themen aus. Speisen im Gebiet, Getränke im Gebiet, Kreaturen im Gebiet, Orte im Gebiet, Fremdenführer – was einem in den Sinn kommt. Wir decken eine Reihe allgemeiner Themen mit jeder Veröffentlichung ab und dann fügen wir noch einzigartige und auf das neue Gebiet zugeschnittene Dinge hinzu.

In dieser großen Liste an Titeln und Themen ergänzen wir jeweils ein bis zwei Sätze, die die jeweilige Idee kurz ausführen. Wir überlassen dann der Person, die das jeweilige Buch aufgreift, entsprechend nachzuforschen und alles niederzuschreiben.

Helena: Ich entscheide mich üblicherweise für die Einträge, von denen ich denke, dass ich etwas Unterhaltsames daraus machen könnte. Ich spiele mit den Beschreibungen und versuche herauszufinden, welchen Zweck das Lorebuch erfüllen soll. Welche Informationen möchten wir den Spielern vermitteln?

Dann stelle ich üblicherweise eine Menge Nachforschungen an, denn es gibt schon so viele Bücher im Universum von The Elder Scrolls und auch spezifisch in ESO. Ich möchte nichts neu aufwärmen, was schon mal jemand geschrieben hat.

Ich verbringe etwas Zeit damit, mir zu überlegen, wie ich das Buch schreiben könnte, denn es gibt so viele unterschiedliche Stile. Lieder, Gedichte, Liebesbriefe, Rezepte, Aufgabenlisten, historische Abhandlungen – was einem alles einfällt! Wenn wir überaus schlau sind, nutzen wir auch Verzeichnisse oder Finanzdokumente, um Informationen zu vermitteln.

An der Stelle spiele ich etwas mit der Erzählstimme, weil wir so viele tolle Akzente, Charaktere und verschiedene Möglichkeiten haben, auf die ich zurückgreifen kann. Wenn die Stimme feststeht, hilft das auch, den jeweiligen Klang zu finden, denn es macht einfach keinen Sinn, etwas Lustiges zu schreiben, wenn es eigentlich um etwas Trauriges oder Ernstes geht.

Ich schreibe für gewöhnlich erst einmal in ein Word-Dokument und konvertiere dann alles in unser internes System. So habe ich nebenbei auch noch mehrere Formen der Textverarbeitung und Rechtschreibprüfung zur Verfügung. Dann packen wir es in den Editor unseres Spiels.



Ist das dann die Stelle, an der der Rest des Teams dein neues Buch durchsieht?

Helena: Ja. Wenn es im Editor ist, ist es für alle verfügbar und Bill schreibt seine Anmerkungen.

Bill: Wenn jemand ein Buch fertig hat, kommt es in einen besonderen Ordner für das jeweilige Gebietspaket, an dem wir gerade arbeiten. Jeder kann sich die neuen Bücher ansehen, aber ich sehe alle Bücher darin vollständig durch. Manchmal editiere ich nur ein paar Stellen, manchmal gebe ich ein Buch wieder an den Autoren zurück, je nachdem, wie umfassend meine Notizen ausfallen. Allgemein brauchen Lorebücher keine zweite Überarbeitung.

Helena: Abgesehen von Büchern zu Handwerksstilen, die üblicherweise zwei- bis dreimal neu geschrieben werden!



Warum das denn? Liegt das daran, dass sie etwas technischer sind als die meisten sonstigen Lorebücher?

Helena: Sie sind etwas technischer und ihre Inhalte betreffen üblicherweise mehrere Teams. Also wenn wir beispielsweise ein Rüstungsstück beschreiben und dann Teile der Gestaltung oder auch des Marketings sich ändern, müssen wir das einarbeiten. Sie befassen sich auch oft stark mit etwas undurchsichtigen Hintergründen, wodurch Michael Zenke, unser Loremaster, diese öfter durchgeht und dann umfassende Änderungen vornimmt.



Was passiert, wenn eure interne Durchsicht abgeschlossen ist?

