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Nysha

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Montag, 27. Januar 2014, 19:39

Tagebuch einer Telvanni

Tagebuch von Nysha Andhakara aus dem Hause Telvanni

Erster Abschnitt

2Ä 573 - 17. Jahresmitte
Vor wenigen Tagen kam ein älterer Dunmer in das Geschäft meines Vaters. Seine Kleidung war abgetragen, seine Haare und Bart ungepflegt und beinahe hätte mein Vater ihn direkt wieder hinausgeworfen. Jedoch hielt ich ihn davon ab, da der Alte etwas bei sich trug, was meine Aufmerksamkeit erregt hatte. Es war ein altes, abgegriffenes Buch, welches er als Tausch für einen Trank anbot. Seinen Worten nach, besaß er wohl kaum mehr. Obgleich mein Vater böse Widerworte sprach und mir letztendlich die Kosten für den Trank anrechnete, erhielt ich, was ich wollte.
Heute Abend wagte ich endlich von Neugier geplagt einen ersten Blick in die Errungenschaft. Doch meine Gefühle bleiben gespalten, denn obgleich einige wenige sehr interessante Skizzen und Zeichnungen darin zu finden sind, verstehe ich nicht ein Wort von dem Geschriebenen. Ein wenig enttäuscht legte ich daher das Buch vorerst wieder beiseite.

2Ä 573 - 28. Jahresmitte
Trotzdem ich den Inhalt dieses Buchs bisher nicht verstehe, treibt es mich doch immer wieder dazu hineinzuschauen, als erwarte mich dort eine wichtige Erkenntnis oder etwas, was meinen Lebensweg grundlegend verändern könnte. Manchmal kommt es mir wie eine heimliche Sucht vor, die mich antreibt und die gleichzeitig an mir nagt. Ich muss herausfinden, was diese Worte verbergen.

2Ä 573 - 23. Sonnenhöhe
Endlich weiß ich es. Es ist mir nun möglich die Sprache, in der jenes alte, fremde Buch geschrieben wurde, zu übersetzen. Auch wenn es eine Weile dauern wird, so spüre ich in mir bereits das dringende Verlangen und die Euphorie endlich die Geheimnisse zu ergründen, welche darin verborgen liegen.

2Ä 573 - 24. Sonnenhöhe
Enttäuschung, Desillusion und Frustration breiten sich mehr und mehr in meinem Innern aus. Langweilige Texte über die Gesetze einer alten Stadt, welche längst vom Zahn der Zeit zersetzt wird, wie dieses alte, unnützliche Buch. Was für eine Zeitverschwendung.

2Ä 573 - 26. Sonnenhöhe
Ich kann es nicht lassen. Trotz der herben Enttäuschung über den Inhalt des Buches, blicke ich noch immer in die Ecke, in die ich es verärgert warf. Vielleicht wage ich nochmals einen Blick hinein und versuche weitere Textstellen zu übersetzen. Doch was, wenn es eine Verschwendung meiner kostbaren Zeit bleibt? Und dennoch... ich traue mich nicht, mich meinem Drang, die Wahrheit in diesem Buch zu finden, zu entziehen. Es muss einfach etwas darin geben!

2Ä 573 - 02. Letzte Saat
Meine Hartnäckigkeit scheint sich endlich auszuzahlen. Vielleicht war der Erwerb dieses verschlissenen Buches doch keine reine Verschwendung. Es gibt Passagen, die den architektonischen Aufbau der Stadt beschreiben. Erst glaubte ich, es sei wieder nur eine weitere herbe Enttäuschung. Doch fand ich einige sehr wenige Zeilen, die von äußerordentlichen Schätzen in speziell dafür angefertigten Räumen sprechen. Leider steht nicht genau geschrieben, welcher Art diese Schätze sein mögen und Reichtum war mir selbst stets gleich. Dennoch verspüre ich wieder verstärkt den Drang, diesen Worten weitere Aufmerksamkeit zu schenken. Immerhin könnte bei einem Schatz auch die Rede von verborgenem Wissen sein. So gab ich mich stetig mehr dieser Illusion von geheimen Wissen und Macht hin, las die Zeilen immer und immer wieder und glaubte bald, darin eine versteckte Botschaft zu entdecken.
Einmal erschien es mir gar so, als wäre ich mir selbst nicht mehr gänzlich sicher, ob ich jene fremde, ferne Botschaft wirklich darin lesen konnte oder ob sie nur ein Gespinst meiner übertriebenen Suche nach einem vermeidlichen Hort des Wissens war. Unsicher, ob ich mich von diesem Begehren blind leiten lassen oder lieber den Regeln der Vernunft folgen soll, starre ich wohl schon einige Stunden lang auf die Zeilen jenes Buches, bis mich letztendlich die Nacht zu sich holen wird.

