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Nysha

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Montag, 27. Januar 2014, 19:39

Aethyra Marethi - May darkness guide you...

Zitat


Out of Charakter:
In diesem Thread möchte ich sporadisch Ausschnitte aus dem Leben von Aethyra Marethi niederschreiben. Dabei kann es sich um kurze oder auch längere Episoden handeln, die eine bestimmte Szene beschreiben oder aber Tagebucheinträge, Forschungsnotizen oder Ähnliches. Der Stil wird also variieren. Zudem werden die Texte nicht zwangsläufig chronologisch aufeinander aufbauen.

Diese Charakterausschnitte sollen dazu dienen einen besseren Eindruck von Aethyra zu vermitteln und vielleicht gar Interesse zu wecken... und natürlich um mich kreativ auszutoben. Jedoch versuche ich dabei größere "Spoiler" zu vermeiden. Wer also wissen will, was genau hinter den Texten steht, muss Aethyra schon selbst im Spiel kennenlernen.

Wenn Ihr Fragen, Kritik oder Anregungen habt, könnt Ihr mir gerne hier im Forum eine Nachricht zukommen lassen oder mich im Spiel (Ingame: @Nysha) anschreiben.





Inhaltsverzeichnis
--------------------------------

Tagebuch: Morrowind - In den Tagen des Aufstiegs der Dunklen Bruderschaft

Tagebuch: Vvardenfell - 2Ä 573

Kontrakte

Geschichte: Gramfeste - unbekanntes Datum
~ Magierakademie Twyllagea ~

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Dienstag, 28. Januar 2014, 20:27

Zitat


______________________________________________________________________________

2Ä 573 - 17. Jahresmitte
Vor wenigen Tagen kam ein älterer in das Geschäft meines Vaters. Seine Kleidung war abgetragen, seine Haare und Bart ungepflegt und beinahe hätte mein Vater ihn direkt wieder hinausgeworfen. Jedoch hielt ich ihn davon ab, da der Alte etwas bei sich trug, was meine Aufmerksamkeit erregt hatte. Es war ein altes, abgegriffenes Buch, welches er als Tausch für einen Trank anbot. Seinen Worten nach, besaß er wohl kaum mehr. Obgleich mein Vater böse Widerworte sprach und mir letztendlich die Kosten für den Trank anrechnete, erhielt ich, was ich wollte.
Heute Abend wagte ich endlich von Neugier geplagt einen ersten Blick in die Errungenschaft. Doch meine Gefühle bleiben gespalten, denn obgleich einige wenige sehr interessante Skizzen und Zeichnungen darin zu finden sind, verstehe ich nicht ein Wort von dem Geschriebenen. Ein wenig enttäuscht legte ich daher das Buch vorerst wieder beiseite.

2Ä 573 - 28. Jahresmitte
Trotzdem ich den Inhalt dieses Buchs bisher nicht verstehe, treibt es mich doch immer wieder dazu hineinzuschauen, als erwarte mich dort eine wichtige Erkenntnis oder etwas, was meinen Lebensweg grundlegend verändern könnte. Manchmal kommt es mir wie eine heimliche Sucht vor, die mich antreibt und die gleichzeitig an mir nagt. Ich muss herausfinden, was diese Worte verbergen.

2Ä 573 - 23. Sonnenhöhe
Endlich weiß ich es. Es ist mir nun möglich die Sprache, in der jenes alte, fremde Buch geschrieben wurde, zu übersetzen. Auch wenn es eine Weile dauern wird, so spüre ich in mir bereits das dringende Verlangen und die Euphorie endlich die Geheimnisse zu ergründen, welche darin verborgen liegen.

2Ä 573 - 24. Sonnenhöhe
Enttäuschung, Desillusion und Frustration breiten sich mehr und mehr in meinem Innern aus. Langweilige Texte über die Gesetze einer alten Stadt, welche längst vom Zahn der Zeit zersetzt wird, wie dieses alte, unnützliche Buch. Was für eine Zeitverschwendung.

2Ä 573 - 26. Sonnenhöhe
Ich kann es nicht lassen. Trotz der herben Enttäuschung über den Inhalt des Buches, blicke ich noch immer in die Ecke, in die ich es verärgert warf. Vielleicht wage ich nochmals einen Blick hinein und versuche weitere Textstellen zu übersetzen. Doch was, wenn es eine Verschwendung meiner kostbaren Zeit bleibt? Und dennoch... ich traue mich nicht, mich meinem Drang, die Wahrheit in diesem Buch zu finden, zu entziehen. Es muss einfach etwas darin geben!

2Ä 573 - 02. Letzte Saat
Meine Hartnäckigkeit scheint sich endlich auszuzahlen. Vielleicht war der Erwerb dieses verschlissenen Buches doch keine reine Verschwendung. Es gibt Passagen, die den architektonischen Aufbau der Stadt beschreiben. Erst glaubte ich, es sei wieder nur eine weitere herbe Enttäuschung. Doch fand ich einige sehr wenige Zeilen, die von äußerordentlichen Schätzen in speziell dafür angefertigten Räumen sprechen. Leider steht nicht genau geschrieben, welcher Art diese Schätze sein mögen und Reichtum war mir selbst stets gleich. Dennoch verspüre ich wieder verstärkt den Drang, diesen Worten weitere Aufmerksamkeit zu schenken. Immerhin könnte bei einem Schatz auch die Rede von verborgenem Wissen sein. So gab ich mich stetig mehr dieser Illusion von geheimen Wissen und Macht hin, las die Zeilen immer und immer wieder und glaubte bald, darin eine versteckte Botschaft zu entdecken.
Einmal erschien es mir gar so, als wäre ich mir selbst nicht mehr gänzlich sicher, ob ich jene fremde, ferne Botschaft wirklich darin lesen konnte oder ob sie nur ein Gespinst meiner übertriebenen Suche nach einem vermeidlichen Hort des Wissens war. Unsicher, ob ich mich von diesem Begehren blind leiten lassen oder lieber den Regeln der Vernunft folgen soll, starre ich wohl schon einige Stunden lang auf die Zeilen jenes Buches, bis mich letztendlich die Nacht zu sich holen wird.

2Ä 573 - 05. Letzte Saat
Es macht mich wahnsinnig! Ich kann nicht länger hier sitzen und nur über die Bedeutung der seltsamen Zeilen nachdenken, die mich mehr und mehr zu quälen beginnen. Unbändige Unruhe wühlt mein Inneres auf. Der Drang fort zu gehen, den Ort selbst aufzusuchen, ist stärker denn je. Ich muss die alte Stadt finden!

2Ä 573 - 07. Letzte Saat
Die Vorbereitungen für meine Abreise laufen gut und bald werde ich alle nötigen Vorkehrungen getroffen haben. Es gibt eine alte Straße, welche nah an der verlassenen Stadt vorbei führt. Genau aus diesem Grund hege ich jedoch auch die Befürchtung, dass die Ruinen bereits von sorglos daher trampelnden Abenteurern und Plündern leer geräumt sein mögen. Doch vielleicht hielten die zum Teil starken Stürme in dieser Region die Glücksritter auch davon ab, zu nah an die verborgenen Schätze zu gelangen.
Erstaunlicherweise beruhigt mich die Planung ungemein. Es erscheint mir, als würde sich in mir ein sanfter Schleier der Zufriedenheit über die tosende Unruhe meiner Suche legen. Vielleicht mag dies ein Zeichen dafür sein, dass ich mich auf den richtigen Weg begebe. Letzte Zweifel mögen durch diesen seltsamen Gefühlswandel vielleicht verschwinden.