Bill: Sobald ich alle Bücher durchgesehen habe, packe ich sie in die Sammlung, damit sie von Spielern in der Spielwelt gefunden werden können. Wenn es so weit ist, gebe ich dann dem jeweiligen Zone Lead Bescheid, dass sie physisch in der Spielwelt platziert werden können. Allgemein können ausschmückende Bücher fast überall untergebracht werden, aber wenn es im Buch um einen bestimmten Bereich oder einen Ort geht, dann landen diese natürlich dort. Oder wenn es um einen bestimmten Gegner geht, dann findet man diese dann eher an den Stellen, wo es besagte Gegner auch zu finden gibt. Wir überlassen es den Designern und World Builders, wo sie sie am Ende ablegen und wie sie diese in die Welt als Teil der Geschichte einfügen.



Und da springt dann die Qualitätssicherung ein und sieht sie sich nochmals an?

Bill: Die Qualitätssicherung sieht sich alles an, was wir tun. Das ist Teil ihrer Aufgaben und wir lieben sie für all das. Ab und an denkt ein Schreiber, die notwendigen Nachforschungen haben gereicht und waren vollständig, aber irgendwas stimmt dann vielleicht doch nicht. Neben der Korrektur von Tippfehlern und ähnlichem kann jemand aus der Qualitätssicherung durchaus nachfragen, „Hey, im Buch stand eben X, aber in der Quest steht Y, also was stimmt denn jetzt?“

Neulich hatten wir ein Buch über Wein, aber weder die Schreiber noch ich sind Weinexperten. Jemand in der Qualitätssicherung aber schon, und so bekamen wir eben einige Vorschläge, wie wir die Inhalte genauer gestalten könnten.



Was ist die verrückteste oder esoterischste Sache, die ihr beim Verfassen von Lorebüchern gelernt habt?

Bill: Der Unterschied zwischen Bier und Met und die Tatsache, dass sie unterschiedlich hergestellt werden.

Helena: Ganz am Anfang verfasste ich ein Buch über Vögel und genau zu wissen, welche Vögel es in Dunkelforst gibt, war schon sehr spezifisch. Ich weiß nicht, ob mir das irgendwann in meinem Leben nochmal weiterhelfen wird.



Ist es herausfordernd, Lorebücher für Charaktere zu schreiben, die vielleicht nicht so gute Schreiber sind?

Helena: So erklären wir die Tippfehler!

Bill: Wir versuchen das, nicht zu oft zu tun, denn die Bücher müssen eben auch verständlich bleiben. Mir hat es großen Spaß gemacht, für Rigurt den Ungestümen zu schreiben. Seine Tagebucheinträge begangen einfach alle mit „Heute“, weshalb wir nie wirklich wissen, wann genau er die jeweiligen Dinge erlebt hat. Er hat die Sachen einfach niedergeschrieben, wenn er daran gedacht hat.

Helena: Für Deadlands schrieb ich Bücher für einige unterschiedliche Skampen und ich erinnere mich, dass es sehr lustig war, mir ihren eigenen Schreibstil auszudenken.

Bill: Wir folgen im gesamten Spiel der Philosophie des unzuverlässigen Erzählers, weshalb wir uns richtig bemühen, dass Bücher jeweils aus der Sicht einzelner Charaktere verfasst sind. Es ist ihre Meinung und wenn wir die Gelegenheit haben, werden wir auch abweichende Meinungen oder vielleicht sogar eine dritte Perspektive einbringen, denn nichts in Elder Scrolls ist wahr, außer euer eigenes Erleben.



Manche Lorebücher sind berühmter als andere


Welche Art von Büchern ist für euch am kniffligsten zu schreiben?

Helena: Das ist unter Schreibern ein umstrittenes Thema, denn die Leute haben sehr dezidierte Meinungen zu Handwerksbüchern. Mir machen sie nichts aus, aber manche verabscheuen es regelrecht, Handwerksbücher zu schreiben, und werden dann auch lautstark darum bitten, es nicht tun zu müssen.

Bill: Ich habe noch nie ein Buch zu einem Handwerksstil verfasst. Ich überlasse die einfach allen anderen!

Ich würde sagen, historische Bücher sind sehr knifflig und erfordern viel Aufwand. Man will einfach sicher sein, die notwendigen Nachforschungen gemacht zu haben. Oder wenn wir etwas ganz Neues erkunden, möchten wir konsistent sein oder zumindest so konsistent wie nötig. Manchmal ist es richtig herausfordernd, sich daedrische Rätsel oder Büchern voller Zaubern und dergleichen zu überlegen.