2Ä 573 - 05. Letzte Saat
Es macht mich wahnsinnig! Ich kann nicht länger hier sitzen und nur über die Bedeutung der seltsamen Zeilen nachdenken, die mich mehr und mehr zu quälen beginnen. Unbändige Unruhe wühlt mein Inneres auf. Der Drang fort zu gehen, den Ort selbst aufzusuchen, ist stärker denn je. Ich muss die alte Stadt finden!

2Ä 573 - 07. Letzte Saat
Die Vorbereitungen für meine Abreise laufen gut und bald werde ich alle nötigen Vorkehrungen getroffen haben. Es gibt eine alte Straße, welche nah an der verlassenen Stadt vorbei führt. Genau aus diesem Grund hege ich jedoch auch die Befürchtung, dass die Ruinen bereits von sorglos daher trampelnden Abenteurern und Plündern leer geräumt sein mögen. Doch vielleicht hielten die zum Teil starken Stürme in dieser Region die Glücksritter auch davon ab, zu nah an die verborgenen Schätze zu gelangen.
Erstaunlicherweise beruhigt mich die Planung ungemein. Es erscheint mir, als würde sich in mir ein sanfter Schleier der Zufriedenheit über die tosende Unruhe meiner Suche legen. Vielleicht mag dies ein Zeichen dafür sein, dass ich mich auf den richtigen Weg begebe. Letzte Zweifel mögen durch diesen seltsamen Gefühlswandel vielleicht verschwinden.

2Ä 573 - 13. Letzte Saat
Es ist soweit, ich verlasse Tel Aruhn. Ich habe Niemandem vom Ziel meiner Reise erzählt. Nie hätten sie verstanden, woher mein Wille zu dieser Unternehmung kommt. Mögen die Daedra mir bei meiner Suche beistehen.

2Ä 573 - 14. Letzte Saat
Glücklicherweise scheint der Rote Berg meiner Reise gegenüber bisher wohl gesonnen zu sein. Schnell führten mich meine Schritte bis heute voran und jedwede Unannämlichkeit blieb mir bislang erspart.

2Ä 573 - 15. Letzte Saat
Je näher ich meinem Ziel komme, umso mehr legt sich diese seltsame Ruhe und Geduld über mein Gemüt. Müsste ich in Anbetracht dieser abenteuerlichen Reise, welche von Wissbegierde und Aufregung geschwängert ist, nicht gänzlich anders empfinden? Mein Herz sollte mir vor Nervosität aus der Brust springen. Stattdessen schlägt es mit einer unheimlichen Gelassenheit, die mich fast ein wenig erschaudern lässt.
In meinem Nachtlager blicke ich wieder auf die Worte, welche ich zwischen den Zeilen zu lesen glaube. Sind dies die Anfänge des Wahns, welcher so manches Wesen um seinen Verstand brachte? Welche absonderliche Macht mag mich zu meinen Taten antreiben? Oder ist es meine eigene Gier, die sich in den Zeiten meiner Isolation verselbständigt? Ich hoffe, dass ich am Ziel dieser Reise Antworten auf meine Fragen finden werde - egal, wie diese wohl aussehen werden.

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Dienstag, 28. Januar 2014, 20:27

2Ä 573 - 16. Letzte Saat
Heute erreichte ich Tel Vos, wo ich meine Vorräte wieder auffüllte und mich nun auf die letzte Strecke des Weges vorbereite. In der Ferne liegt der Rote Berg in grauem Dunst. Kein gutes Zeichen. Die Einheimischen raten mir von einer Weiterreise am heutigen Tag ab. Doch kommt es mir vor, als würde ein unsichtbares Band an meinem Geist ziehen und mich zum Aufbruch drängen.