2Ä 573 - 13. Letzte Saat
Es ist soweit, ich verlasse Tel Aruhn. Ich habe Niemandem vom Ziel meiner Reise erzählt. Nie hätten sie verstanden, woher mein Wille zu dieser Unternehmung kommt. Mögen die Daedra mir bei meiner Suche beistehen.

2Ä 573 - 14. Letzte Saat
Glücklicherweise scheint der Rote Berg meiner Reise gegenüber bisher wohl gesonnen zu sein. Schnell führten mich meine Schritte bis heute voran und jedwede Unannämlichkeit blieb mir bislang erspart.

2Ä 573 - 15. Letzte Saat
Je näher ich meinem Ziel komme, umso mehr legt sich diese seltsame Ruhe und Geduld über mein Gemüt. Müsste ich in Anbetracht dieser abenteuerlichen Reise, welche von Wissbegierde und Aufregung geschwängert ist, nicht gänzlich anders empfinden? Mein Herz sollte mir vor Nervosität aus der Brust springen. Stattdessen schlägt es mit einer unheimlichen Gelassenheit, die mich fast ein wenig erschaudern lässt.
In meinem Nachtlager blicke ich wieder auf die Worte, welche ich zwischen den Zeilen zu lesen glaube. Sind dies die Anfänge des Wahns, welcher so manches Wesen um seinen Verstand brachte? Welche absonderliche Macht mag mich zu meinen Taten antreiben? Oder ist es meine eigene Gier, die sich in den Zeiten meiner Isolation verselbständigt? Ich hoffe, dass ich am Ziel dieser Reise Antworten auf meine Fragen finden werde - egal, wie diese wohl aussehen werden.
~ Magierakademie Twyllagea ~

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Dienstag, 4. Februar 2014, 17:15

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______________________________________________________________________________

2Ä 573 - 16. Letzte Saat
Heute erreichte ich Tel Vos, wo ich meine Vorräte wieder auffüllte und mich nun auf die letzte Strecke des Weges vorbereite. In der Ferne liegt der Rote Berg in grauem Dunst. Kein gutes Zeichen. Die Einheimischen raten mir von einer Weiterreise am heutigen Tag ab. Doch kommt es mir vor, als würde ein unsichtbares Band an meinem Geist ziehen und mich zum Aufbruch drängen.

Nachtlager: Ein paar Stunden nach meiner Abreise aus Tel Vos erreichte mich der vorhergesagte Sturm. Glücklicherweise traf er mich nicht unvorbereitet, sodass ich mir noch ein entsprechendes Lager errichten konnte. Dennoch verärgert es mich außerordentlich, dass meine Reise kurz vor ihrem Ziel so plötzlich gestoppt wird.
Nun heult der Wind giftig und zerrend über das Dach meines kleinen Zelts, als wolle er mich davon abhalten, weiter fortzuschreiten. Manchmal glaube ich sogar, Stimmen in dem lauten Grollen zu hören. Vielleicht mag dies nur eine Täuschung sein, vielleicht aber auch eine Warnung. Dennoch, ich werde mich nicht von den ruhelosen Geistern des Roten Bergs von meinem Weg abbringen lassen.

2Ä 573 - 17. Letzte Saat
Als ich soeben erwachte, schwächelte der Sturm in seinem bissigen Toben bereits. Es wird nicht mehr lange dauern und ich kann endlich die letzten Wegstunden, die mich von meinem Ziel trennen, bewältigen. Trotz der fast schon absonderlichen Ruhe, welche ich verspüre, macht sich nun auch das Gefühl der Vorfreude in mir breit. Wie wird es wohl sein, wenn ich erst die Türme und Mauern der trostlosen und zugleich bewundernswerten Stadt erblicken werde?

Abenddämmerung: Die gewaltigen Türme ragen silhouettenartig den letzten Strahlen der Sonne entgegen und erstrecken sich vor mir wie die steinernen Wächter eines dunklen Geheimnisses. Mit unendlichem Trotz widersetzen sich die morschen und verwitterten Gebäude dem Zahn der Zeit, der sie schon längst zu Fall hätte bringen müssen. Fremdartige metallene Umrahmungen, ringartige Konstrukte und lange Spitzen, die scheinbar Löcher in den Himmel zu bohren versuchten, verleihen dem Ganzen im Zwielicht der Sonne einen exotischen Anblick.
Fast lässt mich diese überwältigende Szene zaudern. Es ist wunderschön und beängstigend zugleich. Allein für diesen kurzen Augenblick mag sich mein Weg gelohnt haben.
Bevor ich jedoch die Ruinen betrete, will ich mir mit dem letzten Dämmerlicht noch die Umgebung ansehen und mein Nachtlager in sicherer Entfernung aufschlagen.

Tiefe Nacht: Sonderbare, klackernde Geräusche ließen mich aus meinem Schlaf erwachen. Noch immer ein wenig im Nebel der Traumwelt gefangen, bin ich mir kaum mehr sicher, ob es wahrhaftig war oder nur ein Gespinst meiner Träume. Wenn ich nun in die Nacht hinaus lausche, so höre ich nur das schrille Kreischen eines Klippenläufers. Egal, was es war, was ich zu hören glaubte, es scheint fort zu sein. Dennoch werde ich die restliche Nacht wohl kaum mehr ruhig schlafen können.

2Ä 573 - 18. Letzte Saat
Noch bevor die Sonne ihre Strahlen gänzlich über das Land schieben konnte, erwachte ich an diesem Morgen. Meine Lagerstätte zeugte von einem äußerst unruhigen Schlaf. Die Geräusche der vergangenen Nacht oder aber auch die langsam wachsene Anspannung mochten Grund dafür sein. Bevor ich mich nun endlich hinein in die fremde Welt aus Kammern und Gängen wagen werde, überprüfe ich nochmals meine Ausrüstung sowie die Karte, welche ich anhand der Ausführungen in dem Buch zusammengestellt habe.

Vor dem Tor: Meine gestrige Erkundung ergab, dass es scheinbar nur einen Zugang zu den unterirdischen Ruinen gibt. Das Tor, welches nun vor mir thront, versperrt mir mit unumstößlicher Zuverlässigkeit den Weg in die begehrten Kammern. Zumindest mag dies auf den ersten Blick so wirken, denn ich erinnere mich an eine Zeichnung in dem verschlissenen Buch.

