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Margra

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Dienstag, 21. Januar 2014, 01:20

~Wüstenblut~ (Wüstenblume und Margra)

Hier werdet ihr Texte aus dem Spiel von Wüstenblume und mir finden.
Viel Freude euch beim Lesen.



Wüstenblut ~ Alik'r ~ 2Ä 572 ~ Inara und Margra


Mit einem erleichterten Ächzen ließ sich Margra in den Schatten des kargen Brunnens fallen, der das Zentrum einiger Handelsrouten bildete und um den sich eine Hand voll Menschen angesiedelt hatten, die von dem lebten, was die Reisenden und die Karawanen eben abwarfen. Viel war es in diesem Teil der Alik'r wohl nicht, aber genug, um eine Familie damit über die Runden zu bringen. Und nur darauf kaum es an.
Mit einem kleinen Lächeln grüßte sie den Mann, der an sie heran trat und ihr einen geschnitzten Becher hinhielt, aus dem sie dankbar etwas Wasser zu sich nahm – stetig in kleinen und geruhsamen Schlucken. Die trockene Kehle gierte nach mehr, aber Ungeduld führte nicht zur Stärke.

„Werdet ihr länger hier bleiben .. Kriegerin?“, erklang seine Stimme, denn er musste die begonnenen Ziernarben auf ihr entdeckt haben, die den Hals empor zu den Wangen krochen, und auch ihre Hände waren davon nicht unverschont geblieben. Auf eine Art konnte man sich wohl oder übel denken, dass diese Male auch ihren Körper zeichneten, der allerdings umhüllt war von weiten und hellen Stoffen, gegürtet mit einem ledernen, mit Brennereien verzierten Flechtwerk einzelner Stränge. Daran trug Margra zwei lange Messer und ihr Speer stand gegen den Brunnen gelehnt. Einen Moment starrte sie den Fremden regelrecht an, ersuchte in seinen Augen seine Absichten zu erkennen. Ein Mädchen, kaum zur Frau herangereift, allein unterwegs .. Wahnsinn und Wagemut vereint. Bei manch einem Mann auf ihrer Reise hatte dies zu den falschen Wünschen geführt. Bei ihrem Gegenüber aber entdeckte sie schlichte Gastfreundschaft.

„Ich wünsche nur etwas Wasser und vielleicht etwas Brot und ein paar Früchte, wenn ihr sie aufbringen könnt. Euer Schaden soll es nicht sein, denn ich habe euch Schnitzereien und Steinperlen mitgebracht zum Tausch“, erwiderte sie ihm mit ihrer leicht angerauten Stimme und griff in eine lederne Tasche, um ihm ein paar der schimmernden Perlen in der dunklen Handfläche anzubieten.

Jener Mann, der ihr das Wasser gegeben hatte, beugte sich vor und betrachtete die Perlen mit großer Sorgfalt. Die ein oder andre nahm er gar zwischen die eignen Finger, drehte und wendete sie, als würde er sie im Sonnenlicht von jeder Seite her sehen wollen. Dann nickte er langsam und ein Lächeln erfüllte seine Züge, warm, auf dass es selbst noch die Augen erreichte, die stolz unter dem Turban hervorlugten.
„Ich denke, sie würden meiner Frau gefallen. Und diese drei Perlen dort hätten die Farbe ihrer Augen. Kommt doch mit mir, dann stelle ich sie euch vor und ihr sollt heute Abend bei uns essen und schlafen, auf dass ihr die Erschöpfung eine Weile hinter euch lassen könnt.“

Gerade wollte sich die Rothwardonin schon freuen, den Geistern danken für das Glück, das ihr zuteil wurde, da ruckte ihr Kopf empor und die Augen verengten sich. Waren das in der Ferne Schreie? War es das dumpfe Raunen von schnell rennenden Reittieren, die zu einem Angriff herab geführt wurden? Trug ein Windzug etwa das etwas panische Blöken einiger Dromedare bis hierher?

Alarmiert erwachten alle Sinne und die Muskulatur unter der dunklen Haut spannte sich deutlich an, als sie nach ihrem Speer griff und auch dem Manne damit alles verriet, was dieser wissen musste. Dieser stand etwas unschlüssig vor ihr .. die Hände zuckten gar vor, als würde er das Mädchen aufhalten wollen, jedoch die Art, wie sie die Waffe hielt, die Entschlossenheit der Augen – beides gepaart ließ ihn zurück zucken.
„Sorg dafür, dass deine Frau in Sicherheit ist ...“, knurrte Margra ihm entgegen, die Stimme hart und der Blick erstaunlich eisig für ein Kind der Wüste. Sie meinte es nicht einmal böse, aber er war kein Kämpfer und nun ging es darum zu funktionieren. Es blieb zu hoffen, dass noch einige wehrhafterere Menschen hier lebten …

Ihre Vermutung bestätigte sich, als sie in rasanter Geschwindigkeit die nächste Düne erklommen hatte und eine mittelgroße Karawane erblickte, die von weit mehr als einem Dutzend Reiter angegriffen wurde. Margra fletschte die Zähne. Wenn die Geister und die Alik'r es wollten – sie würde kämpfen!

~*~

Margra kam auf das Kampfgetümmel zu.

Frauen und Kinder blieben mit dem Getier zusammen, wobei die Frauen durchaus bewaffnet waren und einen Kreis um die Kinder bildeten, während die Männer einen größeren Kreis um die Frauen herum zogen. Alles schien einstudiert worden zu sein, von Chaos war nach einigen Augenblicken keine Spur mehr. Das verdankte die Karawane auch einer Frau, die nun lauthals Befehle rief und mit ihren 45 Jahren zu den Erfahreneren gehörte. Sie hatte das dunkle Haar streng zu einem hohen Zopf gebunden, etwas das man ausnahmsweise sah, da der Stoff während des harschen Ritts um ihre Karawane herum verrutscht war. Auch ihr Gesicht zeigte narbige Zeichnungen und sie führte einen Krummsäbel.

Die Männer auf ihren Dromedaren teilten sich auf und kreisten die Beute ein, wie ein Rudel wilder Hyänen schien jeder seinen Auftrag zu kennen. Klar zu erkennen war, das der breitschultrige und hochgewachsene Mann mit leichtem Bauchansatz der Anführer sein musste, denn auf sein Geheiß hin verteilten sich die übrigen Männer passend. Statt auf verhandeln aus zu sein, setzte das nomadische Wüstenvolk überraschend auf Angriff, was die Banditen zumindest im ersten Moment überraschte und den Verteidigern einen Vorteil einbrachte.

Ganz vorne an der Spitze war Marya, welche wie eine Löwin kämpfte um zu beschützen, das ihr anvertraut worden war. Es waren wirbelnde Schatten aus dunklen Stoffen, so recht zu unterscheiden wer Freund und Feind war, war schwer. Zwischen den Frauen und Kindern stand ein schlanker und hochgewachsener Mann, einen Stab trug er bei sich, den er kriegsmännisch vor sich hielt. Sein Singsang erfüllte die kämpfenden Verbündeten und auch Margra mit Mut, sofern sie sich auf die Seite des Wüstenvolkes stellte.


~*~
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Dienstag, 21. Januar 2014, 01:33

Zwei Atemzüge lang gewährte sie sich, um das Kampfgeschehen zu überblicken. Die Nasenflügel blähten sich dabei … Dann stieß sie vor. Die Entschlossenheit und die Zielstrebigkeit einer Löwin mochte sie besitzen, die Anmut allerdings nicht, was die rohen Bewegungen verrieten, mit denen sie sich der äußeren Flanke der Angreifer näherte. Rasch war ihr aufgefallen, dass zwei der Männer vom Trupp abgefallen waren, um in einiger Entfernung die Karawane zu umrunden und vielleicht panische Tiere oder Frauen und Kinder zu erbeuten. Ein halbwegs .. leichtes Ziel und nicht so leicht für fremde Augen zu verwechseln, wie die in Tücher gewandeten Kämpfenden, die sich ineinander geschoben hatten. Die Gefahr, Freund und Feind nicht unterscheiden zu können, lag zu sehr auf der Hand, als dass sie dieses Risiko hätte eingehen können.
Freund oder Feind. Sie schnaubte aus. Die Alik'r machte Menschen ausgesprochen schnell zu Verbündeten. Ob zum Guten oder Schlechten würde sich noch zeigen.

„Tu'whacca wird sich Eurer Seelen annehmen ..“, war alles, was sie über ihre Lippen presste und ihren Speer mit vollster Wucht in Richtung des ersten Banditen schleuderte, auf dass er sich tief in den Rücken des Mannes fraß und die metallene Spitze auf der Brust wieder herausdrang. Weder hatte er die Waffe kommen sehen .. noch konnte er ihr etwas entgegen setzen, so dass sie ihn im vollen Lauf zur Strecke brachte. Um Ehre machte sie sich in diesen Momenten keine Gedanken. Tote erzählten keine Geschichten mehr und wer ehrlos das Leben andrer zu trachten gedachte, der verlor in den Augen der jungen Rothwardonin jedes Recht auf eine übermäßige Würdigung.

Trotz allem: Dem zweiten Banditen stellte sie sich offen, die beiden Klingen ziehend und die gekrümmten Mondsicheln ihrem Feinde entgegen streckend.
„Na, komm schon her .. oder kannst du nur hilflose Kinder und Tiere aufgreifen?“, zischte sie ihm entgegen und fletschte wieder ihre Zähne. Sie hatte eine Wahl getroffen, sich für eine Seite entschieden. Nun gab es keine Gnade mehr. Und als der Mann ihr entgegen kam, da warf sie sich regelrecht auf ihn, beide Messer nach seinem Fleisch hacken lassend...

~*~

Der Dunkle, wie er auch genannt wurde, oder Anui, war ein Priester des Tu'whacca, ließ seinen Singsang lauter erklingen je schriller und verzweifelter das Kampfgetümmel wurd. Zudem umgab erst nur ihn und wenig später auch die Kinder ein flackerndes Schild aus grauen Schlieren, welches Schutz versprach. Die Kinder drängten sich ängstlich aneinander, wobei die Älteren auch mit einer gewissen Faszination zusahen. Aber es ging um Leben und Tod, daran bestand kein Zweifel.

Marya führte ihren Säbel gegen zwei Männer und streckte sie nieder, ein paar ihres Trupps waren verletzt, zwei hatten sogar ihr Leben gelassen. Es war der Mut, der die Banditen verließ als auch Margra die Zahl ihrer reduziert und der erste Moment des Kampfes Übersicht erlaubte. Der Anführer war nicht aus seinem Sattel gestiegen, Margra kannte solche Männer vielleicht – sie vergoßen leichtfertig das Blut ihrer Leute für schnelles Gold.

Margras Dolche zerfetzten das Fleisch, die Muskelstränge und Sehnen des Mannes, der sich mit ihr in den Zweikampf begeben hatte. In ihren Rücken trat einer der Banditen, welcher wohl verwandt mit ihrem Opfer war und nach Rache strebte, denn das Blut färbte den sonst so hellen Sand inzwischen rot. Dennoch wehrte sich der Rothwardone, welcher von ihr niedergestreckt wurde eisern und schien ein ehrbarer Gegner zu sein, sofern man davon überhaupt reden konnte.

Es war das leise Geschick der Blume, welche Margra das Leben rettete.

„Kriegerin, hinter dir!“, erklang die feste und durchdringende Stimme der jungen Frau. Gleichzeitig wirbelte Sand zu Füßen den Mannes auf, welcher die Sicht erschwerte und in seine Augen rieb. Die auf Margra gerichtete Klinge wirbelte ungeschickt und schützend vor sich herum, ohne den Feind in der Tat nieder zu strecken.

Inara selbst kauerte in der Hocke und hatte eine Hand in den Wüstensand gegraben. Das dunkelblaue Gewand verdeckte ihren Körper komplett, selbst ihr Kopf war davon teils eingefasst. Den Bereich um Mund und Nase konnte sie ebenfalls verdecken, das war im Moment aber nicht der Fall.
Die kleine Sandhose zog erst von dannen, wenn Margra sich ihrem dritten Gegner zuwenden konnte.


~*~
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Dienstag, 21. Januar 2014, 01:47

Ihre Messer fuhren aufeinander und glitten knirschend, kreischend und klirrend wieder aneinander ab. Von Zeit zu Zeit verhakten sie sich und rissen aneinander, um auf beiden Händen blutige und ausgesprochen schmerzhafte Schnitte zu hinterlassen. Schweiß brannte beißend darinnen, vermengt mit dem Sand, den sie viel zu oft aufwirbeln ließen, während sie aufeinander eindrangen. Und er brannte auch in den bronzenen Augen des Wüstenkindes, das sich mit aller Macht zur Wehr setzte.

Wahrscheinlich hatte sie den Banditen unterschätzt und sie bereute es schon jetzt bitter. Der Kampf dauerte zu lange … Und über ihre Wirbelsäule rann ein kurzes Schaudern. Kälte. Margra war noch nicht alt und erfahren genug, als dass die Hand des möglichen Erliegens im Nacken ihr nicht noch Furcht durch die Glieder jagen würde.
Und wie!

Dennoch weckte die Furcht auch alle Lebensgeister, so dass sie ihren Kontrahenten mit einem rauen Vorstoß zum Straucheln brachte und ihre Klingen ihre Spuren bis auf den Knochen herab zeichneten. Blut spritzte auf und benetzte glühend heiß ihre Haut. Ein Zittern war die Antwort. Margra roch, schmeckte und spürte das Lebenselixier des Fremden .. und es stachelte sie an, weiter nachzusetzen. Vorwärts. Stetig vorwärts!

„Kriegerin, hinter dir!“ Das war der Ruf, der sie herumfahren ließ, so dass sie mit viel Müh und Not
der herumwirbelnden Klinge in ihrem Rücken auswich. Gnädige Geister! Das hätte ins Auge gehen können, und wie! Beinah wimmerte sie vor Dankbarkeit ob des Sandes, der aufgewirbelt wurde, und der ihren Blick als auch ganz besonders den des Feindes trübte. Zeit, die kleine Sandhose genauer zu beachten, hatte sie aber nicht, denn ein zupackender Schmerz zuckte durch ihren Unterschenkel.

Die Kriegerin stieß ein Keuchen aus. Rau. Schmerzerfüllt. Röchelnd und mit der Gewissheit ohnehin nichts mehr verlieren zu können, hatte sich der Bandit, den sie gerade erst mit ihren Klingen verwundet hatte, halb aufgerichtet, um das eigne Messer etwas unterhalb des Knies ins Bein der Rothwardonin zu schlagen. Zum Glück kein gezielter Stoß .. sondern mehr eine tiefe Streifwunde, trotz dessen erbärmlich schmerzhaft. Mit einem Ruck wuchtete sie sich herum und rammte die um den Messergriff geballte Faust ins Gesicht des Banditen, auf dass dessen Nase mit einem Knacken brach. Als nächstes fand die zweite Klinge zielstrebig wie der Sturzflug des Falken die Kehle des Mannes und schlitzte diese auf – eine gnadenlose wie effiziente Art diesen Kampf ein für alle Mal zu beenden.

Dennoch verblieb der dritte Angreifer. Margra verengte ihre Augen, denn das Wirken des Sandes entging ihr nicht. Unnatürlich. Und gerade deswegen jagte er Unbehagen durch sie... All das jedoch wurde einerlei, als sich der Kerl auf sie warf und mit roher Gewalt auf sie einschlug. Die Kriegerin reagierte. Zuviel mehr reichte es schlichtweg nicht. Dennoch tat sie alles in ihrer Macht stehende, um sich vor die in blau gewandete Frau zu bringen. Sie schuldete ihr ihr Leben. Das vergaß sie ihr gewiss nicht und würde es gleich vergelten!



~*~

Die Wüste war unerbittlich und so auch die sengende Sonne, welche den Kampf noch um einige Nuancen schwerermachte. Die Glieder waren leichter erschöpft und das Gefühl desreibenden Sandes in fast allen Ritzen sorgte für zusätzliche Erschöpfung. Da Inara sich aber um das Leben der anderen scherte und Margra gerade um ihr Überleben kämpfte, bemerkten die beiden Frauen diese Umstände im Moment nur als kleine Randnotizen.
Wie in einem Buch.

Den Blick ließ die Rothwardone umhergehen, hektisch auf der Suche nach etwas, das ihr jetzt helfen könnte. Aber ihr fehlte schlicht die Erfahrung, nicht dass sie nicht kämpfen könnte, aber solche Umstände waren dann doch eher besonders und damit selten. Seufzend und fast schon murrend griff sie sich den Speer, den Margra geschleudert hatte, zog ihn kraftvoll aus dem leblosen Körper, was mit einem Schmatzen von statten ging. Einen Fuß stemmte sie dazu gegen den Toten.

Als sie den Speer in den Händen hielt, wendete sie sich Margra und dem Krieger zu, wobei sie laut auf brüllte, um aufsich aufmerksam zu machen. Damit wollte sie vor allem den Krieger erschrecken und ablenken, weniger aber die Kriegerin. Da sie sich zu engim Nahkampf befanden, piekte sie weniger gezielt und mehr mit Vorsicht zu, aber die Irritation rettete vielleicht die Situation und damit erneut das Leben jener, die merklich Inara vor den Banditen bewahren hatte wollen.

Das übrige Szenario legte sich langsam,allerdings waren sie etwas abseits, so fiel nicht auf, dass hier noch um Leben und Tod gerungen wurde.