Helena: Ich bin mies auf dem Gebiet der Poesie. Wenn ich etwas schreibe, klingt das eher hölzern. Ich bin richtig froh, dass wir andere im Team haben, die mir helfen können, darin besser zu werden, aber meine ersten oder zweiten Versionen von Gedichten sind immer schrecklich.

Bill: Lieder können richtig interessant sein. Wir haben immer einige in jeder Veröffentlichung und manche davon kommen auch zum Audio-Team, damit sie entsprechend vertont werden und wir sie im Spiel gesungen hören können. Wir geben unser Bestes, bevor sich Brad (unser Composer und Audio Director) an die Musik macht. Er nimmt häufig Änderungen vor (oder bittet uns, etwas anzupassen), damit es auch mit dem Rhythmus klappt. Hierbei handelt es sich vermutlich um die am zweithäufigsten durchgesehenen Bücher gleich hinter den Handwerksstilen.



Um euch gleich beide in Verlegenheit zu bringen: Habt ihr ein Lieblingsbuch?

Helena: Mein Lieblingsbuch, das ich selbst geschrieben habe, war eine dieser Aufgabenlisten für einen Skampen. Es ist sogar ein Questbuch, hat also einen bestimmten Zweck im Spiel. Am Ende habe ich ein paar Wendungen reingepackt, die seine Ziele als Daedra aufgreifen und zeigen, wie merkwürdig er einfach ist. Ich glaube, ich sah bei Veröffentlichung fünf oder sechs Tweets von Leuten, die darauf gestoßen waren und einfach mehr wollten. Die Reaktionen haben mich überaus positiv überrascht.

Aber meine Lieblingsreihe (die es zu meiner Schande gibt) befasst sich mit Käse. Sie ist so überdreht und ich liebe sie einfach.

Bill: Und das war auch so eine Sache, die wir lernen mussten: Wie macht man eigentlich Käse, damit wir diese verrückten Bücher schreiben konnten!

Helena: Die ganzen Käsebücher!

Bill: Ich habe da einige Kategorien. Allgemein liebe ich alles, was wir schreiben. Sie sind alle meine Kinder und sie sind alle wunderbar. Ob ich sie nun selbst geschrieben habe oder jemand aus dem Team. Aber zu einigen meiner Favoriten gehört die Aufgabenliste von Stibbons in Orsinium. Die fand ich immer lustig. Ich liebe auch die Bücher zu Ermittlerin Vala, die ich geschaffen habe. Jetzt ist es eine fortlaufende Reihe, die ein gewisses Eigenleben entwickelt hat, weil andere Schreiber auch dazu beigetragen haben.

Helena: Wir versuchen dich stolz zu machen.

Bill: Und, wisst ihr, ich liebe es einfach, wenn etwas in einem Buch steht und es dann einen der Designer anspornt, dass etwas plötzlich auch richtig Teil des Spiels wird. Narsis Dren wäre ein Beispiel dafür. Er war nur ein Charakter in einem Buch. Janet Priblo (eine der Senior Content Designer für ESO) und ich dachten uns, er würde einen tollen Charakter bei einer Quest abgeben, damit man diesen wirklich unausstehlichen Typen kennenlernen kann. Und ihm dann etwas Schreckliches antun kann.



Wie fühlt es sich an, wenn Inhalte aus Lorebüchern online geteilt und diskutiert werden? Seid ihr über einige der Reaktionen auf eure Bücher überrascht?

Bill: Oh, ich liebe es. Es hilft uns auch dabei, Sachen später zu finden. Wir schreiben das, damit es die Leute lesen und erleben können. Es wäre weitaus schlimmer, wenn sie das nicht tun würden!

Helena: Es macht immer so viel Spaß, die Seiten durchzugehen und die Reaktionen zu erleben, zu sehen, was gefällt, was zu Beiträgen oder Tweets führt. Es sind oft diejenigen, von denen man annimmt, dass sie niemanden interessieren würden, oder die jemand eben liest, kurz kichert und dann wieder weglegt. Die bekommen immer viel mehr Aufmerksamkeit, als man erwartet. Das ist einfach toll!



Ein großes Dankeschön an Bill und Helena, die uns bei diesem Entwicklereinblick zu den Lorebüchern in ESO geholfen haben. Habt ihr ein Lieblingsbuch in The Elder Scrolls Online oder der „Elder Scrolls“-Reihe allgemein? Lasst es uns wissen und erwähnt eure Favoriten, über Twitter, Instagram oder Facebook!