Nach kurzem Suchen habe ich die Skizzen, welche sehr an einen komplizierten Mechanismus erinnern, gefunden. Es musste irgendwo an den bröckeligen Wänden einen verborgenen Schalter geben. Ich werde danach suchen...
...mit lautem Krachen und einem Geräusch, als hätte man einen uralten Steingolem beim Schlafen gestört, scheint sich nun hinter dem mächtigen Tor etwas zu tun. Und doch öffnet sich der Eingang selbst nicht einen Finger weit. Ich muss etwas übersehen haben!
Natürlich war der Mechanismus nicht so einfach gestrickt, dass es genügen würde, einen einzelnen Hebel zu betätigen. Wie leichtgläubig von mir. Nun gut, nachdem ich nochmals in dem Buch die entsprechenden Seiten las, fand ich den Fehler. Zuerst galt es nun mehrere zylindrische Metallbehälter, welche sich an der Seite des Tores verborgen hinter einigen vertrockneten Ranken versteckten, in die richtige Reihenfolge zu bringen. Vermutlich hätte es mich wertvolle Tage gekostet, ehe ich die korrekte Anordnung herausgefunden hätte. Glücklicherweise konnte ich in den alten Zeichnungen Hinweise erkennen, wodurch es nur einige wenige Versuche kostete. Ich glaube ein leises Klacken gehört zu haben, als ich zuletzt die Zylinder anordnete. Das sollte es sein!
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Dienstag, 25. Februar 2014, 23:05

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2Ä 573 - 19. Letzte Saat
Es kommt mir vor, als habe die Zeit in diesen finsteren und geheimnisvollen Gängen einen ganz eigenen Rhythmus. Weder weiß ich, welche Tageszeit außerhalb dieser unheilvollen Mauern herrscht, noch wie tief es mich bisher in die Erde hinab getrieben hat. Obgleich ich jene Karte bei mir trage, wage ich kaum einen Gedanken daran zu verlieren, ob ich noch den richtigen Weg gehe. So versuche ich mich allein von meinen unbeständigen Gefühlen leiten zu lassen. Doch die abscheulichen Grausamkeiten, welche im tiefen Dunkel auf mich warten und deren monotones Klacken ich immer und immer wieder um mich herum zu hören glaube, erschweren es mir, den rechten Weg oder gar meinen Verstand nicht zu verlieren.

Dabei hatte meine Erkundung der Ruinen so außerordentlich positiv begonnen. Rasch fand ich den Weg, welchen ich mir anhand meiner Notizen aus dem Buch ausgesucht hatte, um tiefer hinunter in die Kammern zu gelangen. Je weiter ich ging, umso stickiger und drückender wurde die Luft. Doch konnte ich mich rasch an diesen Umstand gewöhnen. Überall hörte man leises Knarzen und Ächzen von den riesigen Konstruktionen, als würde ihnen ihr eigenes Alter schwer auf den brüchigen Knochen liegen. Vorsichtig arbeitete ich mich voran und betrachtete dabei jedes kleinste Detail an Wänden und Böden. Ich konnte nur ahnen, welche todbringenden Mechanismen hier auf ungebetene Gäste warten würden.

Die ersten Schwierigkeiten machte mit ein eingestürzter Gang. Hier hatte sich der unbezwingbare Wille der Zeit letztendlich durchgesetzt und einen Teil der brüchigen Decke zu Fall gebracht. Dennoch war es mir glücklicherweise möglich eine Alternative zu finden. Laut meiner skizzierten Karte führte ein anderer Weg, welchen ich nun auch als meine bevorzugte Route wählte, durch eine gewaltige Halle. Doch zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, was mich dort wirklich erwarten sollte.

Obgleich mich in den von endloser Schwärze gefüllten Tunneln immer wieder das Gefühl beschlich, dass im Dunkel aufmerksame Augenpaare jeden meiner Schritte beobachteten, kam ich bald zu der seltsamen Halle. Mein schwaches Licht konnte nur einen Bruchteil des riesigen Raumes beleuchten. Überall war kaum mehr als unermessliche Düsternis. Kurz haderte ich mit mir, wollte ich doch so wenig Aufmerksamkeit wie möglich in der schlafenden Stadt erwecken. Dennoch quälte mich auch die Gier diese gewaltige, geheimnisumwobene Stätte in vollem Glanz des Lichtes zu erblicken. Stattdessen tat ich in diesem Augenblick etwas, was selbst für mich vollkommen unerwartet kam, obwohl es doch heißt, man sei sich seiner eigenen Gedanken und Taten bewusst.

Ich schloss meine Augen und gab mich der allumfassenden Finsternis und der sonderbaren Fremde dieses Ortes hin. Selbst das kleine flackernde Licht, welches mich bisher so treu durch die unbekannten Gänge begleitet hatte, ließ ich gänzlich verlöschen. Regungslos stand ich nun da und lauschte in die beklemmende Stille, welche hin und wieder vom knachzenden Jammern des verottenden Bauwerks durchzogen wurde. Je mehr ich mich in die vermeidlichen Leere fallen ließ, umso stärker glaubte ich eine eigentümliche Stimme zu vernehmen. Doch wie hätte dies hier sein können? Gab es in den Tiefen dieser Ruinen doch Leben?

Angestrengt versuchte ich mich auf diese unerreichbare Stimme zu konzentrieren. Doch je mehr ich mich darauf fokusierte, entglitt sie mir gleichzeitig. Tiefer und tiefer fiel ich in den schauerlichen Strudel jener unbekannten Macht, deren abstrakte Worte meinen Geist zum wanken brachten. Ich konnte spüren, wie eine unbegreifliche Macht nach mir griff und mich versuchte fortzuziehen. Selbst jetzt, wo ich diese Worte schreibe, schwingen mir die unhörbaren Worte noch in meinem Geist.

Dann plötzlich vernahm ich ihn, deutlich und klar als stünde die fremde Kreatur direkt neben mir. Es war jener Name, welcher sich seit diesem schicksalhaften Augenblick in meinen Geist brannte. Hermaeus Mora. Zu tiefst erschrocken über diese abrupte Offenbarung öffnete ich schlagartig meine Augen. Doch statt der erwarteten Düsternis, blendete strahlendes Licht meine Sicht und riss mich urplötzlich in ein neuerliches Szenario.

Als ich hinab blickte, erkannte ich, dass ich mich während meines tranceartigen Zustands einige wenige Schritte nach vorne bewegte haben musste. Dabei aktivierte ich ohne es zu merken einen Schalter, welcher fast alle der gewaltigen Flammensokel in der Halle entzündete. Der Anblick jener einst so prächtige Stätte ließ mich die eigenartige Begegnung vor nur wenigen Lidschlägen beinahe einen Moment lang gänzlich vergessen. Nun stand ich am Rand einer Halle mit riesigen Ausmaßen, welche wohl einst als eine Art Versammlungsort gedient haben muss. Im den flackernden Schatten glaubte ich das rege Treiben des verschwundenen Volks wie ein verschleiertes Abbild aus einer vergangenen Zeit zu sehen.

Ich hätte wohl noch ewig dem Spiel der vergangenen Zivilisation zusehen können. Doch regte sich etwas in einigen Metern Entfernung an der Decke. Aus einer kaum sichtbaren Öffnung krabbelten kleine, spinnenartige Gebilde, welche sich in betriebsamen Tun scheinbar darum bemühten die zwei defekten Flammensokel zu reparieren. Zuerst beobachtete ich die geschäftigen Konstrukte, doch wurde mir rasch klar, das ich hier nicht der neugierige Beobachter einer fernen Technologie sein konnte. Letztendlich war ich viel mehr der ungebetene Gast oder der bedrohliche Eindringling. Wie würden diese Wesen, falls man sie als solches überhaupt bezeichnen konnte, reagieren, wenn sie mich erst bemerkten?