Anui, der Dunkle, schaute sich nach Inara um. Dass er sie nicht direkt finden konnte, sorgte für einenSchreck, der ihm bis tief in die Glieder fuhr. Marya, die Mutter, war abgelenkt, da sie die Verletzten sichtete und in dem Glauben agierte, dass die Geister schon wussten, wen sie gefordert hatten und wer beschützt war.


~*~
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Dienstag, 21. Januar 2014, 01:48

'Kluges Weib' durchzuckte es Margras Gedanken, als Inara nach dem Speer griff und sie diesen an sich brachte, um damit ihrerseits auf den Banditen loszugehen. Stolz war das zweite Gefühl, das in ihr loderte. Die Frauen der Alik'r wurden von der Sonne umhüllt und vom Sand geschliffen. Und viele vergaßen das nicht. Zum Glück.
Für den Moment war die Hitze vergessen und auch der Schweiß, der in kleinen Rinnsalen über ihren angespannten Leib und das verzerrte Gesicht floss. Der Schmerz ihres Beines war zum dumpfen Pochen verklungen, das sie nur noch härter auf ihren Feind einschlagen ließ.

Erneut trafen die Klingen aufeinander, aber dieses Mal erfüllte Margra tiefe Zuversicht, so dass sie sich vom wild schlagenden Herzen und der Kampfeslust einhüllen ließ. Dunkelheit zeichnete sich in die rauen Züge der Rothwardonin, Wut ließ ihre Augen blitzen .. und Kraft durchströmte ihr Innerstes, die aufs Töten ausgelegt war, die regelrecht danach gierte .. hungerte und die bekommen würde, was sie wollte. Ihre Fingerknöchel traten hell hervor und die Augen verengten sich regelrecht genüsslich, als der Speer eine Schwachstelle im leichten Panzer des Mannes fand und diese durchdrang, um sich in das Fleisch zu bohren.

Margra zögerte nicht einen Atemzug lang, sondern hieb dem erstarrenden und keuchenden Widersacher dessen Klinge aus der Hand und näherte sich ihm mit einem zweiten rauen Vorrucken. Derweil ihre Messer sich in seinen Bauch bohrten, rammte sie ihn schlichtweg mit der Wucht und dem Gewicht ihres Leibes auf den Speer, der von Inara geführt wurde. Die Zähne gefletscht starrte sie dem Sterbenden in die Augen, wobei die Kampfeswut in ihr nur langsam wieder schwächer wurde. Schwer atmend erwies sie dem Feind wenigstens die Ehre ihn nicht zu Boden zu treten. Sie teilte seinen Tod.
Es war einer dieser Momente, an denen sie sich an die Lektionen ihrer älteren Schwester erinnerte. 'Wenn du nicht fähig bist, den Tod eines Feindes zu ertragen und ihn bis zum Ende zu teilen, dann solltest du keine Kriegerin werden. Diese Ehre verdient ein jeder. Ihre Schuld ist mit dem Sterben beglichen' – dies waren die Worte, die sie durchdrangen und sie bis zum letzten seufzenden Atemzug innehalten ließen.

Schwer atmend fand nun ihr Blick zum ersten Mal Inara.
Ein Nicken, das war alles, was sie zustande brachte, als sie wieder zu sich selbst fand.

~*~

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Montag, 27. Januar 2014, 13:39

Es war nicht nur, dass Inara es sah, sie spürte es ebenfalls über die Länge des Speers hinweg, welchen sie mit beiden Händen festhielt. Der Atem der jungen Frau ging flacher als die Seele des Banditen gelockert von seinem Körper die Reise antrat, ihre Augen weiteten sich eine Spur und Margra konnte schlicht so etwas wie Entsetzen ausmachen. Der Mut hatte sie zu etwas getrieben, das nicht alltäglich für Inara war – sie hatte ein Leben ausgelöscht.

Während die übrigen Banditen davon stoben, maximal ihre Verletzten mitnahmen, aber gewiss nicht die Toten, kam in die Karawane an sich ein wenig Ruhe, wenn auch immer noch Betriebsamkeit auszumachen war. Aber es war anders, da ist weniger die Hektik des Kampfes, viel mehr der stoische Wille des Überdauerns, welcher das Wüstenvolk der Alik'r auszeichnete.

Beide Hände Inaras ließen den Speer los, es war das fehlende Gegengewicht, das auch Margra zu spüren bekam. Dennoch trat sie seitlich, die rechte Hand der in Dunkelblau gekleideten wanderte unter eine Schicht Stoff, kehrte zügig wieder heraus und bedachte den Toten und dessen Stirn mit einem Zeichen aus weißer Farbe. Der Schreck war komplett aus dem Gesicht der jungen Frau gewichen, es sah viel mehr konzentriert aus.

„Tu'whaccas Gnade für dich, Verlorener“, murmelte sie halblaut und in der vergessenen Sprache, welche in Bruchstücken durch Anui für Inara lebendig geblieben war.

Erst jetzt schaffte sie es die Aufmerksamkeit von dem Toten wieder zu Margra zu lenken, wobei ihr Blick sich festigte und in die Augen der Kriegerin gerichtet wurde. Ungeachtet der Begebenheit trat Inara dichter und stützte ungefragt die Heldin ihrer Geschichte. Das Leben war ein Fluss, er kämpfte sich unerbittlich durch die Wüste, wenn er aber ins Stocken geriet, war das etwas, was Inara spürte. Vor allem als die erste Berührung sich vollzog.

„Dein Bein, Kriegerin.“

Knapp, präzise.
Margra spürte es.

~*~

Das Entsetzen Inaras teilte Margra nicht. Immerhin hatte jener Mann seinen Pfad gewählt und somit auch den Kampf in Kauf genommen, der hier ausgefochten worden war. Dennoch erwies sie dem Toten zumindest so viel Ehre, dass sie ihn nicht fallen ließ, als das Gegengewicht und der Halt durch die andre Frau relativ plötzlich verloren gingen. Fest griff die Kriegerin zu, so dass sie den Banditen in den Sand sinken lassen und den Speer aus seinem Fleisch ziehen konnte. Jede einzelne Bewegung war präzise und auf so wenig Kraftaufwand wie nur irgend möglich ausgerichtet, um unter der gnadenlosen Sonne, die über die Alik'r herrschte, den eignen Leib nicht unnötig anzustrengen.
Tief atmete Margra ein, als sie Inara bei ihrem Handeln zusah. Mit weißer Farbe malte die Frau auf die Stirn des Gefallenen und murmelte Worte, von denen die Kriegerin nur Bruchteile als Fragmente der alten Sprache noch älterer Traditionen erkannte. Einer gewöhnlichen Händlerin konnte sie also nicht gegenüber stehen. Einer Kriegerin noch weniger, denn dafür war das empfundene Entsetzen viel zu groß gewesen. Nicht, dass Margra das Töten unbedingt Freude bereitete, aber sie hatte sich damit abgefunden und wenn die Geister und die Alik'r ihren Pfad einen Kampf berühren ließen, so empfand sie gar Stolz und Kampfeslust, die sie stetig weiter trieben.

Wem also stand sie gegenüber? Margra verengte für den Moment ihre Augen. Die Art, wie Inaras Finger das Zeichen zogen, ließen sie aufatmen. Mindestens eine Gelehrte, wahrscheinlicher aber, dass es sich gar um eine Priesterin handelte. Umso größer die Ehre, dass sie an diesem Ort hatte kämpfen dürfen. Und umso gewaltiger wäre die Schande gewesen, sich von diesem Kampf abzuwenden oder gar die falsche Seite zu wählen.

Und kaum ein paar Wimpernschläge später stand eben jene Frau auch schon vor ihr und streckte ihr die Hände entgegen, um sie zu stützen. Normalerweise hätte Margra es abgelehnt, doch nun empfand sie zu tiefen Respekt, um einem regelrecht kindischen Stolz nachzugeben. Und da sie sich ohnehin auf ihren Speer lehnte, während Schweiß, Staub und Blut an ihrem Leibe herabrannen, machte es ohnehin keinen Unterschied mehr. Inara hatte sie kämpfen sehen. Das sollte ihr zur Ehre gereichen.

„Dein Bein, Kriegerin.“ Dies waren die Worte, die die Rothwardonin wohl erst wieder an die Verletzung erinnerten, die sie davon getragen hatte, auf dass das dumpfe Pochen zu einem gierigen Glühen entfacht wurde. Der Schmerz war so widerlich, dass gar ein Zittern durch Margras Leib strömte. Mit einem leisen Grollen zwang sie sich regelrecht wieder gerade zu stehen, um nun ihren Kopf in angemessenem Respekt vor der Fremden zu neigen.

„Bei Tag mögen die Geister stets in eurem Rücken sein. Bei Nacht mögen sie euch euren Weg weisen“, brachte sie mit rauer Stimme hervor und bettete die Faust auf ihr Herz. Stärke. Ja, Stärke war es, die sie zeigen wollte.

~*~

"Die Geister brachten dich zu uns, Kriegerin, sie scheinen wohl gestimmt zu sein“, antwortete Inara leise auf die ehrenvollen Worte der Kämpferin hin. Der Schreck hatte sich gelegt und das eigentliche Bewusstsein kehrte wieder zu Tage. Sobald Margra soweit war, stützte Inara die andere Seite, nutzte den Speer Margras als Gegenpart und führte sie herüber zur Karawane, zu der die Tiere zurückgefunden hatte und wo wieder Ordnung einkehrte.
Anui, der Dunkle wie er gerufen wird, stöhnte erleichtert auf und trat eilig herüber zu den beiden Frauen.

„Bei den Geistern, Inara, wir sorgten uns schon!“

„Mir ist nichts passiert, aber diese Kriegerin benötigt unsere Heilkunst.
Sie stellte sich den Angreifern entgegen und streckte Zwei von Ihnen nieder!“

Vielleicht hörte Margra die Dankbarkeit heraus, welche nebst Ehrfurcht vor dem kriegerischen Handwerk, in der weiblichen Stimme mit dunkler Klangfarbe heraus zu hören war. Der Blick des Priesters fiel sofort an Margra herab und er nickte, griff seinen Stab fester als er die Wunde erblickte und schaute sich nach der Karawanenführerin um. Er setzte sich in Bewegung, als er sie in geringer Entfernung ausspähen konnte und sprach zu ihr, wobei er auf Margra und Inara deutete und Maryas Blick in jene Richtung lenkte.

Die Verletzten wurden auf die Dromedare gehoben und ein Platz dort wurde auch Margra angeboten, um ihr den Weg zu erleichtern. Anui und Marya kamen herüber, um beide Frauen zu sprechen, wobei die Karawanenführerin ihre Faust zum Herzen führte und den Kopf etwas neigte. Den Blick aber löste sie zu keiner Zeit von Margra und ihre Stimme, Inaras nicht unähnlich, erreichte die Kriegerin.

„Fühle dich eingeladen unser Gast zu sein, lass deine Wunden versorgen, speise mit uns. Wir schulden dir Dank Kriegerin. Marya Mabeko ruft man mich, ich führe seit Jahrzehnten diese Karawane durch die Wüste. Das ist meine Tochter Inara, Lehrling des Anui, Priester des Tu'whacca.“

Der Priester zeigte ein mildes Lächeln, was sein dunkles Gesicht aufhellte. Die Zähne waren hell, passend zu den Augen weiß. Der Rest erschien finster wie die dunkelste Nacht.

So hatte sie nun die Wahl – und ein Angebot.


~*~

„Hoffen wir, dass ihre Gunst uns niemals verlässt ..“, raunte die Kriegerin und biss ihre Zähne zusammen, als sie sich tatsächlich auf Inaras Schulter stützte und an deren Seite entlang humpelte. Dass sie dabei den Leib der andren Frau ebenfalls mit Dreck und Blut besudelte – das kümmerte sie in diesen Momenten herzlich wenig, als die feinen Sandkörner ausgesprochen unangenehm in dem aufgeschlitzten Unterschenkel wüteten. Dass es keine sonderlich schreckliche Wunde war, hatte sie mit einem einzigen Blick und der Erfahrung eines Kindes der Wüste rasch erkannt, dennoch schmerzten Schnittwunden immer abscheulich. Besonders wenn Schweiß und Wüstensand ihre Klauen nach den Verletzungen ausstreckten.
Starke Sehnsucht nach dem Brunnen der Oase überkam sie und in diesen Momenten hätte sie für eine Karaffe des klaren Nasses eine ganze Menge hergegeben.

Vom Schmerz abgelenkt wurde sie jedoch, als Anui sich ihnen näherte. Die Aura und Kraft des Mannes waren eindeutig und sie flößten Margra schon beim ersten Blick tiefen Respekt ein. Erneut führte sie die Hand auf ihr Herz und entrichtete die Grußformel, die sie schon Inara erbracht hatte. Wahrscheinlich hätte sie sich gar verneigt, wenn ihr Bein und die Stütze der Frau an ihrer Seite dies denn zugelassen hätten. So musste es bei den Worten bleiben. Vorerst.

Anui wandte sich ohnehin schon wieder ab, ehe die Kriegerin ihn genauer hatte mustern können, um in Richtung der offenkundigen Anführerin der Karawane zu eilen. Und wie offenkundig ihre Rolle doch war, denn auch sie verströmte jene Aura, die unverwechselbar war. Etwas, das sich Margra noch verdienen musste.
Unbeugsam und mühsam aufrecht verharrte sie, war zu stur ..oder aber auch zu stolz, sich etwa auf den Rücken eines Dromedars heben zu lassen, immerhin war sie eine Tochter der Alik'r und als solche würde sie sich niemals nachsagen lassen, dass sie nach einem Kampf für die letzten Schritte gen Oase die Bequemlichkeit vorgezogen hätte. Sie bereute es nicht ein Stück weit, als Marya dann vor sie trat und sie begrüßte. Welch Schande wäre es doch gewesen, die Ehrung nicht zu empfangen, nachdem sie gemeinsam gekämpft hatten. Ein angespanntes Lächeln huschte auf Margras Züge.

„Ich bin Margra, eine Kriegerin der Inneren Wüste, und ich wandere in der Einsamkeit, um meine Stärke zu beweisen“, erwiderte sie und ihre Schultern strafften sich noch einmal, ihre Rechte umgriff harsch den Griff ihres Speeres, „Und ich will euch danken für eure Gastfreundschaft, die ich nicht ausschlagen werde. Direkt über die Düne dort findet ihr eine Oase, an welcher wir uns alle niederlassen können. Es wäre mir eine Ehre dort mit euch zu lagern.“
Und diese Worte meinte sie von Herzen.
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Montag, 27. Januar 2014, 13:47

„Zweifle nicht daran, es erzürnt sie oftmals oder stimmt sie launisch“, sprach Inara leise an Margras Ohr, welche sie weiterhin gestützt hielt. Kurz musste sie sich der Sorge ihrer Mutter beugen, straffte ihre Haltung danach aber wieder.
Marya blickte in jene Richtung, welche die Kriegerin vorgegeben hatte und nickte, das Lächeln zeigte einige Falten, man sieht das sie stets das raue Leben in der Wüste vorgezogen hatte, ihr fehlte die weiche Haut der Städter, strahlte aber ihr ganz eigenes Charisma, vor allem aber Würde aus.

„Sei uns Willkommen, Margra, Kriegerin der inneren Wüsten. Die Einsamkeit soll dir heute nicht zu teil werden. Ich wusste das wir nicht mehr all zu weit von der Oase entfernt sein konnten, sie war unser Ziel für die Nachtruhe. Die Zeichen stehen auf Sturm laut Anui, der Wüstensand ist zu ruhig.“

Marya nickte gen Kriegerin, dann begab sie sich wieder zurück in ihre Position um die Karawane anzutreiben um die Oase zu erreichen. Man sah, dass sie schon ein wenig länger miteinander reisten, selbst nach so viel Chaos erkannte man eine Spur Trott, was wahrlich nicht verkehrt war im Moment. Die verbliebenen Leichen wurden auf die Dromedare gehoben, ihnen würde eine Beerdigung nach Sitte des Volkes zu teil.

Der Dunkle schaute ihr flüchtig hinterher, wendete sich dann aber der Kriegerin zu.

„Anui ist mein Name, auch der Dunkle gerufen. Es steht dir frei zu entscheiden, du hast uns heute einen großen Dienst erwiesen.“

Er griff den Stab fester, wobei er ernst und ehrenvoll in ihr Gesicht blickte. Eine Gestalt, die nie viele Worte fand, um so kostbarer sind die Einzelnen. So bewegte er sich von Inara und Margra fort und trat die anderen Dromedare ab um die Verletzungen zu sichten und das Ausmaß einzuschätzen. Sorge sah man ihm niemals an, da ist Ruhe, Kraft und Zuversicht.

Inara aber blieb an ihrer Seite und begleitete sie herüber zur Oase, der Weg würde sich in ihre Wunde fressen und den Zustand verschlimmern, niemand aber kam auf die Idee ihr Vernunft auferlegen zu wollen.
Der dunkelblaue Überwurf der Priesterschülerin nahm Dreck und Blut, Sand und Geruch auf, die Sonne brannte, der Schweiß rann ihr vom Nacken den Rücken herunter und in tiefere Gefilde. Ein unangenehmes Gefühl, dennoch vertraut.

„Wie lange wanderst du schon in der Einsamkeit?“, erkundigte sich Inara.