Nachtlager: Ein paar Stunden nach meiner Abreise aus Tel Vos erreichte mich der vorhergesagte Sturm. Glücklicherweise traf er mich nicht unvorbereitet, sodass ich mir noch ein entsprechendes Lager errichten konnte. Dennoch verärgert es mich außerordentlich, dass meine Reise kurz vor ihrem Ziel so plötzlich gestoppt wird.
Nun heult der Wind giftig und zerrend über das Dach meines kleinen Zelts, als wolle er mich davon abhalten, weiter fortzuschreiten. Manchmal glaube ich sogar, Stimmen in dem lauten Grollen zu hören. Vielleicht mag dies nur eine Täuschung sein, vielleicht aber auch eine Warnung. Dennoch, ich werde mich nicht von den ruhelosen Geistern des Roten Bergs von meinem Weg abbringen lassen.

2Ä 573 - 17. Letzte Saat
Als ich soeben erwachte, schwächelte der Sturm in seinem bissigen Toben bereits. Es wird nicht mehr lange dauern und ich kann endlich die letzten Wegstunden, die mich von meinem Ziel trennen, bewältigen. Trotz der fast schon absonderlichen Ruhe, welche ich verspüre, macht sich nun auch das Gefühl der Vorfreude in mir breit. Wie wird es wohl sein, wenn ich erst die Türme und Mauern der trostlosen und zugleich bewundernswerten Stadt erblicken werde?

Abenddämmerung: Die gewaltigen Türme ragen silhouettenartig den letzten Strahlen der Sonne entgegen und erstrecken sich vor mir wie die steinernen Wächter eines dunklen Geheimnisses. Mit unendlichem Trotz widersetzen sich die morschen und verwitterten Gebäude dem Zahn der Zeit, der sie schon längst zu Fall hätte bringen müssen. Fremdartige metallene Umrahmungen, ringartige Konstrukte und lange Spitzen, die scheinbar Löcher in den Himmel zu bohren versuchten, verleihen dem Ganzen im Zwielicht der Sonne einen exotischen Anblick.
Fast lässt mich diese überwältigende Szene zaudern. Es ist wunderschön und beängstigend zugleich. Allein für diesen kurzen Augenblick mag sich mein Weg gelohnt haben.
Bevor ich jedoch die Ruinen betrete, will ich mir mit dem letzten Dämmerlicht noch die Umgebung ansehen und mein Nachtlager in sicherer Entfernung aufschlagen.

Tiefe Nacht: Sonderbare, klackernde Geräusche ließen mich aus meinem Schlaf erwachen. Noch immer ein wenig im Nebel der Traumwelt gefangen, bin ich mir kaum mehr sicher, ob es wahrhaftig war oder nur ein Gespinst meiner Träume. Wenn ich nun in die Nacht hinaus lausche, so höre ich nur das schrille Kreischen eines Klippenläufers. Egal, was es war, was ich zu hören glaubte, es scheint fort zu sein. Dennoch werde ich die restliche Nacht wohl kaum mehr ruhig schlafen können.

2Ä 573 - 18. Letzte Saat
Noch bevor die Sonne ihre Strahlen gänzlich über das Land schieben konnte, erwachte ich an diesem Morgen. Meine Lagerstätte zeugte von einem äußerst unruhigen Schlaf. Die Geräusche der vergangenen Nacht oder aber auch die langsam wachsene Anspannung mochten Grund dafür sein. Bevor ich mich nun endlich hinein in die fremde Welt aus Kammern und Gängen wagen werde, überprüfe ich nochmals meine Ausrüstung sowie die Karte, welche ich anhand der Ausführungen in dem Buch zusammengestellt habe.