Noch immer starr vom Grauen der widersinnigen Worte aus dem Dunkel und dem so abrupt nachfolgenden vergessenen Glanz einer ingeniösen Kultur musste ich meinen Körper mit aller Macht dazu zwingen sich endlich wieder in Bewerbung zu setzen. Doch wohin sollte ich mich nun wenden? Es gab nur einen Weg, sollte ich es wagen, weiter meinem eigentlichen Ziel entgegen zu streben, und dies bedeutete, dass ich geradewegs durch die gefahrvolle Halle gehen musste. Langsam, vorsichtig und so leise es mir möglich war, bewegte ich mich mit dem Rücken zur Wand und weit entfernt von den mechanischen Arbeitern voran. Ich hatte Glück, sie bemerkten mich nicht. Zumindest glaubte ich dies anfangs noch. Erst als ich aus einem der angrenzenden Gänge ein Geräusch vernahm, wie als würde man eine Eisenstange über den Boden schleifen, wurde mir bewusst, dass ich so schnellstmöglich aus dem verräterischen Lichtspiel der Flammen fort musste. Hastig schob ich mich am Rand des Raumes voran, behielt dabei abwechselnd die Spinnenkonstrukte und den Gang mit den anschwellenden Lauten im Auge.

Nur noch wenige Meter hatten mich vom womöglich rettenden Ausgang getrennt, da rollte eine goldig glänzende Metallkugel in die erleuchtete Halle. Abrupt blieb sie stehen und ich konnte förmlich spüren, wie die Kreatur mich musterte. Offensichtlich hatte es mich nicht als wohlwollenden Gast identifiziert. Stattdessen öffnete sich die Kugel mit metallischem Knarzen und formte durch viele kleine mechanische Verbindungen und Prozesse einen Krieger samt Schild und Schwert. Dieser machte sich nun mit dem gleichen Eifer wie zurvor seine spinnenartigen Freunde daran auf mich zuzupreschen, um mich aus seinem Heim zu jagen. Für den Bruchteil einer Sekunde zögerte ich, entschied mich dann jedoch für einen raschen Rückzug. Meine noch immer zittrigen Beine trugen mich geradewegs in den nächsten Tunnel. Ich bog in der Hoffnung, der ewige Bewacher würde meine Spur verlieren, bald nach links ab. Doch half es nichts, denn noch immer hörte ich den unermüdlichen, mechanischen Lärm hinter mir. Nur wenige Meter weiter fand ich mich letztendlich vor einem Einsturz wieder. Bereit zu kämpfen hielt ich bereits mein Schwert in Händen, doch konnte ich im fahlen Schein gerade noch einen Spalt erkennen, den der Zusammenbruch wohl verursacht hatte. Kurz bevor der metallene Krieger mich erreichen konnte, drückte ich mich durch die Öffnung und entschwand seinem wütenden Griff.
~ Magierakademie Twyllagea ~

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Sonntag, 5. März 2017, 03:11

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2Ä 573 - 19. Letzte Saat
In den Tiefen der vergessenen Stadt: Ich brauchte eine Weile, in der ich mich der neuerlichen Stille und Dunkelheit hingab, ehe ich mich von dem unsichtbaren Schrecken und der unerwarteten Flucht erholt hatte. Nun sitze ich hier in dieser unbedeutenden, kleinen Kammer, in die ich mich zur Sicherheit geflüchtet hatte, während das winzige Magierlicht spärlich meine Zeilen erhellt. Die Tatsache, dass ich mich nun gänzlich in den unterirdischen Tunneln und Gängen verirrt habe, verbessert meine Situation keineswegs. Auch ahne ich nicht wieviel Zeit bisher vergangen ist, seit ich am Morgen durch die steinernen Tore der verlassenen Stadt hinab in die Tiefe schritt. Doch glaube ich, dass die verhängnisvolle Unendlichkeit, die einem die Finsternis hier unten vorgaukelt, in Wahrheit nur der Bruchteil eines einzelnen Tages ist. Minuten mögen wie viele Stunden erscheinen. Stunden, wie unendlich viele Tage. Dennoch kenne ich die wirkliche Wahrheit nicht und vielleicht ist es gar so, dass ich schon seit Tagen in den Tiefen dieser vergessenen Stadt festsitze.

Während ich hier sitze, plagen mich immer wieder unsägliche Zweifel und die sich langsam anschleichenden Ängste. Doch soll ich wirklich schon aufgeben? Trotz der scheinbar ausweglosen Lage bin ich meinem eigentlichen Ziel dennoch immernoch sehr nahe. Tief in mir kann ich es spüren.

Halte ich inne und verharre in mein Inneres lauschend, kann ich fühlen, wie etwas in mir mich drängt weiterzugehen. Es ist wie eine innere, unheimliche Kraft, die an meinem Geist zerrt und ihn davor bewahrt in diesem verhängnisvollen Augenblick voller heimlicher Gefahren im Dunkel dieser Stadt nicht zu zerbersten. Obgleich sich diese tief in mir verborgene Energie wie etwas Fremdes und Schauerliches anfühlt, so weiß ich doch mit einer seltsam irritierenden Selbstverständlichkeit, dass dies ein Teil von mir ist.

Nach all den obskuren Vorkommnissen in den vergangenen Wochen, den nebulösen Träumen und sonderbaren Visionen und vor allem den intensiven, unbegreiflichen Gefühlen, welche sich in mir immer stärker auszubreiten scheinen, will ich nun einen weiteren Schritt wagen, um mein Ziel endlich zu erreichen und am Ende doch noch den zwielichtigen Fängen der verlassenen Stadt zu entfliehen. Ich will mich gänzlich diesem schicksalhaften Spiel jener fremden Macht hingeben und allein ihren Worten lauschen, um meinen Weg in der ewigen Finsternis zu finden.

2Ä 573 - 20. Letzte Saat
Endlich stehe ich vor dem Tor zu der rätselhaften Kammer, welche in dem alten Buch beschrieben wurde. Noch immer fühle ich mich ein wenig zittrig und geschwächt ob der bizarren Wegweisung, die mich überhaupt hier her gebracht hat.

Tatsächlich war es mir möglich gewesen mich auf diese sonderbare Macht, die ihre wabernden Klauen nach mir ausstreckt, zu fokusieren. Obgleich es eine Weile dauerte meinen Geist auf diesen befremdlichen Weg zu schicken, so gelang es dennoch. Im ersten Moment, als mich die düstere Leere umfing, fühlte ich mich wie eine hölzerne Marionette, deren Fäden die Finsternis selbst zog, um mich in eine vorherbestimmte Richtung zu bewegen. Mein geistiges Bestreben, mein ausgeprägter Wille und vielleicht auch meine sinistere Gier ermöglichten es mir jedoch mich von den schattenhaften Schlingen loszureißen. Anstatt das sie mich willenlos lenkten, offenbarten sie mir nun einen Weg, den ich freiwillig voran ging. Mit jedem mühevollen Schritt, den ich vorwärts lief und mich weiter von den unsichtbaren Ketten befreite, fühlte es sich an, als würde eine heimliche Last von mir abfallen.