~*~

„Ich zweifle nicht an den Geistern, nur daran, dass ich so bedeutend wäre, dass sie stetig über mir weilen“, erwiderte Margra mit einem kurzen Heben des Mundwinkels gen Inara. Erleichterung machte sich auch langsam in ihr breit und schlug die Wurzeln bis in ihre Eingeweide hinein. Mochte die Rothwardonin auch stets vorgeben, den Tod und das Sterben nicht zu fürchten, so hing sie doch am Leben und umarmte den Schmerz fast schon dankbar, der durch ihr Bein flammte und ihr verriet, dass sie wahnsinnig lebendig war. Das siegreiche Überleben eines Kampfes ließ einen gewissen Rausch durch ihr Innerstes pochen.
„Alles andre wäre vermessen, meinst du nicht?“ Fragend sah Margra die Schülerin des Priesters an und schritt an deren Seite, mehr humpelnd denn wirklich aufrecht, wobei sie durchaus über das mühsame Straffen der Haltung in Gegenwart der offen erkennbaren Mutter schmunzeln musste. Manche Dinge waren eben immer gleich – ganz gleich, welcher Sippe und Familie man angehörte.

Dann ruckte ihr Blick auf zu dem Dunklen, der das Wort an sie richtete und sie neigte ihm in gewisser Demut ihr Haupt entgegen, Aufmerksamkeit aufweisend und nicht einmal mit den Augen von ihm abweichend. Ein Priester des Tu'whacca. Das verlangte ihren unbedingten Respekt. Und eben jenen empfing Anui und konnte sich dessen sicher sein, solange seine Taten ihn nicht als Ehrlosen zeichneten.

„Es war kein großer Dienst, dass ich mit euch kämpfte. Alles andre wäre eine Schande gewesen, Priester“, erwiderte sie ihm und meinte die Worte auch genau so. Es war keine falsche Bescheidenheit, auf dass er sein Lob wiederholen würde, nein, es war ihr voller Ernst. Alles, was die Wüste ihr bot, war eine Prüfung. Und keine einzige würde sie ausschlagen, ehe sie endlich als vollwertige Kriegerin zu ihrer Sippe zurückkehren konnte. Nichts andres zählte. Heute war nur ein weiterer Schritt auf diesem Weg gewesen.
Margra folgte dem Dunklen mit ihren Augen und wandte sich erst wieder Inara zu, als diese sie ansprach.

„Ich kann es dir gar nicht genau sagen, wie lange ich bereits wandre, aber es werden sicher einige Dutzend Tage sein. Vielleicht schon ein halbes Jahr. Und vielleicht gar noch länger … Ich soll meinen Weg in der Alik'r finden und meine Prüfungen bestehen, um als Frau und Kriegerin heimzukehren. Dies war die Aufgabe, die man mir mit auf den Weg gab“, erwiderte sie leise und musterte Inara zum ersten Mal mit offen erkennbarer Neugierde, „Was ist es, das dich antreibt?“

~*~

Wohlwollend hatte der Priester die Zurückhaltung und den Stolz der Kriegerin wahrgenommen, sein Lob blieb dennoch bestehen – in einer Wüste mit so etwas zu rechnen war schier unmöglich, aber sie barg Überraschungen und auch das lernte der Dunkle jeden neuen Tag, den er durch jene hindurchzog.

Inara hingegen schien konzentriert, Schwäche erlaubte sie sich nicht und gingvoller Kraft neben der Verletzten her, um sie zu stützen und zur Oase zu geleiten. Es sollten einige schmerzhafte Schritte für Margra werden, bis sie die Oase erreichten. Der Händler dort mit seiner Ehefrau und den erwachsenen Kindern stand bereit und verteilte gleich ein wenig Wasser – fürs Erste nicht zu viel. Marya wechselte ein paar Worte mit dem Händler, danach durften sie ihre Zelte aufschlagen und Anui begann wenig später damit die Verletzten zu behandeln.

Dabei nutzte er keine Magie sondern die Kunde von Kräutern, die Erfahrung mit Wunden und das Behandeln von jenen.

„Die Zeit verliert sich in der Wüste leicht, ich kenne es“, antwortete Inara auf Margras Worte hin und brachte sie in den Schatten einer Palme, wobei ein Strauch ebenso dabei half. Erstmal bekam sie eine Schale mit Wasser gereicht, die junge Frau selbst geduldete sich und füllte ihr nach, um selbst erst dann zu trinken. Kleine Schlucke, geringe Belastung für ihren Magen.

„Meine Prüfung liegt mir noch bevor“, gestand sie leise ein, wobei sie sich auf Höhe des Beines hin hockte und die Wunde ein wenig entblätterte, sofern Stoff oder Leder im Wege ist.

„Sobald mein Zelt aufgebaut ist, kümmere ich mich um deine Wunde.
Der Sand ist ein Teufel, ich muss ihn austreiben bevor er zu viel Schaden anrichtet.“

Das sie sich nicht darum kümmern musste, hob ihre Stellung vielleicht auch ein wenig heraus, auch wenn sie damit nicht überheblich oder selbstverständlich wirkte. Der Blick huschte derweil kundig über die Wunde und sie schüttelte den Kopf.

„Ein paar Tage Ruhe wirst du halten müssen, zu viel Bewegung wird Schaden bringen“, erklärte sie und deckte die Wunde auch erst einmal ab. Der Blick hob sich und blieb in den Gesichtszügen der jungen Frau ruhen, wie es schien gehörte all die Aufmerksamkeit gewollt und absichtlich Margra.
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Samstag, 1. Februar 2014, 23:23

Mit einem leisen Ächzen ließ sich Margra in den Schatten sinken und lehnte ihren Rücken gegen den Stamm der Palme. Ein Aufrucken der Mundwinkel konnte sie nicht verhindern, als ihr die Schale mit Wasser gereicht wurde. So hatte sie erst vor kurzer Zeit hier gesessen, nicht ahnend, dass ein Kampf ihr bevorstünde. Aber so war das Leben in der Alik'r – unvorhersehbar und gespickt mit einer ganzen Reihe an Entbehrungen und Gefahren, die keinerlei Rücksicht auf Land und Leute nahm. Alles, was die Menschen tun konnten, die hier lebten oder die zur Reise durch die Sande aufgebrochen waren, war schlichtweg, sich mit all diesen Umständen abzufinden und mit einem verbissenen Lebenswillen allen Widrigkeiten zu trotzen. Sturheit war in jedem Falle eine Eigenschaft, die ins Fleisch der Rothwardonen gebrannt worden war von der Sonne. Sturheit, strenger Wille und ein gewisser Erfindungsreichtum.

„Mutter sagte stets, dass die Zeit in der Alik'r mit den Dünen und einem jeden einzelnen Sandkorn wandert. Manchmal im Sturme und manchmal steht alles regelrecht still, als würde die Sonne ein Abbild brennen wollen wie man es mit Ton tut“, entgegnete Margra ihrem Gegenüber und barg die Wasserschale in der linken Hand, als sie das kostbare Nass in kleinen Rinnsalen kühlend über die Wunde rinnen ließ. Erleichtert seufzte sie aus. Eine Wohltat.
Dankbar nahm sie wahr, dass Inara sich ihrer Verletzung widmete und diese abzudecken gedachte. Allerdings streckte sie ihre Hand aus, berührte den Unterarm der Andren für den Moment und schüttelte kaum merklich ihren Kopf.

„Warte“, raunte sie und zog aus einem Beutel an ihrem Gürtel – unterhalb des weiten Nomadengewandes – ein paar Kräuter, karg und bräunlich an einigen Stellen, um diese zwischen ihre Lippen zu schieben und mit Hilfe eines halben Schluckes Wasser darauf herum zu kauen, bis sie sich den Pflanzenbrei in die Handinnenfläche spucken konnte und diesen behutsam auf die Wunde auftrug. Dabei schien es, dass die Kriegerin erst einmal selbst die Ausmaße des Ganzen erkennen wollte. So schlimm sah es gar nicht aus. Schnitte schmerzten nur immer erbärmlich und bluteten noch viel schlimmer.
Das jedoch nahm sie in Kauf. Ihre Feinde hatten immerhin weitaus mehr bezahlt, als Schmerz und Blut.

„Du klingst wie eine Frau, die ebenfalls noch nicht ganz ihr Ziel gefunden hat, Inara, die du auf den Pfaden Tu'whaccas wanderst. Bist du wegen deiner Prüfung in die Alik'r gekommen? Was ersuchst du hier zu finden? Denn ich glaube nicht ganz, dass es nur das Begleiten einer Karawane ist, das dich antreibt...
Die Alik'r ist das Herz, von dem aus wir kommen. Hier scheint die Sonne, die unsere Haut gebrannt hat. Manch einer findet sich hier, manch einer verliert sich. Wie steht es um dich?“, erhob Margra ihre Stimme und sah Inara mit wohlwollender Wissbegierde an, als gäbe es in diesen Momenten nichts, das wichtiger wäre.

Die Aussage betreffs ihres Beines .. jene ignorierte sie vorerst vollkommen. Sie würde es akzeptieren, wenn die Alik'r ihr die Ruhe denn schenkte.

~*~

„Meine Mutter ist in der Alik'r aufgewachsen und ich bin es ebenfalls. Sie sagte mir das meine Zeit der Prüfung kommen wird, das ich Geduld haben soll und die Zeichen erkennen werde, wenn es soweit ist. So sehr die Alik'r ihr Gesicht verändert, so vertraut ist sie mir auch.“

Bei der Berührung ihres Unterarmes hatte Inara zu Margra gesehen und in der Tat inne gehalten. Kurz sah man ihr an, dass sie es fast versucht hätte zu unterbinden, die Kriegerin dann aber gewähren ließ. Dennoch kräuselte sich die Nase etwas und sie blickte sich für den Moment um, überflog den Fortschritt der Karawane und lächelte etwas, als sie Anui beobachtete wie er voller Eifer die Verletzten sichtete.

„Das hier ist meine Familie, es sind Freunde. Momentan treiben sie mich an, ich bin aber ungewiss ob es aber auf lange Sicht so bleibt. Der Gedanke zerreißt mein Herz, irgendwann einmal nicht mehr Teil dieser Reise zu sein und ich weiß auch das ich nicht so reden sollte“, fügte sie leiser an, der Blick schweifte zurück zur Kriegerin und Inara lächelte ein wenig milder. Ihre Schale mit Wasser hob sie erneut an, gönnte sich einen Schluck und ließ sie danach bald schon wieder in ihren Schoß sinken. Die Bewegungen der Frau wirken bedacht und keinesfalls zu hektisch. Alles schien im Fluss zu sein.

„Niemand will sich hier verlieren, der Wunsch sich zu finden ist groß. Ein jeder von uns zieht aus um es zu erreichen, aber wie viele können tatsächlich von sich behaupten es wahrhaftig gefunden zu haben? Endet die Suche überhaupt? Gibt es nicht immer neue Spuren die sich auftun und einen durch die Alik'r lenken?
Es lässt mich oft grübeln, gerade wenn die Nacht die Wüste kühlt und ein anderes Gesicht aufkommt.“

Die Toten brachte man gesondert unter, etwas Abseits des Lagers und der Oase, dunkle Flecken die sich vom Wüstensand abhoben und als Mahnmal dienten. Inaras Blick verirrte sich ab und an dorthin, wie könnte es auch nicht. Der Wechsel stand kurz bevor, das dunkle Gesicht der Nacht würde sich alsbald offenbaren.

„Ich werde ihm nachher helfen müssen, die Körper sollen Ruhe halten und die Seelen den richtigen Weg nehmen.“
Nachdenklicher, nach einem Kopfschütteln, sprach sie es, aber besann sie sich aufs hier und jetzt.

„Willst du deine Wunden versorgt wissen oder reicht dir deine eigene Gabe dahingehend?“

Der Blick bohrte sich direkt in Margras Gesicht und die Farben ihres Augenspiels.

~*~

Die bronzenen Augen Margras verengten sich kurz, als sie den Worten ihres Gegenübers mit ungeteilter Aufmerksamkeit lauschte und schließlich ihren Kopf schrägte. Ruhig und tief ein und ausatmend grub sie ihre Hand in den Sand und ließ diesen vor den Augen des Wüstenkindes wieder durch ihre Finger dem Grund entgegen rieseln – unhaltbar wie Wasser.
„Das bist du, Inara, so wie jedes Kind der Wüste... die Finger sind die Familie“, raunte sie mit einem sanften Lächeln, „Sie umfängt uns und leitet ein Stück weit den Fluss unseres Seins, aber niemals kann sie uns ganz halten, wenn unsere Wege weiter führen. Jedoch ...“ Kurz hielt sie inne und das Lächeln vertiefte sich, derweil sie ihre freie Hand zum Kelche formte und unter die Rinnsale des Sandes hielt, auffangend und nichts nieder perlen lassend – zunächst.

„Jedoch kann die Familie uns fangen und erst, wenn wir uns wieder genug gesammelt haben, verlaufen unsere Wege weiter ...“ Mit einem Kopfnicken wies sie herab auf die sich füllende Hand, von der alsbald wieder Sandkörner ihren Pfad von selbst auf den Boden hin suchten.
„Das ist das Wesen der Kinder der Alik'r. Und so wird es immer sein. Warum also solltest du nicht so reden? Du wirst immer wieder zurück zu deiner Familie finden, wenn ihr einander nicht vergesst.“

Eine ganze Zeit hielt sie inne und schloss gar ihre Augen, als würde sie über die andren Fragen Inaras nachdenken, die sie durchaus in sich hin und her bewegte. Fragen, die einen jeden Rothwardonen der Alik'r zu ihrer Zeit bewegten oder streiften. Schließlich zuckte sie einfach mit ihren Schultern. Es lag keine Verachtung in dieser Geste; es war schlichte Ehrlichkeit. Wer könnte die Alik'r und ihr Wesen schon so gut kennen? Wahrscheinlich kein Sterblicher.

„Du kannst mir gerne von den Gedanken der Nacht erzählen, während du dich meines Beines annimmst.“ Das war alles, was sie letztlich sagte und mit einem Nicken bestätigte. Damit hätte sie wohl auch gesagt, dass sie die Hilfe der Priesterschülerin gerne annähme.
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Sonntag, 2. Februar 2014, 00:23

Inaras Blick wurde kurz deutlich skeptischer, denn die Worte waren mehr die einer Weisen, als einer Kriegerin von solch jungen Jahren. Ob ihre Prüfung wohl begann? Täuschungen gehörten zum Leben in der Wüste, wie das klare Wasser als Belohnung zu einer Oase. So setzte sie sich einen kurzen Moment etwas zurück, verengte die Augen und ging in sich.
Ein Prozess der etwas Zeit beanspruchte, abschließend aber nickte sie und erhob sich aus der wippenden Position, die sie zwischenzeitlich eingenommen hatte. Ihre Hand streckte sie herunter, eine schrecklich einfache Geste, die dennoch viel von dem zeigte, was in ihr vorgegangen war. Sie nahm an.

„Du klingt ganz und gar nicht wie die Krieger, die sonst unseren Weg kreuzen. Aber ich habe das Gefühl das die Geister unsere Schritte zusammengeführt haben, Margra, Kriegerin der inneren Wüste, welche in Einsamkeit wandelt.“

Ihr Griff legte sich fest um das Handgelenk und Inara stützte Margra neuerlich und brachte sie hinüber zum Herzen des Lagers. Das dunkle Zelt war bereits errichtet worden und dorthin brachte sie sie. Im Inneren war es kühler dank des festen Stoffes, eine Schlafstätte war errichtet worden, darüber hinaus fanden sich Taschen im Inneren. Auf die Felle legte sie die Kriegerin, ehe Inara kurz darauf das Zelt noch einmal verließ.

Es dauerte eine ganze Weile,bis sie mit einem Kesselchen wieder kehrte, aus dem Dampf aufstieg. Stoffe schützten die eigene Haut vor Verbrennungen, zum Lager trat sie damit und stellte ihn dort ab.

„Warst du schon einmal außerhalb der Alik`r unterwegs, Margra?“
Ein wenig vorsichtiger klang ihre Stimme, während sie aus einer Tasche ein Tiegelchen hob und in eine Schale die grünliche Flüssigkeit heraus fließen ließ. Mit einer Kelle schöpfte sie heißes Wasser dazu und zog mit einer Zange ein Tuch hindurch um es komplett damit zu benetzen und an der Luft haltend dann abkühlen zu lassen.

Der Geruch war streng, der reinigende Charakter war zu erahnen.


~*~

„Nun, meine Mutter ist eine der Frauen, die die Riten, Geschichten und Bräuche in Erinnerung halten – so nennt sie es – und wenn man Leben nimmt, so wie ich es tue, dann sollte man auch versuchen, dieses Leben zu verstehen, um ihm Ehre und Würdigung entgegen zu bringen. So ist es auch, wenn ich jage. Das Fleisch, das ich esse … ich muss meine Beute kennen und nur die Anstrengung der Jagd sorgt dafür, dass ich es genug wertschätze. Allerdings lerne ich, um etwas zu essen zu haben, auch den Lebensablauf des Tieres kennen, ich erforsche die Plätze, an denen es weilt und ich schaue seinen Lebensweisen zu. In meiner Erinnerung bleibt das Tier also ...“
Sie lächelte vorsichtig nach diesen Worten und fuhr sich durch ihr langes Haar, um einige der verfilzten Strähnen aus ihrem Gesicht zu streifen. Erst hernach griff sie nach der Hand Inaras und ließ sich empor ziehen. Ein wenig wacklig stand sie auf ihren Beinen und es sah auch nicht aus, als würde es sie nicht schmerzen .. aber sie biss die Zähne mit einem deutlichen Knirschen fest zusammen, als sie an der Seite der andren Rothwardonin gen deren Zelt wankte.