Vor dem Tor: Meine gestrige Erkundung ergab, dass es scheinbar nur einen Zugang zu den unterirdischen Ruinen gibt. Das Tor, welches nun vor mir thront, versperrt mir mit unumstößlicher Zuverlässigkeit den Weg in die begehrten Kammern. Zumindest mag dies auf den ersten Blick so wirken, denn ich erinnere mich an eine Zeichnung in dem verschlissenen Buch.
Nach kurzem Suchen habe ich die Skizzen, welche sehr an einen komplizierten Mechanismus erinnern, gefunden. Es musste irgendwo an den bröckeligen Wänden einen verborgenen Schalter geben. Ich werde danach suchen...
...mit lautem Krachen und einem Geräusch, als hätte man einen uralten Steingolem beim Schlafen gestört, scheint sich nun hinter dem mächtigen Tor etwas zu tun. Und doch öffnet sich der Eingang selbst nicht einen Finger weit. Ich muss etwas übersehen haben!
Natürlich war der Mechanismus nicht so einfach gestrickt, dass es genügen würde, einen einzelnen Hebel zu betätigen. Wie leichtgläubig von mir. Nun gut, nachdem ich nochmals in dem Buch die entsprechenden Seiten las, fand ich den Fehler. Zuerst galt es nun mehrere zylindrische Metallbehälter, welche sich an der Seite des Tores verborgen hinter einigen vertrockneten Ranken versteckten, in die richtige Reihenfolge zu bringen. Vermutlich hätte es mich wertvolle Tage gekostet, ehe ich die korrekte Anordnung herausgefunden hätte. Glücklicherweise konnte ich in den alten Zeichnungen Hinweise erkennen, wodurch es nur einige wenige Versuche kostete. Ich glaube ein leises Klacken gehört zu haben, als ich zuletzt die Zylinder anordnete. Das sollte es sein!

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Dienstag, 4. Februar 2014, 17:15