Wenn ich darüber nachdenke, was in der zuletzt vergangenen Zeit geschah, was mir gleichzeitig wie eine Ewigkeit und wie ein einzelner Augenblick meines Lebens erscheint, so erschaudere ich. Mir wurden verbotene Tore geöffnet und verschlungene Wege gezeigt, welche ich niemals zuvor auch nur in Erwägung gezogen hätte... zumindest nicht bewusst. Ganz gleich was sich mir nun in der fremden Kammer offenbart, weshalb ich überhaupt je diese Reise begann, es erscheint kaum mehr von Bedeutung zu sein. Ich bin mir nun sicher, dass nicht das Geheimnis hinter diesen Mauern das Ziel meines Unterfangens ist, sondern der Weg bis hier her in die Tiefen einer verlassenen Stadt und die Tatsache, dass und wie ich ihn zu gehen wagte.

Doch nun soll es endlich soweit sein. Mit leisem Klacken und metallischem Kratzen öffnet sich vor mir das lang erwartete Geheimnis. Kurz verharre ich lauschend, ob das Öffnen des Tores die eisernen Wächter in ihrer Ruhe störte, doch es bleibt still. Ich bin mir nicht sicher, ob es genau diese Stille ist, die mir in diesem Augenblick einen sanften Schauer über den Rücken fahren lässt. Ein erster Blick hinein in die Kammer, welche vom dämmrigen Licht nur spärlich erhellt wird, offenbart mir unterschiedlichste Aufbauten, Truhen, Vitrinen und Regale voller obskurer Gegenstände. Manches wirkt wie billiger Tand, Anderes ist zerbrochen oder beschäftigt, doch mancher Gegenstand mag vielleicht noch einen kleinen Wert besitzen. Es wird einige Zeit in Anspruch nehmen dies alles eingehender zu begutachten.
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Sonntag, 5. März 2017, 03:17

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______________________________________________________________________________



Vor der Grenze zu Morrowind

Am morgigen Tag werden wir das Velothi Gebirge über den oberen Pass besteigen und so sehr bald Morrowind erreichen. In meine Heimat zurückzukehren lässt zwiespältige Gefühle in mir aufkeimen. Jenes Land ist so anders als alles, was ich während meiner langen Reise sehen durfte. Einzigartig und grausam schön. Vielleicht habe ich es tatsächlich vermisst dort zu sein. Andererseits ruhen in der aschebedeckten Erde Erinnerungen an ein Leben, welches ich nicht mehr zu leben vermag.

Ich spüre in mir eine stete Unruhe. Mit jedem Schritt näher in Richtung meiner alten Heimat, stärkt sich jener innere Aufruhr. Aeloth behauptet, es könnte simple Aufregung vor der Rückkehr in altbekannte Lande sein. Doch das glaube ich nicht. Im Augenblick vermag ich den Ursprung jenes Gefühls jedoch nicht näher zu ergründen. Vielleicht legt es sich bald wieder und mein Gefährte hatte am Ende doch recht.

Es gibt jedoch noch anderes, was mich nachdenklich stimmt. So glaube ich nicht daran, dass es ein Zufall ist, dass die Mutter der Nacht uns dorthin zurück bringt, wo alles begann. Gewiss verstehe ich auch die Intention, denn sowohl Aeloth als auch ich haben gewisse nützliche Verbindungen und Kenntnisse über Morrowind, die unserem Auftrag dienlich sein werden - obgleich die Erklärungen des Sprechers nur sehr vage waren. Weitere Instruktionen wird man uns zukommen lassen. Wir werden abwarten.


Morrowind, südlich der Feste Virak

Meine Füße ruhen auf der staubigen, dunklen Erde, die ich einst Heimat nannte. Ich lausche dem Wind, welcher tänzelnd zwischen den riesigen Pilzen hindurch weht und dabei an ihren mächtigen Kappen zerrt. In der Ferne hört man das röhrende Grollen eines einzelnen Kagouti, während einige Klippenläufer kreischend über die Berge gleiten, stets auf der Suche nach leichter Beute. Sogar das Meer meine ich von hier aus vernehmen zu können. Doch so sehr ich jene einzigartige Szenerie auch genießen möchte, es mag mir nicht recht gelingen.

Unruhige Träume haben mich in den vergangenen Tagen seit unserer Reise über die erbarmungslosen Ascheberge heimgesucht. Wenn ich morgens erwache, ruht kalter Schweiß wie eine abscheuliche Krone der Furcht auf meiner Stirn. Meine Glieder schmerzen unerträglich, als hätte ich mit bleischwerem Körper eine weite Reise hinter mich gebracht. Doch schlimmer als dies, ist das Gefühl, mit dem mich jene unheilvollen Träume zurücklassen. Es ist eine tiefe, unergründliche Leere, die sich in meinem Inneren öffnet wie ein schwarzes Loch. Und doch, trotz all der nächtlichen Schrecken… fasziniert es mich.

Aeloth berichtete mir zudem, dass ich manchmal des nachts, während ich mich unruhig in meiner Lagerstätte wälze, in fremden Zungen spreche. Es ist keine Sprache, die ihm zuvor je zu Ohren gekommen ist – falls es überhaupt irgendeine Sprache ist. Einmal versuchte er jene eigentümlichen Worte niederzuschreiben und zeigte sie mir. Doch auch mir erscheinen sie gänzlich fremd, als wären sie nur wahllos zusammengewürfelt.

Vielleicht ist erneut die Zeit gekommen, da die Finsternis gebändigt werden will. Auf unserem Weg weiter gen Osten wird sich in den nächsten Tagen gewiss eine verdorbene Seele finden.
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Sonntag, 5. März 2017, 03:22

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Morrowind, an der Küste westlich von Davons Wacht

Leise plätschern die wogenden Wellen des Meeres ans Ufer, während in der Ferne das stete Grollen der Vulkane seine dumpfe Melodie spielt. Immer wieder spült das klare Wasser kleine Steine und Muscheln an den Strand. Schon damals lag eine sonderbare Ruhe an jenem Ort, die ich nur zu gerne genoss.

Mein Inneres ist wieder still, der dunkle Hunger besänftigt. Allein die unheilvollen Träume sind geblieben. Obgleich ich mich nicht an deren Inhalt erinnere, so spüre ich doch, dass der Tod ein steter Begleiter von ihnen ist. Aeloth meinte, ich würde nicht mehr so oft im Schlaf sprechen und ich frage mich, ob die Träume vielleicht gar mit meiner finsteren Gier in Verbindung stehen. Denn gerade da sich die Düsternis in mir ein wenig beruhigt hat, scheine ich zumindest etwas besser schlafen zu können. Doch gänzlich verschwunden sind sie dennoch nicht.

Doch meine Aufmerksamkeit sollte sich rasch auf unsere neue Aufgabe fokussieren. Tatsächlich erhielten wir endlich eine Nachricht von unserer unheiligen Familie. Mein Gefährte und ich wurden entsandt ein junges, bretonisches Mädchen – Elsa – in den Kreis unserer Gemeinschaft zu führen. Den dem Schriftstück beigelegten Aufzeichnungen zufolge dürfte es nicht schwer fallen das Kind davon zu überzeugen sich von den Fesseln ihrer falschen Familie zu lösen und ihr letztendlich das zu geben, wonach sie sich tief im Inneren sehnt. Dennoch werde ich mit Vorsicht und bedacht vorgehen müssen. Ich muss meine Rolle perfekt spielen, damit sie uns am Ende nicht doch entgleitet. Letztendlich wird sie glauben müssen, dass es ihre eigene Entscheidung war ihren Onkel und ihre Tante dem Schreckensvater zu opfern.