Dankbar war sie, als sie auf die Felle sinken konnte, und als Inara ihr den Rücken kehrte, das seufzte sie gar erleichtert auf und erlaubte sich endlich, den Schmerz offen zu zeigen. Mit einem tiefen Brummen biss sie in die Felle und kniff die Augenlider zusammen. Die Momente, in denen sie alleine war, verbrachte sie also damit, sich die Tränen zu verkneifen und hektische Atemzüge in den Pelz zu schnaufen.

Und dann kehrte die Schülerin des Priesters auch schon zurück und Margra stemmte sich sogleich auf ihre Unterarme, um sie nicht einen Moment aus den Augen zu lassen. Fast schon wie ein Beutetier den Jäger .. Dennoch blieb da auch der trotzige Stolz nur ja keinen Funken Schwäche einzugestehen. Jener Stolz bröckelte erst sichtbar bei der Betrachtung des dampfenden Kessels, der einen entsprechend scharfen Geruch verströmte. Margra schluckte. Derlei hatte sie schon daheim gehasst. Besonders die Entschlossenheit der Heiler, die damit meist einher ging.

„Außerhalb der Alik'r? Ich habe ein paar kleine Handelsstädte gesehen und bereist, aber niemals endete der Sand unter meinen Füßen. Nein. Nur in der Ferne sah ich einst größere Mauern und auch etwas, das sie Meer nennen. Warst du denn schon einmal fern von der Heimat?“

~*~

„Noch nie“, sagte sie fast wie ein einziges Ausstoßen und Inara schüttelte den Kopf.
„Aber ab und an schicken mich meine Träume fort aus der Wüste und weg vom Sand, in Gegenden von Grün und Blau, das ich oft glaube die Farbe sogar auf meiner Zunge schmecken zu können.“

Statt sich um die Wunde der Kriegerin zu kümmern, begann Inara die eigenen Hände mit dem feuchten Tuch zu reinigen. Dabei ging sie geübt vor und vergaß weder die Fingernägel noch die Daumen beider Hände. Zuletzt wrang sie das Tuch ein wenig aus, schlug es dann aus und faltete es wieder. Sie legte jenes beiseite und griff sich ein Neues, welche sie mit neuer Zange durch den Sud zog.

Schweißperlen zeigten sich auf ihrer Stirn, die Nähe zum Kessel barg Wärme, die sich ihren Weg suchte. Die jungen Gesichtszüge trugen Entschlossenheit, die dunklen Augen mit dem Augenweiß Konzentration. Trotz der Härte der Wüste hatte Inara ein junges, in den Augen mancher sogar ein schönes Gesicht.

„Dann hoffe ich nie zu deiner Beute zu werden“, scherzte sie mit fast schon sanfter Stimme, nur um dann mit dem Tuch und ihren blanken Fingern und der gefürchteten Entschlossenheit einer Heilerin die Wunde der Kriegerin von Sand, zerkauten Kräutern und Unrat zu reinigen. Akribisch ging sie vor und wiederholte die Prozedur. Es brannte natürlich abartig und sollte auch Margra Schweißperlen ausbrechen lassen.

Das Wasser und der Sud blieben angewärmt, es regte die Durchblutung an und sorgte für ein reinigendes Kribbeln am Wundgrund.

„Erzähl weiter, Margra, es wird dich ablenken“, forderte sie die Kriegerin dann auf, „Was wolltest du als nächstes Jagen?“


~*~
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Montag, 3. Februar 2014, 00:13

„Träume also ...“, murmelte sie nur und fuhr sich mit der Hand über die nahezu kahl geschorene Seite ihres Kopfes, über welche sich ebenfalls Narbenzeichnungen zogen bishin in den Nacken, „Was sind es für Träume, die dich berühren oder gar anleiten, Inara? Wenn du denn einer Fremden davon erzählen möchtest oder kannst. Solltest du es nicht wollen, verzeih mir die Frage.“ Die Stimme erklang ein wenig rau und die Augen Margras verengten sich in einem Interesse und einer Wissbegierde, die wohl kaum abzustreiten waren. Eine Kriegerin mochte sie sein, aber ihr Hunger nach Wissen schien dem Rausche des Kampfes gleich zu kommen.

Zunächst allerdings schien die Zeit für Antworten noch nicht gekommen zu sein, denn Inara bereitete sich auf die Behandlung des Beines vor, was Margra unwillkürlich eine gewisse Anspannung abverlangte. In den Augen schimmerte eine gesunde Portion an Misstrauen und auch der Trotz, dem Schmerz des Reinigens irgendwie widerstehen zu müssen. Und der Geruch, der nach und nach an Intensität innerhalb des Zeltes gewann .. ließ sie schon ahnen, was folgen würde.

Und sie wurde auch nicht enttäuscht, denn das Brennen, das ihren Unterschenkel durchzuckte, fuhr ihr bis ins Mark hinein und von dort aus in jede Ader .. bis in ihre Fingerspitzen hinein. Zumindest fühlte es sich verdammt so an.
„Ich hoffe ebenfalls, dass du niemals meine Beute wirst, denn ich würde es verachten, ein Kind der Alik'r zu töten. Die Jagd dient immer dem Töten.“, grollte sie und fletschte die Zähne, als sie zischend die Luft zwischen diesen in ihre Kehle sog. Tief aus ihrem Bauchraum stieg ein Knurren wie von einem verwundeten Tier auf. Dann schloss sie ihre Augen und versuchte Herrin über den Schmerz zu werden, der mit jeder Berührung der Priesterschülerin erneut durch sie zuckte.

„Was ich als nächstes jagen wollte? Ich jage, um meinen Magen mit Fleisch zu füllen und um nicht in den Sanden zu verhungern und als Gerippe verloren zu gehen ...“, entgegnete sie schließlich und hob ihren glänzenden Blick in Richtung des Gegenübers. Kleine Schweißperlen rannen von ihrer Stirn, dann an der Nase bis zum Kinn entlang, um von dort zu Boden zu tropfen. Es war nach wie vor warm, der Dampf des Kessels verschlimmerte es noch und ebenfalls der Schmerz tat seinen Teil.
„Wahrscheinlich hätte ich versucht einen der großen Skorpione zu erlegen, eine Schlange .. rennende Insekten, wenn ich nichts andres fände.“

~*~

"Eine Wunde mag es warm, sie verheilt besser. Warm und feucht. Bleiben Gifte oder Anderes zurück, finden sie warm, feucht und dunkel natürlich wunderbar. Ich brenne diese Feinde aus deiner Wunde, du wirst zufrieden sein wie sie danach verheilt“, erklärte Inara kundig als sie noch einmal den Sud durch die Wunde rinnen ließ und mit einem reinen Stück Stoff wieder aufnahm. Ihre Finger legte sie an den Unterschenkel und öffnete die Wunde ein Stück, das Licht der Öllampen erlaubte ihr zu erkennen ob sie noch eine weitere Prozedur anwenden musste. Aber scheinbar war es nicht nötig.

Ihre Finger fuhren zu Margras und leiteten sie an die Wunde geöffnet zu halten, der Schmerz den das verursacht ist aushaltbar für jemanden ihres Formates. Inara räumte die benutzten Stoffe fort, reinigte ihre Hände mit einem Öl, nachdem sie aus einer weiteren Tasche Material geholt hatte.

„Ich habe meine Träume früher abgetan und für mich behalten, seit geraumer Zeit spreche ich mit Anui darüber und er hält sie für Wegweiser. Träume zu deuten ist anstrengend, es gibt immer Aspekte die man unterschiedlich beleuchten kann und wenn ich ehrlich bin: Oftmals ist es ein rätseln. Aber bisher hat es mir Glück gebracht, also mache ich weiter damit.“
Es klang fast schon heiter. Nebenbei sank sie auf die Knie und begann grünliche Streifen in die Wunde zu legen. Siewaren trocken und blättrig, sie rochen neutral.

„Die Algen werden deine Wunde frisch halten, ich wechsle den Verband übermorgen, dann sehen wir eine Tendenz.“

Nachdem sie einen zweiten Streifen zurecht gerissen und eingelegt hatte, begann sie zu wickeln. Allerdings umfasste es auch den Fuß. So hatte die Bandage deutlich mehr halt. Zufrieden zupfte sie eine Bahn noch glatt, dann schaute sie in Margras Augen.

„Ein Skorpion wird es sein“, antwortete sie – vielleicht etwas aus dem Zusammenhang gerissen.


~*~

„Gift und Verwundungen stärken mich, wenn ich sie überwinde. Ich sehe sie als Teil meiner Prüfung und letzten Endes werden sie verblassen und nur Narben bleiben, die mir hoffentlich zur Ehre gereichen“, gab sie Inara zur Antwort und musterte diese auch weiterhin aus leicht verengten Augen, die eine jede Regung wohl wahrnehmen wollten. Einer jeden Bewegung ruckten die Augen nach und ein gewisser Schimmer loderte in den bronzenen Augen der Rothwardonin. Als würde die Wüstensonne im Sand versinken.
Hier und da blinzelte Margra gar eine Träne fort; Momente, in denen sie noch schrecklich jung wirkte.

„Ich bin dir dankbar dafür, dass du dich dessen annimmst. Wahrscheinlich hätte ich es im Notfall selbst vollbracht, aber dein Wissen wird dafür sorgen, dass ich schneller wieder auf die Beine kommen werde. Und daran liegt mir eine Menge.“
Ein Schmunzeln erhellte die Züge, als Inara ihr ein paar Momente der Ruhe gewährte und sie tief einatmen konnte. Der Schmerz ließ nach, verblieb ihr als dumpfes Pochen im Fleisch, bis dieses erneut gespült wurde und Margra am liebsten die geballte Faust ins Gesicht ihres Gegenübers geschlagen hätte. Die Vernunft jedoch siegte letztlich, so dass sie ihre Finger führen ließ von der Kundigeren.

„Wie deutest du die Träume? Es gibt bei meiner Sippe ein paar Frauen und Männer, die ebenfalls davon sprechen, aber selten geben sie ihre Geheimnisse preis und manche leben gar vollkommen in sich zurück gezogen. Wie also ist es für dich?“, raunte sie und erneut legte sie ihren Kopf schief, auf dass ein paar der verfilzten Strähnen mit den Knochenperlen darinnen über ihre geschorene Haut flossen.
„Und wohin werden deine Pfade führen? Du sagtest, dass die Alik'r unsere Pfade zusammen führte … vielleicht zu einem Zweck. Vielleicht auch zwei Wege, die sich für eine Weile verweben.“

~*~
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Montag, 3. Februar 2014, 00:20

„In der Tat zu einem Zweck, Kriegerin. Ich habe eine offene Rechnung mit einem mächtigen Wesen und ich denke das er der Abschluss meiner Prüfung sein wird. Du schnaubst nun sicher und denkst das ich es alleine schaffen sollte, aber darum geht es nicht. Ich kann mich nicht vor dem größten Skorpion den ich je gesehen habe aufbauen und ihn alleine besiegen.
Ich glaube das ich deinen Schwertarm brauche, Margra.“

Inara seufzte leise und wusch sich jetzt die Hände, wobei sie das Wasser dazu aus dem Kessel schöpfte mit einer Schale, um es nicht zu beschmutzen.
„Wir haben Glück und können uns gleich reinigen.“

Zum Kessel deutete sie, der angenehm warmes Wasser bergen wurde. Tücher und Stoffe waren ebenso noch vorhanden. Während Margra ihren Bewegungsradius austestete, löschte sie das Licht zweier Lampen, um Öl zu sparen. Das Licht der Einen reichte aus um sich zurecht zu finden und gab sogar ein wenig Privatsphäre wieder.

„Anui sagte mir, dass es Übung ist. So kann ein schwarzer Vogel der Tod sein, oder aber ein Unglück ankündigen. Ich muss für mich die Erfahrung machen, die Bedeutung selbst abschätzen. Verstehst du was ich damit meine?“
Nachdenklich betrachtete sie die Kriegerin, dann begann sich Inara zu entkleiden. Die etlichen Schichten Stoff legte sie sorgsam ab, bis sie nackt war. Über ihre dunkle Haut zog sich am Rücken ein kunstvoll gezogenes Narbengeflecht, welches einen Kreis bildete und die Unendlichkeit symbolisierte.
Ein Tuch tränkte sie mit warmen Wasser und begann sich dann sorgsam abzureiben. Scham kannte sie nicht, das Leben in der Wüste erlaubte es kaum.

~*~

Erst schwieg die Nomadin. Dann atmete sie sehr tief ein und ihre mit Ziernarben bedeckte Stirn kräuselte sich. Inara bedurfte ihres Schwertarmes in einem Kampf gegen einen der gewaltigen Skorpione der Alik'r – das war es also. Noch ein tiefer Atemzug füllte ihr die Lungen, ehe sie mit ihrer dunklen Hand über den Grund fuhr und wieder einmal Sand durch ihre Finger laufen ließ, um dem Fluss der einzelnen Körner mit ihrem Blick zu folgen. Erst hernach zuckten die bronzenen Augen wieder zu Inara auf und sie trugen einen Ernst in sich, der kaum zu ihrem Alter passen wollte. Dennoch: Er war da.
Die riesigen Skorpione der Wüste waren Kreaturen, die nur selten als Beute gewählt wurden. Ihr Gift war gefürchtet und ihre Kraft konnte empor fahren aus den Dünen, als würden diese selbst lebendig werden und Menschen in die Tiefe des glühenden Sandes reißen. Ihre Panzer waren wie Stein und ihre Greifklauen wie Schwerter.

Nein. Damit ging man nicht leichtfertig um. Eine Gänsehaut bettete sich auf ihre Haut; ein kalter Schauder rann ihren Nacken und die Wirbelsäule nieder.

„Du willst also, dass ich dich ein Stück weit begleite und dir helfe, ein Wesen zur Strecke zu bringen, mit dem du eine Geschichte verbindest? Und wir gehen allein?“, erhob sie ihre raue Stimme und verengte ihre Augen. Langsam streckte sie ihr Bein aus und ihr Blick durchbohrte die Priesterschülerin regelrecht, deren Worte sie nur allzu ernst nahm. Derlei nahm sie in keinster Weise mehr auf die leichte Schulter.

Und dann drehte sie ihren Kopf zur Seite.
„Wenn du willst, knie dich vor mir und erzähle die Geschichte, die du mit diesem Skorpion verbindest, derweil ich deinen Rücken wasche.“

~*~

Inara blieb einen Moment länger stehen und nahm sich die Zeit Margra zu betrachten. Der rasierte Schädel, die vielen Narben die selbst Geschichten erzählten – eine Faszination lenkte sie vom eigentlichen Thema ab. Erst als sie den Kopf schüttelte, kam sie wieder ins Hier und jetzt, drehte sich etwas um das Tuch wieder feucht zu machen und trat dann vor Margra, wobei sie sich neuerlich etwas drehte, um mit dem Rücken zu ihr auf die Knie zu gehen.

Das feuchte Tuch bekam sie über ihre Schulter gereichte, das Wasser über ihre Haut perlte, vorn wie hinten, konnte Inara kaum verhindern und wollte sie auch nicht.

„Mein erster Schrei den ich als Kind tat, ging mit dem letzten Atemzug meines Vaters einher“, begann sie ihre Geschichte, wobei sie zögerte und das junge Gesicht eine Nachdenklichkeit zeigte, die der Erzählung auferlegte, alt zu sein.

„Meine Mutter lag in den Wehen als sich am Horizont dieser Skorpion zeige und seinen Stachel bedrohlich in Richtung Karawane reckte. Anui war sich sicher, das er den nächsten Sandsturm nutzen würde, um uns anzugreifen. Mein Vater zog mit seinen erfahrensten Kämpfern aus um ihn nieder zu ringen. Der Skorpion überlebte die Angriffe, der Panzer schien undurchdringlich zu sein, mein Vater erlag dem Gift.“

Den Kopf drehte sie ein wenig, wobei Inara nach hinten griff und ihre langen dunklen Haare hoch hielt. Die Jugend hielt ihre Brüste straff, den Körper athletisch.
„Seither sehen wir ihn immer mal wieder am Horizont, Anui kann ihn vertreiben, aber ich bin sicher das er wegen mir kommt um etwas zu ende zu bringen.
Das Blut meines Vaters fließt in meinen Adern.“


~*~

Ihre mit Tätowierungen und Kerben gestalteten Hände griffen nach dem nassen Tuch, auf dass sie dieses kühlend und erstaunlich sanft über den Rücken der andren Frau führte und dabei nicht umhin kam, die Symbolik der Narben zu bewundern. Gar ihre Fingerkuppen führte sie gedankenverloren über manch eine Kontur und atmete tief ein. Unendlichkeit. Etwas, das schon wieder eine Menge Fragen in ihrem Geist aufblitzen ließ, aber sie schwieg und hörte erst einmal zu. Geduldig war sie und ließ sich alle Zeit der Welt damit ihre Heilerin nun zu reinigen. Als wäre es ein Ritual, bei dem jede einzelne Regung in die Nächste überfloss.
So fuhr sie fort, bis Inara ihre Geschichte erzählt hatte und noch immer war ihre Stirn gefurcht. Die Erzählungen verstärkten nur den Schauder, der ihre Wirbelsäule mittlerweile mit Eis tränkte.