2Ä 573 - 19. Letzte Saat
Es kommt mir vor, als habe die Zeit in diesen finsteren und geheimnisvollen Gängen einen ganz eigenen Rhythmus. Weder weiß ich, welche Tageszeit außerhalb dieser unheilvollen Mauern herrscht, noch wie tief es mich bisher in die Erde hinab getrieben hat. Obgleich ich jene Karte bei mir trage, wage ich kaum einen Gedanken daran zu verlieren, ob ich noch den richtigen Weg gehe. So versuche ich mich allein von meinen unbeständigen Gefühlen leiten zu lassen. Doch die abscheulichen Grausamkeiten, welche im tiefen Dunkel auf mich warten und deren monotones Klacken ich immer und immer wieder um mich herum zu hören glaube, erschweren es mir, den rechten Weg oder gar meinen Verstand nicht zu verlieren.
Dabei hatte meine Erkundung der Ruinen so außerordentlich positiv begonnen. Rasch fand ich den Weg, welchen ich mir anhand meiner Notizen aus dem Buch ausgesucht hatte, um tiefer hinunter in die Kammern zu gelangen. Je weiter ich ging, umso stickiger und drückender wurde die Luft. Doch konnte ich mich rasch an diesen Umstand gewöhnen. Überall hörte man leises Knarzen und Ächzen von den riesigen Konstruktionen, als würde ihnen ihr eigenes Alter schwer auf den brüchigen Knochen liegen. Vorsichtig arbeitete ich mich voran und betrachtete dabei jedes kleinste Detail an Wänden und Böden. Ich konnte nur ahnen, welche todbringenden Mechanismen hier auf ungebetene Gäste warten würden.
Die ersten Schwierigkeiten machte mit ein eingestürzter Gang. Hier hatte sich der unbezwingbare Wille der Zeit letztendlich durchgesetzt und einen Teil der brüchigen Decke zu Fall gebracht. Dennoch war es mir glücklicherweise möglich eine Alternative zu finden. Laut meiner skizzierten Karte führte ein anderer Weg, welchen ich nun auch als meine bevorzugte Route wählte, durch eine gewaltige Halle. Doch zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, was mich dort wirklich erwarten sollte.
Obgleich mich in den von endloser Schwärze gefüllten Tunneln immer wieder das Gefühl beschlich, dass im Dunkel aufmerksame Augenpaare jeden meiner Schritte beobachteten, kam ich bald zu der seltsamen Halle. Mein schwaches Licht konnte nur einen Bruchteil des riesigen Raumes beleuchten. Überall war kaum mehr als unermessliche Düsternis. Kurz haderte ich mit mir, wollte ich doch so wenig Aufmerksamkeit wie möglich in der schlafenden Stadt erwecken. Dennoch quälte mich auch die Gier diese gewaltige, geheimnisumwobene Stätte in vollem Glanz des Lichtes zu erblicken. Stattdessen tat ich in diesem Augenblick etwas, was selbst für mich vollkommen unerwartet kam, obwohl es doch heißt, man sei sich seiner eigenen Gedanken und Taten bewusst.
Ich schloss meine Augen und gab mich der allumfassenden Finsternis und der sonderbaren Fremde dieses Ortes hin. Selbst das kleine flackernde Licht, welches mich bisher so treu durch die unbekannten Gänge begleitet hatte, ließ ich gänzlich verlöschen. Regungslos stand ich nun da und lauschte in die beklemmende Stille, welche hin und wieder vom knachzenden Jammern des verottenden Bauwerks durchzogen wurde. Je mehr ich mich in die vermeidlichen Leere fallen ließ, umso stärker glaubte ich eine eigentümliche Stimme zu vernehmen. Doch wie hätte dies hier sein können? Gab es in den Tiefen dieser Ruinen doch Leben?
Angestrengt versuchte ich mich auf diese unerreichbare Stimme zu konzentrieren. Doch je mehr ich mich darauf fokusierte, entglitt sie mir gleichzeitig. Tiefer und tiefer fiel ich in den schauerlichen Strudel jener unbekannten Macht, deren abstrakte Worte meinen Geist zum wanken brachten. Ich konnte spüren, wie eine unbegreifliche Macht nach mir griff und mich versuchte fortzuziehen. Selbst jetzt, wo ich diese Worte schreibe, schwingen mir die unhörbaren Worte noch in meinem Geist.
Dann plötzlich vernahm ich ihn, deutlich und klar als stünde die fremde Kreatur direkt neben mir. Es war jener Name, welcher sich seit diesem schicksalhaften Augenblick in meinen Geist brannte. Hermaeus Mora. Zu tiefst erschrocken über diese abrupte Offenbarung öffnete ich schlagartig meine Augen. Doch statt der erwarteten Düsternis, blendete strahlendes Licht meine Sicht und riss mich urplötzlich in ein neuerliches Szenario.
Als ich hinab blickte, erkannte ich, dass ich mich während meines tranceartigen Zustands einige wenige Schritte nach vorne bewegte haben musste. Dabei aktivierte ich ohne es zu merken einen Schalter, welcher fast alle der gewaltigen Flammensokel in der Halle entzündete. Der Anblick jener einst so prächtige Stätte ließ mich die eigenartige Begegnung vor nur wenigen Lidschlägen beinahe einen Moment lang gänzlich vergessen. Nun stand ich am Rand einer Halle mit riesigen Ausmaßen, welche wohl einst als eine Art Versammlungsort gedient haben muss. Im den flackernden Schatten glaubte ich das rege Treiben des verschwundenen Volks wie ein verschleiertes Abbild aus einer vergangenen Zeit zu sehen.
Ich hätte wohl noch ewig dem Spiel der vergangenen Zivilisation zusehen können. Doch regte sich etwas in einigen Metern Entfernung an der Decke. Aus einer kaum sichtbaren Öffnung krabbelten kleine, spinnenartige Gebilde, welche sich in betriebsamen Tun scheinbar darum bemühten die zwei defekten Flammensokel zu reparieren. Zuerst beobachtete ich die geschäftigen Konstrukte, doch wurde mir rasch klar, das ich hier nicht der neugierige Beobachter einer fernen Technologie sein konnte. Letztendlich war ich viel mehr der ungebetene Gast oder der bedrohliche Eindringling. Wie würden diese Wesen, falls man sie als solches überhaupt bezeichnen konnte, reagieren, wenn sie mich erst bemerkten?
Noch immer starr vom Grauen der widersinnigen Worte aus dem Dunkel und dem so abrupt nachfolgenden vergessenen Glanz einer ingeniösen Kultur musste ich meinen Körper mit aller Macht dazu zwingen sich endlich wieder in Bewerbung zu setzen. Doch wohin sollte ich mich nun wenden? Es gab nur einen Weg, sollte ich es wagen, weiter meinem eigentlichen Ziel entgegen zu streben, und dies bedeutete, dass ich geradewegs durch die gefahrvolle Halle gehen musste. Langsam, vorsichtig und so leise es mir möglich war, bewegte ich mich mit dem Rücken zur Wand und weit entfernt von den mechanischen Arbeitern voran. Ich hatte Glück, sie bemerkten mich nicht. Zumindest glaubte ich dies anfangs noch. Erst als ich aus einem der angrenzenden Gänge ein Geräusch vernahm, wie als würde man eine Eisenstange über den Boden schleifen, wurde mir bewusst, dass ich so schnellstmöglich aus dem verräterischen Lichtspiel der Flammen fort musste. Hastig schob ich mich am Rand des Raumes voran, behielt dabei abwechselnd die Spinnenkonstrukte und den Gang mit den anschwellenden Lauten im Auge.
Nur noch wenige Meter hatten mich vom womöglich rettenden Ausgang getrennt, da rollte eine goldig glänzende Metallkugel in die erleuchtete Halle. Abrupt blieb sie stehen und ich konnte förmlich spüren, wie die Kreatur mich musterte. Offensichtlich hatte es mich nicht als wohlwollenden Gast identifiziert. Stattdessen öffnete sich die Kugel mit metallischem Knarzen und formte durch viele kleine mechanische Verbindungen und Prozesse einen Krieger samt Schild und Schwert. Dieser machte sich nun mit dem gleichen Eifer wie zurvor seine spinnenartigen Freunde daran auf mich zuzupreschen, um mich aus seinem Heim zu jagen. Für den Bruchteil einer Sekunde zögerte ich, entschied mich dann jedoch für einen raschen Rückzug. Meine noch immer zittrigen Beine trugen mich geradewegs in den nächsten Tunnel. Ich bog in der Hoffnung, der ewige Bewacher würde meine Spur verlieren, bald nach links ab. Doch half es nichts, denn noch immer hörte ich den unermüdlichen, mechanischen Lärm hinter mir. Nur wenige Meter weiter fand ich mich letztendlich vor einem Einsturz wieder. Bereit zu kämpfen hielt ich bereits mein Schwert in Händen, doch konnte ich im fahlen Schein gerade noch einen Spalt erkennen, den der Zusammenbruch wohl verursacht hatte. Kurz bevor der metallene Krieger mich erreichen konnte, drückte ich mich durch die Öffnung und entschwand seinem wütenden Griff.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Nysha« (25. Februar 2014, 23:05)