Jener Nachricht war zudem ein schwarzer Stein beigelegt. Seine Oberfläche glänzte im Licht des Mondes, während sich die filigranen, makellos gezeichneten Runen sacht abhoben. Wer auch immer dieses wundervolle Stück erschaffen hatte, musste großen Wert auf Perfektion legen. Den Worten der Mitteilung nach würde uns der Stein den Weg weisen, sobald unsere Arbeit erledigt war.


Vorläufige Freistatt der Dunklen Bruderschaft in Morrowind

Es grenzt fast an ein Wunder, dass ich dieses weinerliche, mutlose Ding nicht selbst eigenhändig die Mauern hinabgestoßen habe. Elsa machte einen schwächlichen und jämmerlichen ersten Eindruck auf mich und es fiel mir schwer meine Rolle als einfühlsame, besonnene Frau aufrecht zu erhalten. Doch es gelang mir und am Ende erwies sich Elsa tatsächlich als ausreichend fähig sich von den Ketten ihres Onkels und ihrer Tante zu lösen, um ihre falsche Familie Sithis zu opfern.

Gänzlich blutüberströmt wie ein verängstigtes Tier, welches Schutz im Kreise seiner neuen Familie suchte kam das bretonische Mädchen angerannt. Mein Gefährte und ich verbargen sie in den Schatten der Nacht und brachten Elsa sicher aus der Stadt heraus.

Vor den Toren konnten wir endlich den schwarzen Stein nutzen. Ein schattenhafter, düsterer Schemen führte uns den Weg zu unserer neuen Zuflucht. Wieder erkannte ich in dem finsteren Boten die Vollkommenheit jener meisterhaften Arbeit. Es ist lange her, dass ich eine solche Kunstfertigkeit erblickte. Bedauerlicherweise stellte sich später heraus, dass der Schöpfer dieser Verzauberung ein Altmer ist. Dalathar – ich hatte ihn zuvor einige wenige Male getroffen. Zudem hatte Aeloth mir hin und wieder von ihm erzählt, immerhin war er es einst gewesen, der meinen Gefährten in den Schoß der Familie geführt hatte.

Unsere neue Zuflucht befindet sich in einer kleinen Kaverne, welche zum Teil auf magische Weise geformt wurde. Vermutlich würden nur sehr wenige den Unterschied in der Struktur des Gesteins erkennen, doch mir fiel es sofort auf. Dennoch gab man sich bei der Veränderung große Mühe es so natürlich wie möglich erscheinen zu lassen. Die Luft im Inneren war bei unserer Ankunft warm und stickig, da ein steter Quell lodernder Lava im hinteren Teil die Höhle erhitzt, aber auch Licht spendet. Diesem unwirtlichen Zustand werden wir jedoch schnellstens ein Ende bereiten. Dalathar hatte zum Zeitpunkt unserer Anreise bereits mit dieser Arbeit begonnen. Einige sorgfältig angebrachte Glyphen würden die Luft filtern und kühlen.

Letztendlich gab es an diesem Abend jedoch noch eine weniger erfreuliche Aufgabe, welche mir die Henkerin übertrug. Als neustes und vor allem jüngstes Mitglied sollte Elsa natürlich ausgebildet und entsprechend geformt werden. Dem Altmer übertrug man die magische Ausbildung, während Aeloth vorläufig für ihre Kampffertigkeiten sorgen sollte. Ich hingegen sollte mich um Elsas psychisches Wohl kümmern und Sorge tragen, dass sie sich in unsere unheilige Gemeinschaft integrieren könne. Wieso bei Sithis überträgt die Henkerin gerade mir eine solche Aufgabe? Ich konnte mich schon kaum zurückhalten, als ich das tränenüberströmte Mädchen in Davons Wacht antraf. Und nun sollte ich mich dauerhaft mit ihr auseinandersetzen? Dunkle Mutter stehe mir bei.

Und doch… endlich sind wir wieder Zuhause in unserer Familie.
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Sonntag, 5. März 2017, 03:24

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Ich wusste, worauf ich mich vorzubereiten hatte, als ich mich dazu entschloss, den Kontrakt anzunehmen. Ein Lustknabe. Es hätte wohl kaum abstoßender sein können. Wie verabscheue ich doch jene triebgesteuerten Wesen, welche allein der primitiven Lust wegen gar ein speziell errichtetes Freudenhaus aufsuchen. Jener Ort würde all meine Selbstbeherrschung und Konzentration erfordern, damit ich am Ende für unseren Schreckensvater nicht mehr als ein Opfer auserwähle.

Dennoch erschien mir der Argonier als passendes Ziel. Allein sein Name entlockte meinem Inneren ein unheilvolles Schmunzeln. Verbirgt-seine-Seele. Oh, ich würde seine Seele finden. Und sie würde mein sein. Unglücklicherweise erwies sie sich am Ende doch als widerspenstiger als erwartet.

Zudem musste ich mir eine geschickte Vorgehensweise überlegen. Die Besitzer hatten gut vorgesorgt und Wachen waren in jedem größeren Raum postiert. Zudem würde man mein Gesicht sehen, welches ich nur geringfügig verändert hatte. Ich bevorzuge es, dass meine Opfer erkennen, wer ihnen das Leben entreißt. Mein Plan war einfach gestrickt, es sollte kein Blutvergießen geben, denn das hätte zu viele Fragen aufgeworfen. Eine Untersuchung des Mordes war von meiner Seite aus nicht erwünscht.

Es war nicht schwer für mich den Lustknaben in den nach Fleischeslust und Begierde stinkenden Räumlichkeiten ausfindig zu machen. Jene Männer, welche allein ihres Triebes wegen und in voller Überzeugung ihrer Manneskraft ihre ganz eigenen Opfer suchten. Jenes junge Ding, welches so hilflos ihrem Freier ausgeliefert war, war eines von ihnen. Fast hätte ich Mitleid empfunden als sie später leidvoll weinend in einer Ecke kauerte. Doch soweit kam es nicht.

Ebenso unkompliziert gestaltete es sich für mich, den Argonier zu verführen und ihn an einen Ort innerhalb des Bordells zu locken, an welchem wir ungestört waren. Es brauchte wahrlich nur einen reizvollen Körper und einige wenige offene Blicke, schon war er mir gänzlich erlegen. Aschenflocke nannte er mich. Jener Name entlockte mir tatsächlich ein sachtes Schmunzeln.

Natürlich erwartete der Lustknabe etwas gänzlich anderes, als er wenig später meine Kleidung mit seinen langen Klauenfingern von meinem Körper zu lösen begann. Doch ich konzentrierte mich bereits auf eine ganz andere Gier. Die Finsternis in meinem Innern zerrte vor unheilbringender Erwartung förmlich an meinem Geist. Doch inzwischen war es nicht das erste Mal und ich wusste sie in Zaum zu halten.