„Ist dein Antrieb jener der Rache oder wünschst du dir, dass es ein Ende nimmt und entweder der Skorpion oder du als siegreicher Jäger aus dem Kampf hervorgehen, auf dass Ruhe einkehrt?“, begehrte sie schließlich zu erfahren und bettete das kühlende Tuch in den Nacken Inaras.
„Ich halte dich nicht für eine feige Frau, nur weil du die Hilfe einer Andren deines Volkes ersuchst. Zu wissen, wo die eignen Stärken und Schwächen liegen, ist eine Weisheit, die man braucht, um in der Alik'r zu überleben. Zumindest würde meine große Schwester das sagen .. oder aber eine alte Freundin.“
Sie schmunzelte und erneut fuhr sie sich über eine der kahlen Schädelseiten, massierte diese regelrecht, als würde es sie beruhigen.

„Es wäre nicht ehrenvoll, deine Bitte abzulehnen. Ich werde bei dir sein.“
Es klang entschlossen. Und ehrlich.

~*~
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Montag, 24. Februar 2014, 22:13

Wüstenblut - Kapitel II

Ein paar Stunden später ...

Die Sonne war untergegangen und die Luft hatte sich merklich abgekühlt. Die Oase war durch die Zelte der Karawane ein dunkler Fleck unter dem Sternenhimmel, erleuchtet durch ein paar Fackeln. Etwas abseits der Karawane waren die Leichen der Verstorbenen aufgebahrt worden, sechs an der Zahl, und auch jene Gefallenen der Seite der Angreifer. Großzügig war der Kreis um eben jene Stätte und Anui, der Dunkle, war mühelos darinnen zu erkennen. Er war ein hochgewachsener, hagerer Mann und seine Stimme eindrucksvoll tief - ein dunkler Singsang, den er angestimmt hatte, in den sich immer wieder die klare Stimme einer Frau mischte – Inara.

Zwischen den Leichen trat der Dunkle umher, während Inara außen herum einen Kreis um die Leblosen zog. Eine Huldigung in alter Sprache war es, welche die Beiden anstimmten, um die Geister zu Güte, Stärke und Milde zu rufen, auf dass nicht eine Seele verloren gehen mochte.

Während der Dunkle schwarze Tücher trug und eine Kapuze, hatte Inara sich helle Tücher umgelegt, ihr Gesicht fiel dunkel auf, während alles andere verhüllt blieb. Zwei Trommeln gaben leise einen Takt zu dem Singen der Beiden vor, an welchen sich die Schritte anpassten. Die Helle und der Dunkle rührten während ihres Tanzes des inneren und äußeren Kreises in einer Schale mit einem Stößel.

Als die Trommeln verstummten, traten die Beiden an die außenliegenden Leichen, die Stößel wurden verstaut und der Daumen in die weißliche Masse getaucht. Die Kuppe wurde benetzt und zeitgleich über die Stirn gezogen, um einen inneren und einen äußeren Kreis an die kalte fahle Haut zu malen. Etwas, das unter lauterem Trommeln wiederholt wurde bei einem jeden der Gefallenen.

„Möge Tu'whacca eurer Seele gnädig sein“,sprachen beide gleichzeitig. Einstudiert sah es aus und gewissenhaft.

~*~

Das Knistern der Flammen war lange Zeit das einzige Geräusch, das an ihr eignes Ohr drang, als Margra die Finger fester um die Fackel schloss – dunkles Holz, um dessen Ende durchtränkte Stoffbahnen gewickelt worden waren, die nicht nur den beschnitzten Holzscheit öfter verwendbar machten, sondern auch dem Rauch einen herben Geruch verliehen. Feuer, das in der Kälte der Dunkelheit Hitze auf ihre Züge malte, Hitze und tiefe Schatten. Die bronzenen Augen glühten regelrecht aus dem finsteren Gesicht heraus.
Inmitten der Reisegefährten Inaras stand sie, an der Seite von deren Mutter Marya, die ihr die Ehre angetragen hatte, die Toten mit ihr gemeinsam den Flammen zu übergeben. Längst waren die Tücher, die die Verstorbenen zudeckten, mit den Ölen geheimster Rezepturen getränkt worden, auf dass die Flammen nicht erlischen würden, bis ihr Werk getan wäre. Und während dies geschah, würde ein Großteil der Karawane darüber wachen – so verlangte es Brauch und Tradition. Die große Schlange sollte keine Gelegenheit finden, sich unbemerkt zu nähern. Mochten andre den Schatten der alten Geschichten und Weisheiten vergessen haben, so wurde das Wissen darum im Herzen der Alik'r ausgesprochen lebendig gehalten.

Schließlich fand der Blick der Kriegerin den Priester Tu'whaccas und dessen Schülerin, die ihre Aufgabe in vollkommener Harmonie erfüllten – etwas, das der jungen Rothwardonin durchaus Respekt abverlangte. Beinah fasziniert verfolgte sie die Ehrung der Toten, lauschte mit einer Gänsehaut dem Singen und straffte ihre Schultern noch einmal, um keinerlei Schwäche zu zeigen. Selbst ihre Rüstung hatte sie wieder angelegt und die Tücher ihres Gewandes ordentlich gebunden, auf dass niemand einen Tadel an ihr finden mochte.

„Kommt, Kriegerin, es ist an der Zeit“, raunte die Stimme der Karawanenführerin ihr zu.
Ein Nicken war Margras einzige Antwort, als sie die Zähne zusammenbiss, um den Schmerz zu ignorieren, der bei jedem Schritt durch ihren Unterschenkel schoss und sich in die Muskulatur fraß, als hätte sich die Klaue eines der verhassten großen Skorpione um ihr Bein geschlossen und sich bis auf den Knochen gedrängt.
Jetzt allerdings galt es stark zu sein.

Während Marya sich nach rechts wandte und eine brennende Spur hinter sich zog, schritt die Kriegerin links herum, auf dass sie sich im Zentrum trafen und die sechs Leichen der eignen Leute schließlich mit vereinten Fackeln den Flammen anvertrauten.

~*~

Die Flammen gewannen dank des Öls rasch an Stärke und labten sich an dem Fleisch der Verstorbenen. Dennoch blieb der Geruch nahe an einer Kräutermixtur, das Verbrannte kam nur geringfügig durch. Ein jeder Leichnam begann für sich zu brennen und dennoch wirkten sie vereint. Der Schein der Flammen spiegelte sich in den nachdenklichen, teilweise traurigen Gesichtern der Angehörigen der Karawane. Zorn fand keinen Raum, denn die Alik'r hate entschieden und ihre Kinder hatten akzeptiert.

Der Schlag der Trommeln wurde eindringlicher und lauter, der Rhythmus änderte sich und glich fortan einem Herzschlag.

'Dumdum, Dumdum, Dumdum.'

Jener Klang war es auch, welcher den Priester und seine Schülerin wieder in Bewegung brachten. Anui behielt den Stab in seiner Hand, während er die Kapuze zurückzog und das narbige Gesicht frei zum Vorschein kam. Eine Fratze der Wüste, welche im Schein des Feuers wechselnd schien und Ehrfurcht weckte.

Inara hingegen warf ihren Überwurf gänzlich fort.

Zwei helle Stoffstreifen liefen vorne und hinten auf Knielänge herab, gehalten durch einen Gürtel aus hellen Knochenteilen. Ein schmaler Stoffstreifen verlief an ihrem Oberkörper, an ihrem Hals entlang und reichte bis zu ihrem Bauchnabel mitsamt einer weiteren Kette aus verschieden großen Knochenfragmenten.

Beide Priester bewegten sich zu den dumpfen Klängen, sie tanzten um das Feuer herum, während sie auf Höhe des Bauches und über Kopf zu dem Takt klatschten. Es war der Lärm, der die große Schlange fernhalten sollte.

Marya steckte die Fackel zurück in den Sand und löste einen ledernen Trinkschlauch von ihrem Gürtel, aus welchem sie trank. Einen großen und gierigen Schluck, als hätten Wüste und Feuer sie ausgetrocknet.
Jenen Schlauch reichte sie an Margra weiter, die wenn sie daran schnupperte, bemerken dürfte, dass es Hochprozentiges zu trinken sein musste. Maryas Blick ruhte indessen ein wenig länger auf Anui. Es konnte ein Trugschluss sein, aber in ihren dunklen Augen loderten die Flammen etwas kraftvoller, als in denen der anderen Wächter.

Während Inara sich bewegte, sie ihren Kopf und damit auch ihr Haar schüttelte, floh ihr Blick immer wieder zu eben jener Kriegerin, die zu einem Teil ihres Lebens geworden war. Auch in ihren Augen war der Schein der Flammen ein einladender Kontrast.
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Montag, 24. Februar 2014, 22:44

Kaum, dass ihre Aufgabe vollbracht war, ersuchte sie ihr verwundetes Bein etwas zu entlasten und atmete tief ein, als vor ihr das Feuer hell aufloderte und seine gierigen Pranken für den Moment bis zum Himmel strecken wollte. Der Geruch herber Süße verstärkte sich und Margra sog ihn instinktiv bis tief in ihre Lungen. Manch eine Zunge raunte, dass der Rauch ehrenvoll bestatteter Toter das Geschenk von Stärke und Wohlwollen verlieh und die Wanderin hatte nicht vor, einen etwaigen Segen auszuschlagen. Schon gar nicht als Gast unter Fremden.

Auch den Rhythmus der Trommeln nahm sie in sich auf und er ging ihr ohne Umschweife direkt ins Blut, auf dass ihr Händepaar zum Klatschen mit einstimmte und die schmückenden Reife aus verzierten Knochen, Stein und Bronze gegen einander schlugen. Ihre Lippen formten hierbei die Gebete, die sie aus der eignen Heimat kannte. Wieder und wieder sprach sie die alten Worte in ihrem ganz eignen Klang. Jener fügte sich in das Prasseln der Flammen, den Ruf der Trommeln und Tanz und Gesang der Priester, als wäre er nie für etwas andres bestimmt gewesen.

Inaras Blick fand sie schließlich und sie schenkte der über so kurze Zeit so entsetzlich vertraut gewordenen Frau ein warmes Lächeln. Die bronzefarbenen Augen leuchteten in einer Herzlichkeit, die in keinster Weise mehr an die Entschlossenheit und Grausamkeit der Kämpferin erinnern mochte, die die Priesterschülerin wohl zuvor kennen gelernt hatte.

Eine ganze Zeit sahen die beiden Frauen einander an, bis Margra jener Schlauch gereicht wurde, dessen Geruch allein sie kurz die Augen verengen ließ. Was auch immer genau ihr hier angeboten wurde, es hatte gewiss nichts gemein mit dem verdünnten Wein, der an manch einer Oase reisenden am Abend angeboten wurde. Trotz allem war sie sich nicht zu fein oder gar zu feige einen guten Schluck zu nehmen.
Wie flüssige Glut rann es die Kehle Margras nieder, die ihren Kopf in den Nacken legte und die Augen schloss, um das Brennen vollkommen wahrzunehmen. Noch lange blieb das Prickeln auf der Zunge zurück, auch, als sie den Trunk längst an die Angehörigen der Karawane weiter gereicht hatte.

„Ich werde mit euch Wache halten bis der Morgen graut“, schwor sie der älteren Frau an ihrer Seite und bettete die geballte Faust an ihr Herz.

~*~

Die Kälte der Wüste erreichte die Wachenden nicht, dazu loderten die Flammen zu stark und verzehrten, was die große Schlange nicht bekommen sollte. Die Geister und Seelen fanden ihren Weg, davon war ein jeder hier überzeugt. Allen voran der Dunkle, der unermüdlich schien und seine Bewegungen kraftvoll beibehielt. Entgegen zu Anui wirkte Inara leichtfüßiger und flüssig in ihren Bewegungen. Unterschiedlicher hätten sie gewiss nicht sein können, dennoch wirkten sie einträchtig zusammen.

Der Schlauch mit der scharfen Flüssigkeit machte die Runde, wobei einige Frauen allerdings ausschlugen und sich an verwässerten Wein hielten. So kehrte er irgendwann zurück zu seiner Besitzerin, welche den Stopfen zwischen ihren Fingern drehte. Ihr Blick ruhte lange und nachdenklich auf der jungen Kriegerin, ehe sie langsam und bedacht, vielleicht sogar sich selbst bekräftigend, zunickte.

„Es wäre mir eine Ehre, Kriegerin“, sagte Marya und ihre dunkle Stimme trarf den richtigen Ton, um die Worte passend zu unterstreichen. Ein Kopfnicken in Inaras Richtung folgte, wobei ihr Blick auf Margra ruhen blieb. Schon oft hatte sie sie betrachtet, auch jetzt war ihr Blick das eine oder andere Mal am Wandern, um jede Facette der ungewöhnlich starken Frau wahrzunehmen.
„Wenn die Sonne die Wüste zum Brennen bringt, ist das Zelt meiner Tochter ein Ort der Ruhe für dich. Es wird dir überraschend kühl darin vorkommen, ich hoffe du findest die Ruhe die du benötigst.“

Das Paar welches die Oase bewohnte, trat indes herüber und trug Datteln und andere Kleinigkeiten auf einem Tablett vor sich her und in die Runde an der Begräbnisstätte. Das Wüstenvolk war dafür bekannt, Gastfreundschaft walten zu lassen und das ließ es auch an diesem Abend nicht vermissen. Alles wirkte friedlich, diese Geste keinesfalls aufgesetzt, vielmehr vollkommen natürlich.

Der Überlebenskampf schmiedete zusammen und das hier war ein Gutes Beispiel dafür.

Die Trommeln wurden weiter geschlagen, allerdings brach Inara nach einer ganzen Weile ihren Tanz ab. Ihre Haut glänzte, da der Schweiß in der Nähe zu den Flammen nicht ausgeblieben war, die ihren Körper erhitzt hatten. Ihre Atmung ging schneller, dennoch sah sie ungemein zufrieden aus, was das Lächeln auf ihren Lippen deutlich machte. Unterwegs griff sie ihren Umhang auf und legte ihn über.
Dass sie auf Margra und ihre Mutter zuhielt, war offensichtlich.
Eben jene hielt ihr den Schlauch entgegen und kaum, dass Inara ihn gegriffen hatte, wechselte die Ältere in den Ring, um mit dem Unermüdlichen zu tanzen.


~*~

„Die Ehre ist auf meiner Seite, Mutter der Karawane“, entgegnete Margra und erwiderte den Blick der Älteren ohne auch nur mit der Wimper zu zucken oder aber respektlos zu wirken. Ohne jeden Zweifel meinte die Kriegerin, was sie sagte.
„Und ich werde nicht weichen, bis die Toten zu Asche vergangen sind, auf dass wir sie der Alik'r ganz anvertrauen können und das Brennen der Sonne sich ihrer ganz annimmt. Meine Ruhe werde ich hernach sicher finden und ihr solltet euch nicht mehr darum sorgen.“

Die Arme vor der Brust verschränkend, ließ Margra hernach ihren Blick schweifen, um wenigstens ein Stück weit die Mitglieder der Karawane in diesen Stunden kennen zu lernen. Da waren jene verhärmten Gesichter, die wohl von vielen Jahren des Lebens in der Alik'r gezeichnet waren, und die kaum eine Regung offenbarten. Da waren Frauen und Männer, die offen weinten und ihrer Trauer so Ausdruck verlieren. Und da waren auch ein paar wenige Kinder, die mit großen Augen zu den Flammen starrten. Gewiss waren es keine Kleinkinder mehr, jedoch waren sie auch noch nicht alt genug, um diese Zeremonien nach Art der Erwachsenen wahrzunehmen. Auf einem jeden Rothwardonen verweilte ihr Blick ein paar Momente, musternd und wohl auch bewahrend. Narben, Gesichtszüge und Haltung, bei einem jeden anders und doch in den Grundzügen verwandt.

Über dies bemerkte sie nicht, dass auch sie selbst betrachtet wurde, und erst, als Inara plötzlich neben ihr stand, da ruckte ihr Kopf herum und sie offenbarte ein weiteres Lächeln.
„Freundin“, raunte sie nur jenes eine Wort, das allein durch die Betonung an Bedeutung gewann, ehe sie sich räusperte, „Wirst du mir die Ehre erweisen, noch einmal mit mir zu trinken? Dein Tanz und dein Singen ehrten die Gefallenen; so mögen es unsre Gedanken und unsre Wacht jetzt ebenfalls tun.“

Die schwielige Kriegerinnenhand bettete sich auf Inaras Schulter und sie drückte diese.
„Aber gib acht, dass du dich warm hältst. Die Nacht ist kalt und das Feuer wird nicht ewig brennen.“
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Dienstag, 25. Februar 2014, 21:09

„Ehre den Toten und Ehre dir, Freundin“, sagte Inara mit leiser und wohlklingender Stimme, ihre Augen leuchteten noch immer und trugen das Schlagen der Flammen. Das Öl war speziell und für die Toten der Wüste gemacht, die Farben zeigten sich einzigartig kraftvoll und die Hitze verfehlte ihre Wirkung nicht.
Den Kopf neigte sie ein wenig unter der Hand auf ihrer Schulter, das Lächeln vertiefte sich und zeigte wie wohl sie sich zu fühlen schien. Also folgte ein großer Schluck aus dem Schlauch ihrer Mutter, welcher noch ausreichend gefüllt für die Beiden schien. Ihre Augen schloss sie fest, als sich die Flüssigkeit herunter in ihren Magen brannte und sie kurz die zweite Hand über jenen führen ließ.