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Dienstag, 25. Februar 2014, 23:05

2Ä 573 - 19. Letzte Saat
In den Tiefen der vergessenen Stadt: Ich brauchte eine Weile, in der ich mich der neuerlichen Stille und Dunkelheit hingab, ehe ich mich von dem unsichtbaren Schrecken und der unerwarteten Flucht erholt hatte. Nun sitze ich hier in dieser unbedeutenden, kleinen Kammer, in die ich mich zur Sicherheit geflüchtet hatte, während das winzige Magierlicht spärlich meine Zeilen erhellt. Die Tatsache, dass ich mich nun gänzlich in den unterirdischen Tunneln und Gängen verirrt habe, verbessert meine Situation keineswegs. Auch ahne ich nicht wieviel Zeit bisher vergangen ist, seit ich am Morgen durch die steinernen Tore der verlassenen Stadt hinab in die Tiefe schritt. Doch glaube ich, dass die verhängnisvolle Unendlichkeit, die einem die Finsternis hier unten vorgaukelt, in Wahrheit nur der Bruchteil eines einzelnen Tages ist. Minuten mögen wie viele Stunden erscheinen. Stunden, wie unendlich viele Tage. Dennoch kenne ich die wirkliche Wahrheit nicht und vielleicht ist es gar so, dass ich schon seit Tagen in den Tiefen dieser vergessenen Stadt festsitze.
Während ich hier sitze, plagen mich immer wieder unsägliche Zweifel und die sich langsam anschleichenden Ängste. Doch soll ich wirklich schon aufgeben? Trotz der scheinbar ausweglosen Lage bin ich meinem eigentlichen Ziel dennoch immernoch sehr nahe. Tief in mir kann ich es spüren.
Halte ich inne und verharre in mein Inneres lauschend, kann ich fühlen, wie etwas in mir mich drängt weiterzugehen. Es ist wie eine innere, unheimliche Kraft, die an meinem Geist zerrt und ihn davor bewahrt in diesem verhängnisvollen Augenblick voller heimlicher Gefahren im Dunkel dieser Stadt nicht zu zerbersten. Obgleich sich diese tief in mir verborgene Energie wie etwas Fremdes und Schauerliches anfühlt, so weiß ich doch mit einer seltsam irritierenden Selbstverständlichkeit, dass dies ein Teil von mir ist.
Nach all den obskuren Vorkommnissen in den vergangenen Wochen, den nebulösen Träumen und sonderbaren Visionen und vor allem den intensiven, unbegreiflichen Gefühlen, welche sich in mir immer stärker auszubreiten scheinen, will ich nun einen weiteren Schritt wagen, um mein Ziel endlich zu erreichen und am Ende doch noch den zwielichtigen Fängen der verlassenen Stadt zu entfliehen. Ich will mich gänzlich diesem schicksalhaften Spiel jener fremden Macht hingeben und allein ihren Worten lauschen, um meinen Weg in der ewigen Finsternis zu finden.