Mein tödlicher Kuss sollte mir die Seele der Echse offenbaren. Doch verbarg sich jene erstaunlich gut vor meinen dürstenden Klauen. Während ich konzentriert und stetig unruhiger werdend nach dem Ursprung seines Lebens suchte, wurde der Argonier in seinem lustvollen Treiben stets aktiver und somit äußerst lästig. Gerade als er mich wie wohl all die erbärmlichen Frauen zuvor in eine Position befördern wollte, die seiner Manneskraft dienlicher erschien, drückte ich ihn stattdessen mittels eines einfachen Zaubers gegen die nächstbeste Wand. Dies ersparte mir zumindest das Meiste seiner abstoßenden Gebaren. Unglücklicherweise fand seine dünne Zunge noch immer Wege mich mit ihrer Anwesenheit zu belästigen. Jedoch konnte ich mich damit vorerst nicht noch zusätzlich befassen, da meine Konzentration vollends darauf lag, seine Seele endlich ausfindig zu machen. Irgendwann würde sie einen Fehler machen.

Und das tat sie auch. Endlich war es der Seele des Argoniers nicht mehr möglich sich vor mir zu verbergen und in jenem Augenblick gehörte sie mir. All die widerlichen Gelüste im Innern der Echse wandelte mein verderblicher Kuss in gnadenlosen Schmerz um. In seinen Augen brannten grenzenloses Leid und erbarmungslose Qual. Bedauerlicherweise konnte ich jenen Augenblick nicht gebührend genießen. Dies war nicht der richtige Ort dafür. So sackte der Argonier mit flehendem Wimmern langsam herab, bis sein Körper nur noch achtlos am Boden lag.

Es war getan. Möge sein Geist in der ewigen Leere des Schreckensvaters aufgehen.

Nun musste ich nur noch ungesehen jenen abscheulichen Ort verlassen. Doch auch dies erwies sich als äußerst einfach. Manche Wesen waren so berechenbar. Es brauchte nur eine verängstigte Frau, welche stolpernd die Treppe hinab stürzt und um Hilfe ruft, da ihr nächtlicher Gefährte plötzlich mit dem Atmen aufgehört hatte. Panik und Chaos ließen nicht lange auf sich warten. Jenen Augenblick nutzte ich, um das Haus ungesehen zwischen den Gästen zu verlassen.

Obgleich sich jener Kontrakt in mancherlei Hinsicht als äußerst… anstrengend erwies -ich brauchte eine Weile um den ekelerregenden Echsengeschmack von meiner Zunge zu entfernen-, so war er doch durch Erfolg gekrönt. Der finstere Hunger in meinem Inneren konnte so vorerst gestillt werden.
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Sonntag, 5. März 2017, 03:33

Da der folgende Text für manche Personen möglicherweise einen verstörenden Charakter haben könnte, setze ich ihn in den Spoiler...

Ein neues Gesicht

Zitat


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Mit schmerzendem Krachen öffnete sich der Schädel des Mannes, welcher starr vor Schreck zu der jungen Frau empor blickte. Die Iris seiner Augen wirkte matt und farblos, fast so als hätte man vergessen, sie in Farbe zu tauchen, um ihnen den Glanz des Lebens einzuhauchen. Und doch war es offensichtlich, der Mann atmete... oder zumindest kamen röchelnde Laute aus der aufgerissenen Kehle, während sich der Brustkorb unruhig auf und ab senkte.

Sorgsam glitten die schmalen Finger der Weißhaarigen über das bleiche Gebein, welches leise aufächzte, als würde dieses unter enormem Druck stehen. Nach und nach schoben sich die Knochen widerwillig in ihre neue Position. Das leise, gurgelnde Aufstöhnen des Mannes verhallte neben dem erneuten Krachen des Schädels, welcher sich einem Puzzelteil gleich in seine neue Form presste. Zufrieden mit dem ersten Teil ihres Werkes betrachtete die Frau die neue Schöpfung, während sich das Röcheln der Person auf dem kalten Operationstisch langsam wieder zu beruhigen schien.

Nun war es das achtlos am Schädel des Menschen herabhängende Fleisch, welchem die Frau mit den blutroten Augen ihre Aufmerksamkeit schenkte. Ihre Finger schlossen sich um das glitschige Material, um es einem Bildhauer gleich zu formen. Mit künstlerischer Sorgfalt platzierte sie Blutgefäße und Muskeln zwischen der rosafarbenen Masse, welche in dieser Form mehr einer grotesken Maske als dem Gesicht eines lebenden Wesens glich. Doch das klebrige Gemisch aus Blut, Schweiß und Luft gluckerte erneut heftig aus der kleinen Öffnung am Hals. Die Atmung war unruhig und in den fahlen Augen schien sich langsam Panik auszubreiten. Die junge Frau hielt inne, betrachtete die lebende Fleischmasse einen Moment und man hätte wohl glauben können, dass sie Gefallen an der Angst des Mannes fand. Doch dann beugte sie sich langsam hinab und auf fast schon liebevolle Weise wipserte sie ein leises "Ssssch". Die Wirkung zeigte sich sofort und erneut beruhigte er sich.

Es war fast vollendet. Langsam bewegten sich die blutverschmierten Finger zur Seite, um die leblose Maske aus Haut zu ergreifen. Der weiche Hautlappen wurde grob auf der Fleischmasse platziert, um ihn dann mit sachten Bewegungen langsam an das Gewebe anzupassen. Immer wieder verzog sich die Haut dabei stark und ließ die absurdesten Krimassen entstehen, als hätte ein Maler Wasser über ein Portrait geschüttet. Doch nach und nach formte sich tatsächlich das Gesicht eines Mannes mittleren Alters.

Zuletzt widmete die junge Frau sich den bleichen Augen. Leicht schrägte sie den Kopf, als wolle sie einen anderen Blickwinkel darauf erlangen, und betrachtete sie dann nachdenklich. Wie viel konnten die Augen eines Wesens doch erzählen. In diesem Fall könnte man sie gar als Signatur der Meisterin jenes Werkes betrachten. Unwillkürlich musste sie bei diesem Gedanken schmunzeln. So führte sie ihren Zeigefinger in Richtung des rechten Auges. Noch in der Bewegung begann sich die Form des Fingernagels zu verändern. Lang und dünn wuchs er dem Auge förmlich entgegen, ehe sie ihn direkt durch die Hornhaut hinein stach. Der Körper des Mannes zuckte leicht, doch schien sie sich davon nicht beirren zu lassen und begann stattdessen wie in einem kleinen Farbtopf mit dem klauenhaften Nagel zu rühren. Tatsächlich bildeten sich dunkle Schlieren, welche in kreisenden Wirbeln ihre Bahnen durch die Iris zogen. Als sich die Farbe gänzlich hindurch gezogen hatte, hob sie den Finger und betrachtete das braune Auge, welches sie starr anblickte. Das Prozedere vollführte sie ebenso mit dem linken Auge, ehe sie mit zufriedenem Lächeln einen Schritt zurück trat, als wolle sie ihre Kreation aus der Entfernung betrachten. Nun war es geschafft. Ein neues Gesicht, vielleicht sogar verbunden mit einem neuen Leben. Die Frage war nur... zu welchem Preis?
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Sonntag, 5. März 2017, 22:44

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Vor einigen Tagen brachen Dalathar und Kuola auf, um die Leiche unseres Bruders Murus ausfindig zu machen. Es war abzusehen, dass dieser mir äußerst suspekte Mensch recht bald sein Ende finden und in die Leere übergehen würde. Obgleich ich niemals wagen würde den Willen unserer Dunklen Mutter in Frage zu stellen, so ist es mir bis heute schleierhaft, weshalb sie ihn auserwählte sich unserer Familie anzuschließen. Doch möglicherweise ging es nie um Murus selbst. Zeigt sein Bruder Avarus doch zumindest ein wenig… Potential.