„Scharf“, murmelte sie im Anschluss grinsend, ehe sie den Schlauch an ihre Freundin weiterreichte und ein Nicken dazu folgen ließ.

Unterdessen fand noch ein weiteres Paar in den Tanz zu den Trommeln, so dass ein grotesk ausgelassenes Bild entstand. Aber die Totenwache der Alik'r war auch immer eine Feier derjenigen, die überlebt hatten.

Mit ihren schlanken Fingern sorgte Inara dafür, dass der Umhang ihren Leib bedeckte und auch vorn nicht großartig auseinander fiel, natürlich nur, wenn sie nichts in der Hand halten musste. Die Kapuze führte sie sogar teilweise über ihren Kopf und später, sollte ihr kühler werden, sogar ganz. Im Moment aber wärmten die Flammen von vorne angenehm.

„Mutter hat dir sicher einen Platz bei mir im Zelt angeboten, ich hoffe du hast angenommen?“
Den Kopf neigte sie ein wenig zur Seite, um ihrer Frage etwas mehr Raum zu geben, während ihr Blick einzig und alleine auf Margras kriegerischen Zügen lag. Faszinierend, ein jedes Mal wenn sie sie betrachtete und ganz sicher auch noch eine Weile lang. Stets wirkte es als würde ein neues Detail dazu kommen.

Wie die entstehende Narbe an dem Bein der Kriegerin.

~*~

„Es hätte keinen Grund gegeben, diese Einladung auszuschlagen oder? Ein Teil meiner Waffen und Kleidung liegt ohnehin schon in deinem Zelt ...“, brummte Margra gutmütig.

Eine Weile ließ sie ihre Hand auf der Schulter ihres Gegenübers ruhen, wobei sie durchaus von sich selbst überrascht war. Die Kriegerin runzelte ihre Stirn. Für gewöhnlich bedurfte es vieler Wochen, ehe sie einer Seele begann zu vertrauen, nun aber stand sie vor Inara und fand nur ein Gefühl von Vertrautheit der andren Frau gegenüber. Als hätten sie einander längst gekannt, ehe sie sich erst im Herzen der Alik'r begegnet waren. Eigentümlich, gewiss, aber auch nicht unangenehm genug, um davor zurück zu weichen oder Inara gar den Rücken zuzukehren.
Vielleicht war es auch einfach nur der Weg, den sie gemeinsam hatten finden sollen. Wer hätte das schon sagen können? Margra respektierte schlicht.

Das Stirnrunzeln wich alsbald einem heiteren Schmunzeln.
„Das findest du scharf? Du solltest den Fleischeintopf meiner Mutter kosten, Inara, denn dann wirst du wissen, was Schärfe wirklich bedeutet!“, knurrte sie gutmütig und umgriff mit ihrer Hand entschlossen den ledernen Schlauch, um ihn an die eignen Lippen zu setzen. Dieses Mal ließ sie das brennende Nass gieriger ihre Kehle herab rinnen. Immerhin musste sie auch die Worte, die sie gewählt hatte entsprechend unterstreichen. Dann reichte sie den Schlauch auch schon an Inara zurück.

Wärme breitete sich in ihren Eingeweiden aus, löste die Beklommenheit ob des Todes, der sie trotz allem umgab. Die Trommeln und der Tanz riefen sie und ihr Herz wäre zu gerne gefolgt, ..der Leib hätte sich zu gern gefügt und gewunden im Flammenschein und auf den noch nachglühenden Sanden der ewigen Wüste.
Sie hatten gekämpft, geblutet und gesiegt. Sie hatten den Toten die letzte Ehre erwiesen, die ihre Kraft an die Alik'r zurück gegeben hatten. Nun endlich galt es das Leben auch zu feiern. Für Margra war daran nichts befremdliches, eher im Gegenteil: Was hätten die Gefallenen schon davon, wenn sie sich in die Dunkelheit und Stille verkröchen und dort heulten? Gar nichts. Ein jeder von ihnen war gestorben, damit sie leben konnten. Die Ausgelassenheit und Freude, die sie mit jedem Herzschlag mehr durchströmten, waren die Dankbarkeit, die sie den ruhmreichen Toten entgegenbrachte.

So warf sie mit einem Lachen den Kopf in den Nacken und stieß einen kehligen Schrei der Lebensfreude in die Trommelschläge. Ihre beiden Hände bettete sie auf ihr Herz und breitete sie dann unter dem klaren Sternenhimmel aus, um einen weiteren Ruf den Gestirnen entgegen zu werfen.

~*~

„Das ist wahr, ich hätte auch nichts anderes toleriert, Margra!“, sagte Inara ernst, so als würde sie die Kriegerin im Zweifel schon in ihr Zelt schleifen können, um ihr Obhut zu gewähren. Das Gefühl es ihr zu schulden war gering, aber dankbar war sie und sie wollte sich am Morgen natürlich erneut das Bein ansehen. Flucht gab also keine. Mit einem Schmunzeln nahm sie die nächsten Worte auf, wobei sie leise lachte und nickte.
Inara wirkte ungewöhnlich heiter. Parallel griff sie den Schlauch wieder.

„Den werde ich gerne kosten, vielleicht ergibt es sich mal? Dann kann ich abschätzen ob das Gesöff hier tatsächlich scharf ist, oder dagegen wie Wasser wirkt!“

Zu ihren Worte nickte sie bekräftigend, der zweite große Schluck, den sie nahm, wirkte weitaus weniger mädchenhaft genommen. Das Brennen schien nun eher als angenehm empfunden zu werden. Den Schlauch wollte sie schon herüber zu Margra reichen, als jene diesen Laut von sich gab, der so viel Freude und Lebensbejahung in sich trug, dass es ansteckte. Ihre Augen wurden ein wenig größer, bewundernd fast schon.

Diese Wildheit, dieses Bewusste, das Margra ausdrückte, war etwas, das Inara ungemein mochte. Der Schlauch sank in ihrer Hand wieder, nur um dann wieder an ihre Lippen geführt zu werden. Einen weiteren Schluck trank sie, ehe sie die rechte Faust in den Nachthimmel reckte. Mit der Linken reichte sie den Schlauch dann grob in Margras Richtung.

„Trink Kriegerin, deine Kehle verdient es.“

Der Leib der Priesterschülerin bewegte sich immer wieder zum Takt der Trommeln. Musik war etwas, das sie schon immer angezogen hatte und sie konnte selten einfach nur stillstehen. Ihr Blick wanderte in die Ferne, wobei sie durchatmete. Der dunkle Schatten blieb ihr verborgen, aber er war da, das spürt sie. Und sie würden dem bald ein Ende machen.

Sehr bald.
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Mittwoch, 26. Februar 2014, 21:35

Wüstenblut - Kapitel III

Neun Tage waren ins Land gestrichen, in denen die Kriegerin des Herzens der Alik'r bei der Karawane geweilt hatte. Geschichten und Lieder hatten sie geteilt, die Speisen und auch Wasser, Wein und Brand, mal herb und mal süß. Insbesondere das süße Aroma der Kaktusfeigen, die manchem Alkohol den Geschmack verliehen, hatte es Margra angetan und so war es kaum verwunderlich, dass sie zum Abschied von den reisenden Händlern mehr als einen guten Schluck mit ihnen genossen hatte.

Ihr Kopf dankte es ihr an diesem Morgen nicht.
Mit einem leisen Brummen stemmte sich Margra in den Fellen hoch und fuhr sich über die Schädelseiten, die mittlerweile von einem weichen Flaum frisch gewachsenen Haares bedeckt waren. Schmerz pochte darunter entlang. Am liebsten hätte sie sich einfach wieder in die Decken verkrochen, aber die ersten Sonnenstrahlen verrieten den Morgen und sie und Inara hatten sich geschworen, nach Sonnenaufgang aufzubrechen. Mittlerweile verfluchte sie diese Idee, aber Schwur war Schwur.

So kämpfte sie sich schließlich aus dem Zelt, in welchem Inara noch friedlich schlummerte, und begrüßte das Feuerrad, das über der Alik'r Tag um Tag thronte mit einem herzhaften Gähnen. Die Arme reckte sie vom Körper fort und tauchte ihre Hände in eine Schale Wasser, welche die Wächter der Oase bereit gestellt hatten. Wohlig fuhr sie sich damit übers Gesicht und ließ einige Tropfen über die vernarbten Züge und die Kehle rinnen. Etwas schöneres gab es nicht .. Einfach nur aufrecht sitzend in den Sand sinken und in der erwachenden Hitze kühlendes Nass über den Leib fließen lassen.
Tatsächlich lächelte sie und wusch sich ihre schlaftrunkenen Augen aus.

Erst dann runzelte sie ihre Stirn, als sie der Stille gewahr wurde, die um sie herrschte. Keine lärmenden Menschen mehr, keine trampelnden und lautstarken Lasttiere und auch keine Kinder, die zwischen den Zelten Fangen oder Verstecken spielten. Genau genommen waren die Zelte auch nicht mehr hier, denn schon am Vortag hatte die Karawane den größten Teil ihrer Habe und ihres Lagers zusammen gepackt und verstaut, um lange vor dem ersten Sonnenglühen aufzubrechen. Margra wollte gar nicht wissen, wie schwer die Schädel manch eines Angehörigen der Karawane waren .. oder gar Maryas, die mit ihr Mal um Mal den Kelch gelehrt hatte. Aber wahrscheinlich war die Karawanenführerin weitaus erfahrener in diesen Dingen, als sie selbst. Und sie hatte Anui, den Dunklen, der sie irgendwann – ohne auch nur mit der Wimper zu zucken und stetig ernst – mit sich genommen hatte.
Was die Beiden wohl verband? Margra konnte es sich denken. Und ein Lächeln zuckte dabei um ihre Lippen.

Erneut tauchte sie die Finger in die Wasserschale und barg einen kleinen Schluck des Nasses in der Handfläche, um die Zeltplane zur Seite zu schlagen und Inara zielstrebig mit einem Schwall kühler Tropfen mitten ins Gesicht zu wecken.
„Steh auf, Freundin, die Sonne erklimmt bald den Himmel und vor uns liegt ein langer Weg“, brummte sie der Priesterschülerin zu und wandte sich auch schon wieder ab, um die nackten Füße über den Sand zu führen und mit einem tiefen Atemzug wieder in die Ferne zu starren.

Langsam erlosch das Lächeln auf ihren Zügen und vielmehr verschränkte sie nun die geschmückten Arme vor der Brust. Es war einer dieser Momente, in denen sie sich fragte, ob es Tapferkeit oder Wahnsinn war, der sie dazu getrieben hatte, die Bitte Inaras zu gewähren und auch noch anzunehmen. Ihre gemeinsame Reise würde sie nicht nur tiefer in die Alik'r führen, deren Gesicht sich zum Herzen hin noch stark verändern würde, nein .. vielmehr wartete ein Feind auf sie, der in einer schier endlosen Geduld Jahr um Jahr ausgeharrt hatte. Eine Prüfung, die bereits das Leben von Inaras Vater gekostet hatte.

Margra schnaubte aus, als sie das Bündel an Vorräten betrachtete, das Marya und Anui ihnen zurück gelassen hatten. Noch immer fragte sie sich, wie es Inara wohl gelungen war, ihre Mutter und ihren Lehrmeister davon zu überzeugen, sie einfach so ziehen zu lassen … Oder aber hatten sie längst erkannt, dass dies der Pfad ihrer Prüfung war? Das sollte sie wahrscheinlich auch hoffen, denn die Geister und die Wüste stellten keine Proben, die ihre Kinder nicht irgendwie meistern konnten. Ja, sie müssten nur stark genug sein, aufmerksam und entschlossen. So sehr die Kriegerin darauf vertraute, so genau wusste sie aber auch, dass die Wüste keine Fehler verzieh, weder die kleinsten, die sich einschlichen, noch die gröberen.
Ihr Stolz mochte weit reichen, aber nicht weit genug, keinerlei Angst zu empfinden. Und solange diese Angst nicht über alles andre ihren Schatten warf und sie lähmte, würde genau diese Angst die notwendige Vorsicht gebären.

Mit einem Ächzen ließ sie sich schließlich an einer noch schwach glühenden Feuerstelle nieder und bettete ihre zwei Klingen neben sich. Derweil sie auf Inara wartete, würde sie sich dessen annehmen. Die Waffen eines Rothwardonen durften niemals stumpf werden.

~*~

„Was, was? Was ist los?“ Inara rollte sich auf den Bauch, um das Gesicht vor weiterem Unheil zu schützen, denn das Wasser hatte sie unsanft aus dem Schlaf geholt und sie an ihren brummenden Schädel erinnert. Es dauerte eine gewisse Zeit, bis sie sich aus dem Lager erhob und auf die Beine kam, wobei sie ein wenig mürrisch drein blickte. Es dauerte noch länger, bis die geräuscharme Kulisse sich in ihr Bewusstsein fraß und sie zum Ausgang strebte, um nach draußen zu schauen. Sofort stellte sich ein Klumpen in ihrer Magengegend ein, der eine ungeheure Schwere besaß.

'Es ist also geschehen' – so dämmerte es Inara.

Ihre Füße lenkten die Schritte deutlich schwerer zum Brunnen. Sie ließ den Eimer herunter sausen und wieder heraufkommen, in dem sie an der Kurbel drehte. Es quietschte etwas, aber bald schon hatte sie kühles Wasser, das ihr Gesicht erfrischte, getrunken wurde und sie ein wenig lebendiger scheinen ließ.
Schon jetzt hatte das Feuerrad mehr Kraft als ihr lieb war und sie schüttelte den Kopf, zielstrebig kehrte sie zurück in das Zelt, ihre Fassungslosigkeit legte sich.

„Sie sind fort, ich habe verschlafen.“
Informationen die eigentlich unnötig waren zu erwähnen, aber das Innenleben der Schülerin beschrieben. So ruhte ihr Blick auch einen Moment länger auf Margra, ehe sie durchatmete und ihre Haltung straffte. Langsam legte sich das Gefühl, Mut kehrte ein und beflügelte ihren Geist. Zu ihrer Freundin trat sie, um neben ihr Platz zu nehmen und sie bei der Aufgabe zu betrachten. Die Art und Weise wie sie ihre Waffe pflegte, hatte etwas Meditatives.

„Sie haben uns ein Packtier dagelassen.“
Kurz verengte sie die Augen, wobei sich ihre Schultern hoben und Inara sich aufrichtete, um aus einer Tasche eine Karte der Wüste zu bringen. Es waren einige schwarze Kreuze als Markierung angegeben, Oasen eingezeichnet und kleinere Städte am Rand der Alik'r notiert.
„Die schwarzen Kreuze bedeuten Sichtungen des Skorpions, wobei der Eindruck entstanden ist, das er der Karawane gefolgt ist, oder wir stets sein Revier kreuzten.“

Langsam atmet sie durch, das Abenteuer das auf sie wartet lässt ihren Bauch kribbeln.

~*~

Stirnrunzelnd folgte Margra der Freundin mit ihren bronzenen Augen, die sich kaum merklich eine Nuance verengten. Leise knirschend glitt der Schleifstein an der Klinge herab, langsamer noch als zuvor. Kummer war es, den sie glaubte auf den Schultern der gewonnenen Freundin lasten zu sehen. Ein Kummer, den sie zwar verstehen konnte, der ihr trotzdem schlichtweg nicht schmeckte. Warum dem so war, hätte sie nicht einmal sagen können. Es war einfach so. Vielleicht hatte die Kriegerin sich während der verstrichenen Monate aber auch zu sehr an die Einsamkeit gewöhnt, die sie umhüllte wie ein Mantel. Für sie war es manchmal schon seltsam genug, einen andren Menschen neben sich atmen zu hören und davon aufzuwachen. Und genau so musste es Inara wohl gerade gehen. Es war fremd.

„Ihr habt einander gestern verabschiedet und wir waren den Abend alle beieinander – ich denke nicht, dass du dich für irgendetwas schämen musst ..“, brummte sie Inara nach. Ob diese es gehört hatte, ehe sie wieder im Zelt verschwunden war? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.
So senkte Margra ihren Kopf schlicht wieder und widmete sich auch weiterhin den Klingen, die beide eine gewisse Sichelform aufwiesen. Zweischneidig, scharf und von einigen Kerben gezeichnet, die auf vorherige Kämpfe hindeuteten. Wie immer empfand die Kriegerin einen gewissen Stolz, wenn sie die Schwerter betrachtete. Gute alte Waffen, die ihre Sippe ihr geschenkt hatte, als sie sich ihrer würdig erwiesen hatte, und sie würde niemals ruhen, jene Ehre zu wahren.

Erst, als sich Inara neben ihr niederließ, sah sie auf und nickte ihr zu, ehe auch schon die dargebrachte Karte ihre Aufmerksamkeit forderte. Von Neuem verengte Margra ihre Augen und schien für einige Atemzüge lang einfach nur die Markierungen zu verfolgen. Ob sie wohl ein Muster erkennen konnte?