2Ä 573 - 20. Letzte Saat
Endlich stehe ich vor dem Tor zu der rätselhaften Kammer, welche in dem alten Buch beschrieben wurde. Noch immer fühle ich mich ein wenig zittrig und geschwächt ob der bizarren Wegweisung, die mich überhaupt hier her gebracht hat.
Tatsächlich war es mir möglich gewesen mich auf diese sonderbare Macht, die ihre wabernden Klauen nach mir ausstreckt, zu fokusieren. Obgleich es eine Weile dauerte meinen Geist auf diesen befremdlichen Weg zu schicken, so gelang es dennoch. Im ersten Moment, als mich die düstere Leere umfing, fühlte ich mich wie eine hölzerne Marionette, deren Fäden die Finsternis selbst zog, um mich in eine vorherbestimmte Richtung zu bewegen. Mein geistiges Bestreben, mein ausgeprägter Wille und vielleicht auch meine sinistere Gier ermöglichten es mir jedoch mich von den schattenhaften Schlingen loszureißen. Anstatt das sie mich willenlos lenkten, offenbarten sie mir nun einen Weg, den ich freiwillig voran ging. Mit jedem mühevollen Schritt, den ich vorwärts lief und mich weiter von den unsichtbaren Ketten befreite, fühlte es sich an, als würde eine heimliche Last von mir abfallen.
Wenn ich darüber nachdenke, was in der zuletzt vergangenen Zeit geschah, was mir gleichzeitig wie eine Ewigkeit und wie ein einzelner Augenblick meines Lebens erscheint, so erschaudere ich. Mir wurden verbotene Tore geöffnet und verschlungene Wege gezeigt, welche ich niemals zuvor auch nur in Erwägung gezogen hätte... zumindest nicht bewusst. Ganz gleich was sich mir nun in der fremden Kammer offenbart, weshalb ich überhaupt je diese Reise begann, es erscheint kaum mehr von Bedeutung zu sein. Ich bin mir nun sicher, dass nicht das Geheimnis hinter diesen Mauern das Ziel meines Unterfangens ist, sondern der Weg bis hier her in die Tiefen einer verlassenen Stadt und die Tatsache, dass und wie ich ihn zu gehen wagte.
Doch nun soll es endlich soweit sein. Mit leisem Klacken und metallischem Kratzen öffnet sich vor mir das lang erwartete Geheimnis. Kurz verharre ich lauschend, ob das Öffnen des Tores die eisernen Wächter in ihrer Ruhe störte, doch es bleibt still. Ich bin mir nicht sicher, ob es genau diese Stille ist, die mir in diesem Augenblick einen sanften Schauer über den Rücken fahren lässt. Ein erster Blick hinein in die Kammer, welche vom dämmrigen Licht nur spärlich erhellt wird, offenbart mir unterschiedlichste Aufbauten, Truhen, Vitrinen und Regale voller obskurer Gegenstände. Manches wirkt wie billiger Tand, Anderes ist zerbrochen oder beschäftigt, doch mancher Gegenstand mag vielleicht noch einen kleinen Wert besitzen. Es wird einige Zeit in Anspruch nehmen dies alles eingehender zu begutachten.


...wird fortgesetzt...

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