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Unia

Gelehrter

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Gilde: Orden der Dornenrose

Allianz: Aldmeri-Dominion

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Freitag, 14. Februar 2014, 12:10

Neun Briefe des ersten Versuchs

Neun Briefe des ersten Versuchs

Dunyctor Adlerwind schlenderte durch Nordspitz. Er war langsam zu Fuß. Sein fortgeschrittenes Alter, die salzige Seeluft am Ort und die vielen Märsche, die ihn durch ganz Tamriel geführt hatten, hatten seinen Gelenken sehr zugesetzt. Doch seine Augen waren nach wie vor wach, seine Ohren gewund und sein Lächeln unter den Bewohnern der Stadt legendär. Er hatte für jeden ein offenes Ohr, sei es auf der Straße, in der Taverne oder auch bei seinen öffentlichen oder privaten Sprechstunden in seinem eigenen Haus. Es stand atemberaubend über den Klippen, mit Blick direkt nach Norden über das Meer.

Dunyctor Adlerwind war ein Universalgelehrter. Schon als Kind hatte er nur wenig Interesse an dem Streit gehabt, ob man als Bretone nun Magie anzuwenden oder sie kategorisch abzulehnen habe. Statt aus Büchern zu erfahren, wie alles gekommen war, war er lieber aufgebrochen, um es sich selbst anzusehen. Seine erste Fernreise hatte ihn nach Einsamkeit, tief in Himmelsrand geführt. Seinerzeit war er fasziniert von den Nord, und er bezeichnete jenes Volk noch heute, viele Jahre später, gern als 'vom Gemüt schlicht und vom Verhalten tumb'. Und doch: Himmelsrand hatte ihm Augen geöffnet, vor allem die Drachenbrücke. Es war ihm damals, als kleiner Junge, weniger darum gegangen, Forschungen über Drachen durchzuführen. Diese überließ er weniger aufgeklärten Gestalten. Statt dessen war ihm bewusst geworden: Da ist weit mehr, als man in Nordspitz oder in Hochfels lernen konnte.

Vor allem waren da mehr Völker. Es war ja nicht so, dass seine Erziehung ihm nicht von ihnen erzählt oder sein Vater ihm nicht Bilder gezeigt hatte, aber einen Nord oder einen Mer mit eigenen Augen zu sehen, das war schon etwas anderes. Und in Nordspitz nicht wirklich zu erwarten. Und so kam es, dass er jene vielen Reisen unternahm, sein Wissen in Büchern ansammelte, die Bücher in seinem Haus anhäufte und die Leute zu ihm kamen, wenn sie eine Frage hatten, sich auf eine Reise vorbereiteten oder einen Gast erwarteten.

Derzeit war Sommer und die Tempertur in Nordspitz einigermaßen auszuhalten. Seinen Gelenken ging es ganz gut, und so hatte er es gewagt, sich nach dem langen kalten Frühling wieder auf die Straße zu gehen. Besonders Regen und Nässe hatten ihm sehr zugesetzt, doch in der Sonne, in der frischen, nicht allzu starken Brise und bei all den fröhlichen Gesichtern, die in der Stadt zu sehen waren, vergaß er seine Schmerzen. Die Leute winkten ihm zu. Sie fragten ihn, wohin er unterwegs war oder wie es ihm ginge. Er blieb immer wieder stehen und antwortete auf seine typische, freundliche Art und Weise, verharrte in dem ein oder anderen kleinen Gespräch.

Jemand tippte ihm von hinten auf die Schulter.

Dunyctor Adlerwind wandte sich um und blickte in ein Gesicht, das er seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Seine Mundwinkel zuckten, als er seinen Gegenüber erkannte:
„Vater...“, sagte der Mann.
Dunyctor nickte, lächelte aber weiterhin. „Dunard...“
„Ich habe meine Sammlung beendet und bin nach acht Jahren, die ich als Reisender durch Tamriel verbracht habe, zu dir zurückgekehrt.“
„Du sprichst redundant, mein Sohn“, sagte Dunyctor. „Hast du neun Briefe?“
Der junge Mann nickte.
„Dann komm, lass uns ins Haus gehen.“
Dunard war ganz aufgeregt und folgte seinem Vater.