Wie auch immer, tatsächlich war es meinen Geschwistern möglich den erkalteten Leib unseres Bruders zu finden. Jedoch wurden Dalathar und Kuola von einigen Dunmern angegriffen. Es war recht offensichtlich, dass man bereits auf sie gewartet hatte. Die Frage ist nur, wer machte sich die Mühe so lange auf jene zu warten, welche den Leib eines Toten bergen wollten? Bereits die Nachricht darüber stimmte mich wahrlich misstrauisch, doch was ich später in den Erinnerungen von Murus erkannte, regte in der Tat zur Sorge an. Doch alles zu seiner Zeit.

Glücklicherweise war es dem Altmer gelungen die letzten Erinnerungen unseres verstorbenen Bruders zu extrahieren. Was sich wiederum als weniger erfreulich erwies, war die Tatsache, dass er später nicht mehr in der Lage war, die Gedanken sichtbar zu machen. Ein selbst für den Mer undurchdringbarer Schutzzauber blockierte die Erinnerungen, sodass allein dunkler, wabernder Nebel erkennbar war, in dessen Mitte unscharfe Schemen tanzten.

Dalathar überließ mir den Kristall, in dem er die Erinnerungen gespeichert hatte, damit ich selbst einige Nachforschungen anstellen konnte. Meine ersten Versuche erwiesen sich jedoch als ebenso nutzlos wie die meines Bruders. Es war, als hätte jemand ein fein gesponnenes Netz um die letzten Bilder aus Murus Kopf gewoben, dass es einem nicht erlaubte einzudringen. Je stärker man sich bemühte, umso fester zogen sich die Fäden zusammen. Wollte man sie umgehen, dehnten und wölbten sie sich, sodass kein Weg hindurch frei wurde. Sogar der direkte Angriff auf zentrale Ankerpunkte blieb erfolglos.

Bereits nach meinen ersten Versuchen erkannte ich, dass jener Zauber nicht von irgendeinem dahergelaufen Magier gewoben wurde. Bestätigung für meine Theorie fand ich jedoch vor allem in dem unheiligen Gelächter, welches bei jedem weiteren misslungenen Versuch in meinem Geist verhallte. Mephala. Konnte es sein, dass der daedrische Prinz selbst seine finsteren Finger in diesem grausigen Spiel hatte? Wer war unser Feind, dessen Schatten sich uns langsam kriechend näherte? Wusste die Morag Tong bereits, dass wir in Morrowind angekommen waren, um sie in ihrer eigenen Heimat zu zerschlagen? Ich musste in Murus Gedanken eindringen, um Antworten zu finden.

Wie also konnte ich mein Ziel erreichen? Direkte Angriffe waren nutzlos. Das Netz der düsteren Spinne war zu dicht und zu fest gewoben, als das ich es hätte durchbrechen können. Also schlug ich einen anderen Weg ein, in der verzweifelten Hoffnung es würde mir einen Einblick in die Erinnerungen ermöglichen.

Ich begann mich auf etwas anderes zu konzentrieren. Die Finsternis sollte mir den Weg weisen. Sanft, wie fließender, schwarzer Nebel kroch die Düsternis heran und berührte vorsichtig das schändliche Spinnennetz. Plötzlich war es still. Kein Gelächter ertönte mehr in meinem Geist. Stattdessen schien es mir, als würde Etwas mich beobachten. Es sollte nicht lange dauern, da erkannte ich ein absonderliches Geschöpf, welches langsam zu mir heran kroch. Dunkle, tentakelartige Auswüchse schoben sich stetig näher an den wabernden Nebel aus Finsternis. Sonderbarerweise wirkte es neugierig, fast wie ein kleines Kind, welches einen neuen Spielkameraden zu entdecken glaubte. Ich nutzte jenen Augenblick und bewegte mich weiter voran und als der schwarze Nebelschleier das fremdartige Wesen berührte, erzitterte es und zog sich ruckartig zurück. Doch im gleichen Moment fiel auch das Netz in sich zusammen und offenbarte mir endlich die letzten Erinnerungen von Murus.

Selbst jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, bin ich mir nicht gänzlich sicher, wie genau es mir gelungen war, das verderbliche Netz der Spinne zu zerreißen. Obgleich ich eine Vermutung habe. Und doch sollte ich mir im Augenblick über das Wie weniger Gedanken machen, denn das, was ich in den Erinnerungen sah, erfordert einer deutlich größeren Aufmerksamkeit.

Mein Blickfeld veränderte sich und es schien, als würde ich durch die Augen des verstorbenen Bruders sehen. Ich konnte meinen Kopf nicht bewegen, alles wirkte anfangs gar verschwommen und unscharf, als wäre ich gerade erst aufgewacht. Dann erkannte ich einen Dunmer, er sprach zu mir: Sag den Krähenfüßen, wo Euer Versteck ist. Hinter ihm standen weitere Männer, vermummt und unkenntlich für Murus, sodass auch ich sie nicht erblicken konnte. Als der Dunmer erneut die Stimme erhob, sprach er von der Krähe, die nur darauf wartete, unsere beklagenswerten Leben zu opfern.

Ich, nein Murus, gab keine Antwort. Ungeduldig trat der elfische Mann heran und ergriff meinen Finger. Unruhig sah ich herab, versuchte mich zu wehren, doch vergebens. Ich konnte den Schmerz nicht spüren, als der fremde Dunmer den Finger brutal abschnitt und doch schien es für Murus – diesen erbärmlichen Schwächling – gereicht zu haben, etwas zu sagen. Bedauerlicherweise konnte ich die Worte nicht vernehmen, die unser einstiger Bruder zu dem Mann sprach. Doch ich bin mir sicher, er hatte ihm geantwortet.

Dann wurde alles schwarz. Für eine Weile war Murus bewusstlos gewesen und als er wieder erwachte, fand er sich in der Wildnis wieder. Gefesselt und am Boden liegend. Die Männer, die ihn gefangen hatten, standen triumphierend vor ihm, lachend und voller Abscheu in ihren Augen. Sie ließen ihn dort zum sterben zurück, doch nicht ohne eine Falle für jene zu stellen, die ihn suchen würden.

Mit jenem Augenblick hatte sich unserer unheiligen Familie ein bedrohlicher Feind offenbart – die Krähenfüße, und wohl deren Anführer, genannt die Krähe. Doch wer sind sie? Wir wissen zu wenig, während die Krähenfüße möglicherweise den Ort unserer Zuflucht von Murus erfahren haben. Damit hat sich unser Aufenthalt in diesen Landen in eine äußerst besorgniserregend Richtung gewendet. Ich muss Nachforschungen anstellen. Wir dürfen nicht zulassen, dass unserer Aufgabe in Morrowind so schnell ein jähes Ende gesetzt wird.
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Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Nysha« (6. März 2017, 12:31)


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