„Was ist es, das du eher glaubst, Freundin?“, erhob sie dann ihre Stimme und ließ den Blick zu der Schülerin des Dunklen aufhuschen, „Wenn er der Karawane folgt, so müssten wir nur in einem Stück Entfernung ausharren und abwarten. So es allerdings Orte gibt, an denen er regelmäßig gesichtet wurde, könnten wir unser Glück eher dort versuchen und seine Spuren letztlich lesen lernen.
Was wir auch tun .. Alles wäre mir lieber, als schlichtweg nur zu warten.“
"Die Wahrheit ist kein Buch, in welchem man nur die Seiten lesen kann, die einem gefallen."
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Mittwoch, 26. Februar 2014, 22:35

Inara lenkte den Blick von der Karte in Margras Gesicht, die bronzefarbenen Augen nahm sie eine Weile in Augenschein, ehe sie langsam nickte, bevor die Schülerin des Dunklen zu sprechen begann und dabei entschieden klang:
„Ich denke nicht das er der Karawane weiter folgen wird, er wird sich nun uns zuwenden. Er weiß das wir ihn jagen, das er unser Schicksal sein soll.“

Während sie das sagte, lenkte sie den Blick wieder auf die geschwungene Klingen, die Karte rollte sie nebenbei zusammen. Dann erhob sie sich und verstaute sie wieder in der Tasche. Ein wenig langsamer bewegte sie sich, ihr kamen die Worte ungewohnt schwer vor und sie schaute versichernd zu Margra herüber. Das Gefühl des Aufbruchs blieb ihr erhalten, aber es schwang auch eine gravierende Veränderung mit, die sie sich noch nicht erklären konnte.

„Wir sollten einen Ort finden, der uns einen Vorteil bietet. Weißt du da etwas?“
Plötzlich dämmerte es ihr – sie selbst war der logische Köder in diesem Spiel des Überlebens, welche die Wüste ihnen auferlegt hatte.
„Oder denkst du das ich falsch liege?“

Ihre Augenbrauen zogen sich etwas zusammen, der Gedanke das der Skorpion ihre Mutter jagen könnte, war kurz präsenter, allerdings hatte er mehr als einmal die Möglichkeit besessen seiner Jagd einem Erfolg zu geben und er hatte es nicht getan. Und Anui? Inara schüttelte erneut den Kopf, die vielen wirren Gedanken irritierten sie und sie fuhr sich mit ihren warmen Fingern über ihr Gesicht.
Letztlich strich ihr Daumen fester über das eigene Kinn und sie wendete sich Margra gänzlich wieder zu.

„Entschuldige...ich bin gerade...“
Und sie fand kein Wort dafür, also blies sie die Wangen auf.


~*~

„Wenn er weiß, dass wir ihn jagen, wird er sich nicht allzu leicht in eine Falle locken lassen. Für gewöhnlich wäre meine Wahl eine enge und flache Höhle, in der wir warten, bis wir Speere gegen ihn einsetzen könnten. Die Skorpione sind trotz ihrer Größe verflucht flink und schnell ..“, entgegnete Margra und ihre Worte trugen wohl nicht sonderlich zur Beruhigung bei. Wie auch? Sie waren ehrlich und schätzten die Kreatur nicht zu gering ein. Der Skorpion war alt und er hatte bereits Rothwardonen getötet und auch Gift und Klauen verstanden sich gewiss darauf zu töten, ansonsten wäre er längst verendet in der Hitze der Alik'r.

„Allerdings glaube ich nicht, dass wir es mit einem Wesen zu tun haben, das sein Revier verteidigt oder in blinde Raserei verfällt. Eher im Gegenteil. Du nennst ihn eine Prüfung der Geister und der Alik'r – und ich vertraue dir. Also wird die Höhle uns nicht helfen. Wir sollten uns eine Schlucht suchen und möglichst Fels zu unseren Füßen, so dass er uns nicht in den Rücken fallen oder sich in den Sand eingraben kann, um uns von dort her anzugreifen.“
Tief atmete die Kriegerin ein und zog eine Wasserschale an sich heran, um einen Schluck aus dieser zu nehmen und ihren Blick erneut zu Inara zu heben. Ein Stirnrunzeln konnte sie schon wieder nicht verhindern. Die Ziernarben auf ihren Zügen zuckten.
„Wir werden nur noch abwechselnd schlafen und haben einen guten Weg vor uns. Und was auch geschieht, Freundin, du solltest deine Angst nicht so offen tragen, dass deine Haut unter ihr bebt und jedes Raubtier es riechen kann.
Sag mir, was es ist, das dich so belastet und wofür du dich entschuldigst.“

Bronzene Augen sahen sie wachsam und ernst an. Nicht einmal wichen sie von ihr ab.

~*~

„Ich bin entschlossen, wirklich, ich komme nur gewiss gerade nicht so herüber. Daher entschuldige ich mich, ich wäre nicht so würde ich dir nicht vertrauen, Freundin. Aber ich vertraue dir, ich habe Mut und ein Ziel vor Augen.“
Kurz atmete sie aus, wobei sie dann den Kopf schüttelte und zu den Ausführungen Margras nickte. Es machte wahrlich Sinn was sie sagte und sie lenkte den Blick kurz wieder zur Tasche. Als ihr Gedanke ein Ende fand, legte sie sich die schweren Stoffe um, die sie vor der Sonne schützen würden und gar kühlend wirkten. Ihr Gesicht blieb vorerst als Einziges frei.

„Mit der Wache hast du Recht, wir sollten uns keine Überraschung – welcher Art und Weise sie auch sein mag – erlauben. Kennst du einen Ort aus Stein der für unser Vorhaben geeignet wäre?“

Ihr Lager rollte sie zusammen, um es an einer ihrer Taschen zu befestigen, nebenbei beobachtete sie immer mal wieder die Kriegerin und ihre Bewegungen, vor allem das Bein welches vor einigen Tagen verwundet worden war. Die Ermahnung ließ sie lächeln, aber auch nicken und die Schultern wieder ein Stück heben.
„Ich werde deine Worte berücksichtigen, Margra.“

Es wirkte kurz so, als hätten eigentlich mehr Worte an sie gerichtet werden sollen, aber Inara fühlte sich verstanden und alles weitere wäre unnötiges Palavern. Margra selbst würde es schon merken, denn sobald sie aufbrächen, würde die Schülerin ernster und konzentrierter wirken, ungleich aufmerksamer.
Die Geister lenkten diese Reise und die Wüste schrieb ihre eigenen Gesetze.
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Montag, 3. März 2014, 22:06

Erneut einige Stunden später...

Margra und Inara hatten eine kleine Oase erreicht, an der es einen Brunnen gab, der oft und gerne von Karawanen und anderen Reisenden benutzt wurde. Ein wenig Grün fand sich hier, der Brunnen wirkte fachmännisch und Instand gehalten. Noch warist der Sternenhimmel klar und die kühle Luft ließ die Wärme des Tages verstreichen. Die umliegenden Felsen, welche die Oase ein wenig schützten, glühten allerdings noch immer aufgeheizt vom Tage.

Das Zelt, welches für Inara und ihre Kriegerfreundin ausreichend war, stand bereits und auch das Nachtlager war errichtet. Ein kleines Feuer brannte, in welchem Spieße mit Schlangenfleisch steckten. Inara saß nahe bei Margra, während sie immer mal die Stöcke drehte. Insgesamt war sie den Tag über nachdenklich gewesen, die Worte des Traumes, aber auch die Berührungen dessen beschäftigten sie. Wärmend lag ihr Umhang komplett um sie geschlungen, im Schneidersitz hatte sie auf dem Ziegenfell Platz genommen.

„Ich habe wieder geträumt...“, eröffnete sie ihr Gedankenspiel, wobei sie zögerte weiter zu sprechen,
„In meinem Traum hieß es, der Skorpion sei nicht nur Skorpion, das sich eine Dunkelheit seiner bemächtigt hätte und das wir Vorsicht walten lassen sollen. Auch was Wasser angeht.“

Es war eine kleine Zusammenfassung dessen, aber im Groben mit das Wichtigste. Ihre hellen Augen legten sich auf Margras Gesichtszüge, ihre Schultern hoben sich ein Stück.
„Auf meine Fragen habe ich keine Antworten bekommen, es blieb alles relativ kryptisch.“


~*~

Mit einem Tuch wischte Margra das Blut der Schlangen von ihren Klingen ab und wendete ihren Kopf in Richtung Inaras, derweil sie ihre Füße dem Feuer entgegen streckte und sich an die Freundin lehnte. Tief atmete sie ein und wieder aus, krümmte ihre Zehen und streckte sie dann wieder. Den ganzen Tag waren sie gewandert. Entsprechend taten ihr nun die Beine weh und es war mehr als nur erleichternd gewesen, die Oase irgendwann endlich am Horizont zu sehen. Mit dem aufgeschlagenen Zelt im Rücken, der Jagdbeute über den Flammen, die von getrocknetem Kot der Tiere der Oasenbewohner zehrten, und Fellen unter dem Hintern ließ es sich wahrhaft aushalten.
Nur für den Moment legte sie gar ihren Kopf in den Nacken, um zum Sternenhimmel aufzusehen und die schimmernden Lichter zu betrachten. Es war eine klare und kühle Nacht – wie es so viele in der Alik'r gab – und so konnte sie in aller Seelenruhe die Bilder betrachten, die sich ihr offenbarten am schwarzen Tuch der Nacht. Doch dann, nur für einen Moment, meinte sie die Konturen einer Schlange auszumachen, die in ihrer Intensität alle andren Sternbilder zu bedrohen schien. Dann verblasste dies wieder. Ein Omen, das ihr einen Schauder über den Rücken rinnen ließ.
Die Kriegerin schnaubte aus. Omen waren keine Klingen aus Eisen, die einen umbrachten. Also war es töricht, sich unter ihnen zusammen zu kauern. Wie zum stummen Protest straffte sie ihre Schultern.

Die Worte ihrer Weggefährtin ließen sie den Kopf wenden und sie verengte ihre Augen leicht, als sie diesen lauschte. Natürlich hatte sie bemerkt – und das schon am Morgen – dass die Priesterschülerin neben sich stand, gedankenverloren und ganz so erscheinend, als würde etwas ihre Gedanken fesseln und fortzerren.
„Du hast mir schon einmal davon erzählt, dass du Träume empfängst und dass sie dich manchmal gar auf deinen Wegen führen. Ist nun etwas anders, dass du dich scheinbar so … unwohl damit fühlst?“ Schulter an Schulter harrte sie an der Seite Inaras und runzelte nur die Stirn, als sie dies fragte.
„Und wie meinst du das .. also, dass du keine Antworten bekamst? Mit wem hast du gesprochen? Und was sagte er dir über unsere Beute?“

~*~

In der Tat hätte sie sich gerne das dunkle Haar ein wenig gerauft, das momentan eher achtlos in ihrem Nacken gebunden war. Stattdessen rieb sie sich über das junge Gesicht und gab sich den Moment um durchzuatmen. Und dann noch einmal. Als sie den Kopf etwas drehte und zu Margra blickte, erkannte sie den kurzen Ausbruch von Schaudern. Aber ihre Konzentration reichte im Moment nicht so weit, als dass sie ihre Gedanken darauf hätte lenken können. Einen Kuss brachte sie an Margras Wange, danach lächelte sie und blieb auch nahe ebenso angelehnt.

„Mir ist ein Krieger der Wüste erschienen, ein Namenloser. Er hat sich nach unserem Weg erkundigt und ob wir uns dessen sicher seien. Ich erinnere mich selten an die Geschöpfe, die mir sonst mit Rat und Tat zur Seite stehen, aber ihn vergesse ich nicht so schnell.“
Die Augen schloss sie halb, eine ungewohnte Wärme durchströmte sie und Inara kam nicht umhin etwas länger die kühle Nachtluft einzuatmen und sich so an jener etwas zu kühlen. Das kleine Feuer prickelte von vorne mit Wärme, die Flammen erhellten die Körper der beiden Reisenden.

„Er hatte eine ähnliche Augenfarbe wie du, ledrige von der Sonne und dem Sand geschundene Gesichtshaut. Seine Nase und sein Mund sind verhüllt gewesen. Er schien zu wissen wohin es uns zieht, er wusste was wir ungeheuerliches Jagen.“
Das sachte Heben der Schultern machte deutlich, das sie dem nicht ganz traute.

„Ich weiß, es kann auch einfach nur ein Traum gewesen sein“, fügte sie rasch an, als könnte sie den Einwand schon in ihren Ohren hören, ohne das er ausgesprochen wurde. Ein Einwand, den sie nur zu Gerne geltend gemacht hätte. Es war ihr selbst vollkommen schleierhaft wie sie so etwas träumen konnte. Restlos alles war anders als sonst. Ob die Geister mit ihrem Weg, ihrer Reise nicht einverstanden waren?

"Wir sollen unsere Beute nicht unterschätzen, den Sand und die Felsen im Blick behalten, wachsam sein. Wachsam."


~*~
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Montag, 3. März 2014, 22:11

Der Kuss auf ihre Wange ließ Margra blinzeln. Für einen Moment fühlte sie sich gar, als würde sie mit ihrer älteren Schwester hier sitzen und sie würden gemeinsam ihre Jagdbeute zubereiten. Ein wenig glasig richtete sich ihr Blick in die Flammen, deren Schatten das Gesicht der ihr so ähnlichen Frau formten. Herbe Züge, hohe Wangenknochen, ein kräftiges Kinn .. und doch von der Schönheit der schroffen Felsen der Alik'r, über die sich jeden Morgen das Sonnenlicht wie pures Gold brach. Mit einem Brummen fuhr sie sich über ihre Schläfe und dann über die geschorene Kopfseite, als ein schmerzliches Stechen ihr die Brust durchglühte. Sie vermisste ihre Schwester. Sie vermisste ihre Familie. Und wenn sie ehrlich war, dann gar die ganze Sippe, die ihr sonst allzu oft viel zu laut und beengt vorgekommen war. Noch aber war der Zeitpunkt der Rückkehr nicht gekommen.
Wieder blinzelte sie, dieses Mal entschlossener, um ihre Aufmerksamkeit von Neuem Inara zu schenken und dieser zu lauschen. Mit jedem Wort, das sie vernahm, verhärteten sich ihre Züge allerdings.

„Einer, der seinen Namen und seine Ehre verloren hat, ist kein Krieger mehr und schon gar nicht solltest du ihm einen Funken Vertrauen schenken. Wenn er schon heruntergekommen aussieht, dann ist er wohl ein Abbild dessen, was in der Alik'r besser verrecken sollte“, entgegnete sie der Freundin und schüttelte langsam ihren Kopf, als könnte sie nicht ganz fassen, was sie da hörte. Die bronzenen Augen verengten sich und vielleicht eine Spur zu schnell und zu scharf fügte sie dann hinzu:
„Niemand meiner Familie hat je Wort gebrochen oder durch Feigheit seine Ehre verloren. Also wirst du keine Augen gesehen haben, die meinen ähneln. Sag derlei kein zweites Mal.“

Es war das erste Mal, dass sie ihre Stimme gen der Priesterschülerin erhob und ihre Muskulatur spannte sich tatsächlich fast schon bedrohlich an unter den Stoffen und dem Leder, welche ihren Körper umschlangen. Für ein paar Momente durchglühten Margras Augen die der Frau, welche Schulter an Schulter mit ihr saß, dann wandte sie sich entschlossen ab und schüttelte noch einmal ihren Kopf, als wäre sie gerade beleidigt worden.

„Und es ist nichts wahrhaftig hilfreiches, dass wir wachsam sein sollten … und unsere Beute auch nicht unterschätzen. Das sagte ich dir erst vor einigen Stunden, Freundin. Du hast geträumt. Nichts weiter. Also hör auf zu grübeln, sondern gewähre deinem Geist und deinem Leib etwas Ruhe und iss mit mir“, brummte Margra dann irgendwann und es klang fast ein wenig entschuldigend für die vorige Aggressivität.

~*~

Inara schaute Margra erstaunt an ob deren Ausbruch, irgendwann runzelte sie die Stirn, weil sie nicht mehr mitkam und seufzte dann, als die Kriegerin endete. Ihr Blick ruhte gefestigt auf den Flammen; es dauerte bis in ihren schlaftrunkenen und schmerzenden Körper Bewegung kam. Zögerlich wirkte es, vor allem ihre Füße murrten mit ihr, als sie wieder auf ihnen stand.

„Ich gehe schlafen, mein Hunger ist vergangen.
Wecke mich für die zweite Wache.“

Die Nähe, die über all die Tage entstanden war, wirkte durch Margras Ausbruch wie fort gewaschen. Kurz schaute sie noch auf das Feuer, dann aber wendete sie sich ab, um in das Zelt zu gehen und sich dort auf das Lager zu legen. Warum auch immer, ihre Augen brannten und so schloss sie sie. Es musste der wenige Schlaf sein, die Überanstrengung – all das redete sie sich ein.

Ein wenig kleiner rollte sie sich auf ihrem Lager zusammen und unter die wärmenden Decken, kurz ging ihre Hand zu ihrer Stirn, dann über ihre Augen und schließlich an ihre Lippen. Kurz schnupperte sie daran, aber dort war nur der der vergangenen Tag.
Fester schloss sie die Augen sogar, die Zweifel nagten an ihr und sie grübelte zu viel, als dass sie sofort in den Schlaf finden könnte.


~*~

„Empfindliches Pflänzchen ..“, grollte Margra ihr nur kaum hörbar nach und schüttelte ihren Kopf, derweil sie dabei zusah wie Inara sich entfernte. Gut, ihre Worte waren nicht sonderlich sanft und gewiss auch nicht freundlich gewesen, aber deswegen gleich fortzurennen und nicht einmal das Essen zu sich zu nehmen, war töricht. Eine Eigenschaft, die sie nur von ein paar jungen Mädchen ihrer Sippe kannte und die diesen bereits in den ersten Jahren ausgetrieben wurde.
Mit einem weiteren Ausschnauben wendete sie sich wieder den prasselnden Flammen zu und zog mehrere Stücke des Schlangenfleisches vom Feuer, um sie in eine Schale zu betten und sich mit dieser zu erheben. Ihren Wasserschlauch klemmte sie sich ebenfalls unter den Arm.