Es gab nicht viel, das Dunyctor Adlerwind wirklich noch interessierte in seinem hohen Alter. Dass sein Sohn Dunard noch zu seinen Lebzeiten zurückgekehrt war, um ihm die Ergebnisse seiner Forschung zu präsentieren, erfüllte ihn mit großer Freude. Auch Vorfreude kam in ihm darüber auf, was in jenen Briefen stand, die zu besorgen er seinem Sohn aufgetragen hatte. Er konnte sich noch an das Gesicht des damals 22-jährigen erinnern, als er ihm den Auftrag erteilt hatte. Nicht jeden Tag hörte ein junger Mann seinen Vater derart und über jenes Thema sprechen. Dem entsprechend war auch seine Reaktion gewesen, die zwischen Verblüffung, Erstaunen und jugendlicher Vorfreude gelegen hatte. Das Glitzern in seinen Augen hatte Dunyctor nie vergessen.

Wenig später saßen beide Männer bei mittäglicher Sommersonne auf der Dachterasse des Hauses. Nichts konnten sie dieses eine Mal dem Blick über das Meer abgewinnen. Statt dessen hatten sie zu tun. Dunard hatte seinem Vater die mitgebrachten Briefe überreicht. Dieser hatte sorgfältig überprüft, ob sein Sohn sich an die Anweisung gehalten hatte, die er ihm erteilt hatte. Sicher war es nicht einfach gewesen, die eingeforderten Siegel der Briefe unberührt zu lassen, doch er hatte es geschafft: Jedes der Siegel war ungebrochen.

Ohne sich damit aufzuhalten, wie die Geschichten zu diesen Briefen lauteten, beschäftigte sich Dunyctor Adlerwind sogleich mit den Geschichten, die in diesen Briefen geschildert wurden. Von jedem Volk Tamriels je einer. Er sortierte sie sorgfältig auf dem Tisch vor sich. Dunard saß ihm gegenüber und sah ihm zu. Dunyctor hatte bereits einen Ledereinband entworfen und einen Titel graviert: Neun Briefe des ersten Versuchs. Er schlug das Buch auf, blätterte über die einleitenden, theoretischen Artikel der ersten Seiten hinweg und gelangte zu einer Doppelseite, auf der links die ganzseitige Zeichnung eines Argonier-Pärchens zu erkennen, während die rechte Seite leer war. Er nahm den Brief, den Dunard aus der Schwarzmarsch mitgebracht hatte, entblätterte ihn und legte ihn flach gedrückt auf die leere Seite. Mit Wachs befestigte er das Blatt an Ort und Stelle. Erst dann las er:

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Der alte Gelehrte hob erstaunt die Brauen und ging zum nächsten Brief über. Er kam von einem Bosmer:

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„Sehr interessant.“, murmelte er und griff zum nächsten:

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„Diese hochnäsigen Elfen!“, pfiff er leise und schüttelte den Kopf. Der nächste Brief stammte aus der Alik'r-Wüste:

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Er blickte seinen Sohn an und rollte mit den Augen. „Ich nehme an, der Brief eines Bretonen fehlt in der Sammlung?“
Dunards Wangen röteten sich schamvoll, und er senkte den Blick.
Dunyctor Adlerwind schmunzelte und griff nach dem Briff aus Morrowind:

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„Welch Frauen diese Dunmer haben!“, merkte Dunyctor Adlerwind an, und in seiner Stimme schwang dabei durchaus Bewunderung mit.
Der nächste Brief stammte aus Elsweyr:

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„Ja, der warme Wüstensand“, kommentierte Dunyctor Adlerwind süffisant.

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Ohne etwas zu sagen, nahm Dunyctor Adlerwind den letzten Brief, der aus Himmelsrand stammte, und klebte ihn auf die Seite neben das Nord-Pärchen:

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Nachdem er ihn gelesen hatte, lehnte sich Dunyctor Adlerwind erschüttert zurück. Er drehte das Buch seinem Sohn zu und zeigte ihm den Brief. Nach einem kurzen Moment, bis auch Dunard begriff, sprang er auf. „Ich habe dieses Mädchen auf der Straße getroffen. Ich war seinerzeit mit einer Dunmer unterwegs, die mich zu ihr führen wollte. Die Dunmer versorgte das Elternhaus Aetas mit Waren...“ Ihm stockte der Atem. „Sie war sehr in Eile und machte einen recht verwirrten Eindruck...“
„Wie lang ist es her?“
„Sieben Jahre...“
Dunyctor Adlerwind blickte ihn an, und seine Augen wurden traurig. „Dann wird es ihr entweder jetzt gut gehen, oder sie wird tot sein.“
Dunard setzte sich wieder und blickte auf das Meer hinaus. Er versank in seinen Gedanken, und sein alter Vater ebenso.

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Akisha Del´Daerte (14.02.2014), Shatum (14.02.2014), Xuxilbara (14.02.2014), Nita (16.02.2014)