„Ehe du dich wieder deinen Träumen mehr widmest, als der Wirklichkeit, solltest du essen. Entkräftet wirst du dich deiner Vergangenheit und dem Schatten dort draußen kaum stellen können“, sagte sie in Richtung des Zeltes und starrte dieses eine ganze Weile an, als hätte sie es am liebsten eigenhändig umgerissen. Den ganzen Tag schon war ihr die gedankenverlorene und abwesende Art Inaras auf den Geist gegangen – nun entlud sich dies mit aller Gewalt.
„Also steh auf und iss. Ich werde mich ein Stück weit auf die Felsen setzen und das Umland im Auge behalten, bis die Zeit deiner Wache beginnt.“

Und mit diesen Worten stapfte sie auch schon von dannen, sich einen Bissen des heißen Fleisches zwischen die Lippen schiebend und lustlos darauf herumkauend. Nicht, dass sie noch wirklich großen Appetit hätte, aber ihr Magenknurren verlangte nach Nahrung und sie gab diesem nach. Wenigstens eine von ihnen beiden musste bei Verstand und Kräften bleiben.

~*~
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Montag, 3. März 2014, 22:18

„Für dich gibt es nur Schwarz und Weiß, nicht wahr?“
Inara stieg aus ihrem Lager und trat Margra ein paar Schritte nach, die Augen verengte sie.

„Unabhängig von meinem Traum: So hart wie du kann ich einem Namenlosen nicht gegenüber treten. Solche, die in die Wüste gehen um sich zu läutern tun dies weil sie bereuen und ihr handeln überdacht haben, etwas Verändern wollen. Sand bewegt sich, Margra. Die die es nicht tun, die die so weiter leben, die kannst du meinethalben verurteilen und das gleich Dreifach!“
Die Arme verschränkte sie locker.
„Und ich habe gesagt, er hatte deine Augenfarbe, es ist mir aufgefallen, weil ich sie so schön finde, das bedeutet aber nicht, dass ich dir in dem Moment unterstellen wollte, das ihr eine Sippschaft seid. Seine Augen waren in dem Moment so wahnsinnig präsent, so wie deine so meistens.“

Dann brummelte sie irgendwas.

„Und empfindlich, meine Liebe, das bist du scheinbar! Gehst wegen Nichts in die Luft. Wie du bin ich müde und dadurch gereizt, der Traum hat mich verwirrt, ob er nun Bedeutung hat oder nicht.“


~*~

Wieder verengte sie die Augen, derweil sie auf ihrem Abendmahl herumkaute und die Füße unter ihren Hintern schob, um leidlich bequem auf den Felsen zu hocken, die für die nächsten Stunden ihr Platz bleiben würden. Nicht eines der Worte Inaras entging ihr .. und genau so wenig wich ihr Blick auch nur ein einziges Mal von der Weggefährtin ab. Weniger nah oder vertraut ihr gegenüber fühlte sie sich nicht, dennoch wusste Inara auch nicht, auf was sie sie da angesprochen hatte. Sie konnte es auch gar nicht wissen. Und so wenig das also ihre Schuld war, so wenig konnte Margra es einfahc so aushalten und durchgehen lassen.

„Du sprichst von Dingen, die du weder kennst noch verstehst. Also bringe nicht etwas oder jemandem Gnade entgegen, den du kein Stück weit kennst. Vielleicht verdient er es nicht einmal. Und wie könnte jene Gnade ehrlich sein, wenn sie doch einfach geschenkt wird? Du bist in Gedanken immer noch in deinen Träumen gefangen, aber unsere Wanderschaft und Jagd führt uns durch die Alik'r selbst. Also hänge nicht den Ratschlägen eines Namenlosen Traumbildes nach, welches dir die gleichen Worte schenkt, die auch ich schon sprach.“
Wieder klang ihre Stimme ungewöhnlich hart und ihre Augen glühten in einer solchen Kälte, dass sie den Wüstensand mit Eis hätte überziehen können in diesem Moment.

„Und jetzt lass es gut sein, Inara. Iss und schlafe, damit wir morgen unseren Weg fortsetzen können. Ich will nicht mit dir streiten.“
Das klang durchaus nach einem Eingeständnis. Nach einem ehrlichen obendrein. Dennoch änderte sich nichts an der Härte und Kälte, welche die Kriegerin umhüllte.

~*~

Inara runzelte die Stirn, plötzlich kroch Angst von ihren Füßen auf, als wäre der Boden vereist und griffe nach ihr. Sie konnte sich die Beklommenheit nicht erklären, auch nicht abschütteln, so gerne sie dies auch getan hätte. Also schluckte sie schwer, nickte als Zeichen, das sie verstanden hatte, war aber unfähig etwas zu erwidern. Es war nicht böse gemeint, auch nicht schnippisch, sie konnte gerade nicht anders, denn am Liebsten hätte sie nachgefragt.

Zurück in das Zelt trat sie, um ihren Magen, der weder Hunger noch Durst verspürte, zu füttern und ihrem Körper Kraft zu geben. In der Tat half das monotone Kauen dabei, die Gedanken zu vertreiben und sie dachte alsbald schon an Nichts anderes mehr, als den eigentlichen Sinn der Reise. Der eigentliche Antrieb, der mehr und mehr zu etwas verkümmerte, was deutlich wichtiger schien.
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Montag, 11. August 2014, 11:58

Wüstenblut - Kapitel IV

(Da ich nun endlich meine alte Festplatte retten konnte, will ich euch natürlich das vierte und letzte Kapitel der Geschichte Inaras und Margras - mitsamt Finale - nicht vorenthalten.
Ich werde es Stück für Stück bis zum Ende einstellen. Viel Freude beim Lesen. Uns hat es Spaß gemacht)


~*~

~*~


Der dritte Morgen brach an, nachdem sie sich von der Karawane getrennt hatten, und die ersten Sonnenstrahlen leckten bereits gierig über die Felsen, zwischen denen die beiden rothwardonischen Frauen ihr Nachtlager aufgeschlagen hatten. Festen Grund unter den Füßen und alten Stein im Rücken – das war das sicherste gewesen. Trotz allem hatte Margra die Anspannung nicht mehr verlassen, seitdem sie am Vortage einen wohlvertrauten Schatten am Horizont ausgemacht hatten. Das Wesen, das Inara zur Strecke bringen wollte .. oder, was sie zur Strecke bringen zu müssen glaubte, war ihnen tatsächlich gefolgt und ganz gleich, wie erfahren Margra als Jägerin und Kriegerin war, so schmeckte es ihr nicht, dass ihre Beute nun scheinbar den Moment des Angriffes wählen würde. Geschlafen hatte sie mit dem Schwertgriff in der Hand, gewacht auf den Felsen über dem Lager. Ruhe gefunden hatte sie kaum, denn immer wieder war ein kalter Schauder ihren Rücken nieder geflossen.

Trotz allem hatte sie auch für den Morgen einige der nachtaktiven Insekten gefangen und Wasser, Gewürze und einige mitgebrachte Kräuter zu einer Paste vermengt, in die sie die fingerlangen Geschöpfe würden eintauchen können. Verbunden mit ein paar Kleinigkeiten der Gaben von Inaras Mutter ließe sich daraus schon ein schmackhaftes Frühstück bereiten lassen, bei dem sie ihre Vorräte schonen konnten.
Selbst, wenn sie den Skorpion nun gesehen hatten – das bedeutete nicht, dass er sich ihnen auch allzu bald weiter annähern würde. Ihn den Platz des Kampfes wählen zu lassen, war keine Wahl, die Margra gerne träfe, also musste sie hoffen, dass er irgendwann das Lager weiter auskundschaften würde. Ein wenig besorgt huschte ihr Blick zu dem Packtier. Sie sollten dieses nicht mehr allzu sehr festzurren. Im Falle des Falles sollte es wenigstens eine Chance zum Entkommen haben.

Mit einem tiefen Atemzug richtete sich Margra letztlich auf und kletterte die Felsen zum Zelt herab, um eine der Planen aufzuschlagen, so dass helles Sonnenlicht Inaras Züge berühren konnte.
„Guten Morgen. Es ist an der Zeit aufzustehen“, brummte sie der andren Frau zu, die sie ohnehin schon hatte eine gute Stunde länger schlafen lassen, als verabredet. Eine Geste von Freundlichkeit, denn nach wie vor lasteten die Reste eines schlechten Gewissens auf Margra.
Die junge Nomadin der Alik'r wusste sehr genau, dass sie ungerecht geworden und wahrscheinlich auch zu hart mit ihrer Freundin ins Gericht gegangen war. Geschehen war aber nun einmal geschehen. So musste sie hoffen, dass diese Gesten das Ganze ungeschehen machen würden.

~*~

Nachtragend war Inara nie gewesen und auch im Falle Margras hatte sich ihr Unmut, die Wut über die ungerechtfertigte Behandlung, rasch gelegt. Die Wüste bot keinen Raum, um nachtragend zu sein, man wusste nie, wann die letzte Stunde, die letzte Minute, geschlagen hatte. Die dauernde Präsenz ihrer Nemesis verdeutlichte diese Einstellung nur.

Als Margra die Plane des Zeltes zurückschlug, war Inara schon auf den Knien und in ein Gebet versunken. Ihre Hände ruhten um ein paar Gebeine geschlossen nahe ihren Lippen, sie flüsterte in die Handflächen hinein. Die alte Sprache war selten geworden und wenn sie gesprochen wurde, lag Ehrfurcht darin. So auch hier.

Die Gebeine wurden freigegeben, als sie ihre Handflächen von sich weg öffnete und fort schob, so fielen sie in den Sand zu ihren Knien. Einen Moment lang ruhte Inaras Blick auf der Anordnung der Knochenfragmente, ehe sie sie einstrich und wieder in den Beutel gab. Bekleidet war sie bereits und als sie sich erhoben hatte, befestigte sie den Beutel an ihrem Gürtel.
Inara trat nebenbei zu ihrer Freundin herüber und lächelte ein wenig.

„Du solltest mich zeitiger Wecken.
Die Zeichen stehen auf Sturm.“

Wärmer als gewollt wurde ihr Blick dann aber und Inara zog die Luft tief in ihre Lungen. Der vertraute Duft des Essens sorgte dafür, dass ihr Mund bedeutend feuchter wurde und der Speichel ihren Magen vorbereitete. Ein Knurren folgte, das unleugbar für alle zu hören war. Ein wenig müde erschien die Priesterin, Margra hatte aber zu keiner Zeit Grund zur Annahme, dass die Reise zu große Strapazen für sie darstellte.

„Essen wir rasch und besprechen uns?
Es riecht gut.“

Erwähnen hätte sie es nicht brauchen, das Knurren hatte sie ohnehin schon verraten. Inara warf einen längeren Blick in Margras bronzefarbene Augen, dort aber fand sie keine Antworten und das wusste sie inzwischen auch.


~*~

„Langsam verstehe ich die Worte meines Vaters, dass er es von Zeit zu Zeit bedauert, die Pfade einer Schwarzseherin zu teilen …“, brummte Margra und das Schmunzeln auf ihren Lippen verriet, dass sie das Deuten der Knochen durchaus nicht mit bösartigem Spott belegen wollte, „Entweder irrt ihr euch in dem, was ihr ahnt, oder aber ihr sagt einem hernach, dass ihr es ja angekündigt habet und man euch nur hätte Glauben schenken müssen. Was jedoch den Sturm angeht, so war der Sand heute Nacht schon unruhig und ich würde vorschlagen, dass wir unser Lager vorerst nicht abbrechen und weiterziehen. Wir sollten das Zelt befestigen und hoffen, dass die Planen uns vor dem Gröbsten schützen. Zuvor allerdings ...“

Margra hielt inne und dieses Mal stahl sich ein Grinsen auf ihre Züge bei dem deutlichen Magenknurren, das sie vernahm. Freundschaftlich klopfte sie Inara auf den Bauch und schüttelte dann ihren Kopf.
„Ich schätze, dem kann ich schlecht widersprechen nicht wahr? Essen wir erst einmal. Ich habe einige der Käfer erwischt, die bei Nacht über die Dünen huschen, und hoffe, dass du derlei gewöhnt bist? Einmal durfte ich einer Frau aus den Städten Gastfreundschaft entgegen bringen und sie lehnte jegliche der Speisen ab, die ihr vorgesetzt wurden.“

Der Blick der Kriegerin drückte blankes Unverständnis aus. Immerhin war sie es gewohnt, zu essen, was die Alik'r ihr eben einbrachte. Wählerisch zu sein war ein Luxus, der denen innewohnte, die schwächer waren.
So wendete sie sich ab und wies in Richtung der Feuerstelle. In der Glut stand der Topf mit jener nach Schärfe duftenden Paste, welche sie angerührt hatte. Und aus einer weiteren Schale ragten reglose Käferbeine.
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Montag, 11. August 2014, 12:04

„Pfh, als wäre ich das Essen der Städter gewöhnt“, murrte die Priesterin, fast schon beleidigt als Margra ihr unterstellte einen zu weichen Magen zu haben. Mit Zuversicht und Hunger begab sie sich mit ihrer Freundin zur Feuerstelle, wobei sie sich unterhakte und leise lachte. Den Kopf wiegte sie ein wenig hin und her, während die Augen einen eigentümlichen Glanz bekamen, als sie den Duft deutlicher wahrnahm.

„Das riecht fantastisch, besser als alles was wir die Tage vorher hatten.
Deine Jagd des Nachts war wirklich von Erfolg gekrönt.“
Sie hockte sich zu Margra,als jene Platz nahm und neigte den Kopf ein wenig, zwei Schalen heran ziehend.
„Ich bin damit aufgewachsen, meine Morgen beginnen immer so, außer ich vergesse es aus irgendwelchen unerklärlichen Gründen“, murmelte sie zwinkernd, was vielleicht den einen Morgen sehr gut erklärte und beschrieb.
„Aber ja, du hast Recht, wir sollten unser Lager befestigen, ich möchte keine unliebsamen Überraschungen erfahren, nur weil wir nicht achtsam genug gewesen sind.“


~*~

Margra blinzelte irritiert.
Nicht, dass sie es nicht gewohnt wäre, dass Inara ohnehin eine fröhlichere Natur zu besitzen schien, als sie selbst, aber der heutige Morgen übertraf selbst das, an was sie sich mittlerweile gewöhnt hatte. So hob sich ihre Braue für den Moment etwas kritisch, ehe sie sich am Feuer mit der Freundin niederließ und eine Schale zu sich heran zog.

„Nun, reglos auf den Felsen sitzen und irgendwann vorbei krabbelnde fette Käfer fangen, taugt nun nicht zur Heldentat oder auch nur zu einer erfolgreichen Jagd, aber immerhin beschert es einem ein Frühstück“, brummte sie und nach einem Schluck Wasser führte sie eines der Insekten an ihren Mund und knickte den gepanzerten Hinterleib auf, um ihn in die erwärmte Paste zu tauchen und dann schlichtweg mit dem Geschick der Gewohnheit die genießbaren Teile des Käfers zu verzehren. Die hinteren beiden Beine ließ sie dabei aus und warf sie ins Feuer.
„Sie sind gar nicht so übel wie in den Teilen der Alik'r, aus denen ich stamme“, bemerkte sie trocken und wendete ihren Blick hernach wieder ganz Inara zu, um diese erneut zu mustern, als würde sie etwas an ihr suchen oder erkennen wollen.

„Gibt es etwas, das ich nicht mitbekommen habe, Freundin? Dafür, dass alle Zeichen auf einen Kampf und vielleicht einen Sturm hin deuten, bist du eindeutig zu glücklich.“

~*~

„Jemand der mir essen macht, ist definitiv eine Heldin für mich!
Und seien wir mal ehrlich, selbst wenn es nicht schmecken würde:
Es ist warm. Und warm ist gut.
Toll, sogar grandios!“

Inara grinste noch etwas breiter und tat es Margra gleich: Erst nachdem sie die Hinterbeinchen ins Feuer geschnipst hatte, steckte sie den essbaren Part des Tieres in ihren Mund – selbstverständlich zuvor eingetunkt. Zufrieden brummte sie, ehe sie erneut lächelte und den Kopf ein wenig schüttelte, die Schultern hoben sich ein Stück.

„Ich habe einfach nur ziemlich gut geschlafen, ist das ein Verbrechen?
Ausgeruht fühle ich mich!“
Dann wackelten ihre Augenbrauen ein Stück, ihre Schultern hoben sich noch einmal.
„Und: Sei froh das ich guter Laune bin, mit mir in einem Zelt zu stecken in schlechter Laune ist wirklich nicht erstrebenswert. Wer weiß, was wir uns antun würden!“

Ein bisschen lehnte sie sich in Margras Richtung und hauchte einen käfrigen Kuss an deren Wange, wobei sie danach wieder schmunzelte und den Blick in das Feuer lenkte. Kurz nur, ganz kurz wirkte sie abgelenkt und mit den Erinnerungen beschäftigt.


~*~
"Die Wahrheit ist kein Buch, in welchem man nur die Seiten lesen kann, die einem gefallen."
~Iryanara Windpfeil~

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